Bahn & GDL: Es wird absurd - etwas Verantwortung, bitte!!

Handschlag zwischen Weselsky und Bahnpersonalvorstand Weber: Wie lange wird es noch dauern?
© dpa, Fredrik Von Erichsen

07. Mai 2015 - 12:47 Uhr

Ja, nein, doch, vielleicht...

Zwischen all den Behauptungen im Streit zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Deutschen Bahn gibt es auch eindeutige Tatsachen: Bahnchef Rüdiger Grube tritt vor die Presse und unterbreitet der streikenden GDL um ihren Chef Claus Weselsky ein neues Angebot im Tarifstreit. Öffentlich und für jeden Interessierten wahrnehmbar will die Bahn erkennen lassen, dass man verhandlungsbereit ist. Jeder konnte es sehen und hören, darüber lässt sich nicht streiten.

Streiten indes kann man wunderbar, über das, was der abseits der öffentlichen Wahrnehmbarkeit geschieht, denn das Angebot der Bahn gilt ja nicht der Öffentlichkeit sondern der GDL um Chef Weselsky. Und spätestens an diesem Punkt wird beinahe kurios: Die Bahn, das Schreiben sei vor der Pressekonferenz von Bahnchef Grube und Personalvorstand Ulrich Weber "an Herrn Weselsky persönlich sowie an die Tarifabteilung der GDL geschickt worden". Weselsky wiederum sagte, er habe extra noch mal seine Sekretärin gefragt, es sei bislang nichts angekommen. Es herrscht also nicht einmal Einigkeit über formale Vorgänge, die doch eigentlich zweifelsfrei zu überprüfen sind.

Kein Verantwortungsbewusstsein zu erkennen

Irgendjemand sagt also die Unwahrheit. Die Bahn, die GDL oder gar Weselskys Sekretärin. Und wenn bei so einer Kleinigkeit schon ein Dissens über die Fakten und die Wahrheit vorliegt, dann beginnt der Beobachter bei den Beteiligten gar mögliche Unfähigkeit, zumindest aber die Weigerung , sich der Position entsprechend verantwortungsvoll zu verhalten. Und das unabhängig von der Frage, wer den an dem gesamten Schlamassel die Hauptschuld trägt. Wenn irgendjemand schon über das Vorhanden- oder nicht Vorhandensein von ein paar Seiten Papier die Unwahrheit sagt, was sagt das dann darüber aus, was von den Tarifparteien aus den Verhandlungen an die Öffentlichkeit getragen wird?

Bevor man also einen Mittler wie den einstigen brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) bemüht, Einigkeit in den Verhandlungen zu schaffen, sollte man vielleicht eher einmal jemanden mit der Aufgabe betreuen, den Beteiligten ihre Verantwortung vor Augen zu führen. Es geht hier nicht um den Obstladen an der Ecke, sondern um ein Milliardenunternehmen, das täglich Millionen Menschen von einem Ort zum anderen bringt. Und nicht für alle Betroffenen ist dieser Ort ohne die Bahn zu erreichen. Dieses Verantwortungsbewusstsein ist momentan bei keinem der Beteiligten zu erkennen. Und selbst wenn man der Bahn bei ihrem Angebot guten Willen unterstellt: Bei Weselsky wird er nicht ankommen.