Prozess vor dem Landgericht Baden-Baden

30 Jahre nach Tat: Pfadfinderleiter (64) wegen Gruppenvergewaltigung eines Kindes vor Gericht

Die Tat liegt mehr als 30 Jahre zurück, nun steht der Leiter einer Pfadfindergruppe vor Gericht. Er soll Kinder dazu genötigt haben, ein Mädchen gefesselt und vergewaltigt zu haben.
© dpa, Nicolas Armer, dav soe cv fie

30. September 2020 - 16:08 Uhr

Kleines Mädchen gefesselt und missbraucht

Ein heute 64-Jähriger soll zwischen 1983 und 1987 als Leiter einer Pfadfindergruppe Kinder dazu genötigt haben, gemeinsam ein Mädchen zu vergewaltigen. Im Laufe der Ermittlungen kamen noch weitere Missbrauchsfälle ans Licht.

Opfer erstattete mehr als 30 Jahre nach der Tat Anzeige

In Baden-Baden hat der Prozess gegen einen 64 Jahre alten ehemaligen Leiter einer Pfadfindergruppe begonnen. Ihm wird vorgeworfen, in einem nicht näher benennbaren Zeitraum zwischen 1983 und 1987 als Leiter einer Pfadfindergruppe mehrere kindliche beziehungsweise jugendliche Pfadfinder genötigt zu haben, ein damals sieben bis elf Jahre altes Mädchen zu fesseln und zu vergewaltigen. Anschließend habe er den Beteiligten mit einem "Pfadfinderschwur" eingebläut, niemandem etwas erzählen zu dürfen.

Und das taten die Pfadfinder auch nicht. Laut eines weiteren Opfers, das im Prozess als Zeuge aussagte, habe der ehemalige Gruppenleiter die Taten "geschickt verpackt". Erst über 30 Jahre nach der furchtbaren Tat kam Bewegung in den Fall, als das damalige Opfer 2017 Anzeige erstattete und damit Ermittlungen auslöste. Dabei sei die Staatsanwaltschaft auf "weitere massive, als Pfadfinderübungen getarnte Missbrauchstaten an etlichen Kindern und Jugendlichen" gestoßen. Diese konnten laut der Behörde nicht mehr geahndet werden, weil sie bereits verjährt waren.

Dies gilt jedoch nicht für die nun angeklagte Gruppenvergewaltigung, obwohl sie mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt. Der Grund: Die Verjährungsfrist von 20 Jahren ruht bei Vorwürfen wie dem sexuellen Missbrauch von Kindern bis zum Ende des 30. Lebensjahres des Opfers (§ 78b Abs. 1 Nr. 1 StGB).