17. Januar 2018 - 18:07 Uhr

Ist 'Teleclinic' Tabubruch oder technischer Fortschritt?

Diagnose geht jetzt ganz bequem von zuhause aus: Seit dem 1. Januar dürfen Ärzte in Baden-Württemberg ihre Patienten am Telefon oder online behandeln. Selbst wenn sie die Patienten noch nie zuvor gesehen haben, ist das kein Problem. Somit kommt die Medizin der digitalen Welt ein Stückchen näher – doch ist das für deutsche Ärzte nicht ein totaler Tabubruch?

Keine vollen Wartezimmer beim Arzt mehr

Das kennen Sie doch auch: Sie sind stark erkältet und wollen sich eigentlich nur im Bett auskurieren. Doch beim Arzt in der Nähe ist das Wartezimmer immer voll. Dafür gibt's jetzt zumindest in Baden-Württemberg eine Lösung: Patienten können sich per Telefon oder App von Ärzten aus der Ferne untersuchen lassen. Ins Leben gerufen wurde das Pilotprojekt von der 26-jährigen Katharina Jünger mit ihrer Firma 'Teleclinic'. In Zusammenarbeit mit 200 Ärzten macht sie die digitale Behandlung möglich. Sowohl private als auch gesetzliche Krankenkassen unterstützen die ärztliche Beratung am Telefon, berichtet die 'FAZ'.

So funktioniert die digitale Behandlung

Mit den Ärzten können die Patienten entweder per App, Internetseite oder Telefon Kontakt aufnehmen. Eingehende Fragen werden dann in einem IT-System erfasst, auf das die Ärzte entweder von zuhause oder ihrer Praxis aus Zugriff haben. Aus den Patientenmeldungen kann sich dann jeder Arzt einen Fall aussuchen. Idealerweise kommunizieren Arzt und Patient per Videotelefonie, es geht aber theoretisch auch ohne Bewegtbild. Mehr als eine allgemeine krankheitsbezogene Beratung kann Teleclinic ihren Kunden jedoch nicht anbieten. Das Ziel dabei: Diagnosen, Rezepte und Krankmeldungen für Berufstätige. Die kommen dann ganz bequem per E-Mail. Typische Erkältungspatienten sparen sich dadurch eine Menge Zeit und müssen somit nur noch den Weg zur Apotheke zurücklegen.

Die Schweiz als Vorreiter der ärztlichen Behandlung am Telefon

Was in Deutschland in 15 Bundesländern noch sehr skeptisch gesehen wird, ist in der Schweiz längst gang und gäbe – krankmelden per Telefon kann man sich dort schon seit zehn Jahren. Unter den Telemedizin-Anbietern ist die Firma 'Medgate' mit dem Slogan "Doc around the clock" der Marktführer. Laut 'FAZ' gleicht die Firma mit mehr als 2.000 Anrufen pro Tag einem Call-Center.

Im Video erfahren Sie, wie das Pilotprojekt in Baden-Württemberg angelaufen ist und welche Meinung Hausärzte zur Fernbehandlung per Telefon haben.