Baden-Baden: Eltern machen gegen Kindertheaterstück mit schwulem Känguru mobil - Theater setzt es ab

© dpa, Jochen Klenk, bwe gfh

5. Juli 2017 - 11:22 Uhr

Lehrer bekommen Gegenwind von Eltern

Riesentheater in Baden-Baden! Das Kindertheater hat ein Stück um ein schwules Känguru aus dem Programm genommen. Es sollte eigentlich Schulklassen Werte wie Toleranz und Vielfalt vermitteln. Doch das passte vielen Eltern im Südwesten der Republik offenbar nicht. Jetzt wurde 'Ein Känguru wie Du' aus dem Programm genommen - die Zuschauer waren ausgeblieben.

Toleranz lässt sich nicht verordnen

Freundschaft, Toleranz und Vielfalt stehen seit 2016 im Bildungsplan von Baden-Baden. Wohl auch deshalb wollten Lehrer mit ihren Schülern das Theaterstück 'Ein Känguru wie Du' besuchen, das sich an Kinder zwischen acht und zwölf Jahren richtet. Es geht um das Känguru Django, das gut boxen kann und schwul ist. Das Stück wurde von der Kritik gelobt. Trotzdem nimmt Intendantin Nicola May die Geschichte des Tübinger Autors Ulrich Hub aus dem Programm.

Das 'Badische Tagblatt' berichtet von Elternprotest, der zur Absetzung führte, von Gegenwind, den Lehrer von Eltern bekamen. Beim Ticketservice und in den theaterpädagogischen Vor- und Nachbereitungen in den Schulen habe das Theater die "vermehrt gespaltenen Meinungen zum Stück bei einigen Lehrern und Eltern" mitbekommen, teilt das Theater mit. Zwar ist es unter dem Grünen-Regierungschef Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg politisch gewollt, das Thema sexuelle Vielfalt auch mit einem eigens aufgelegten Bildungsplan an Schüler heranzuführen. Doch verordnen lässt sich Toleranz eben nicht. Davon konnte sich auch die Politik überzeugen, als besorgte Eltern im vergangenen Jahr bei der 'Demo für alle' gegen eine Sexualisierung ihrer Kinder protestierten.

Auf Schulhöfen sind noch immer Schimpfwörter wie "schwule Sau" verbreitet

Intendantin May erinnert sich, dass die 'Demo für alle' auch ein Grund dafür war, ein solches Stück auf die Bühne zu bringen. Inzwischen ist der kritisierte Bildungsplan in Kraft, wenn auch - nach Meinung des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) - kaum mit durchschlagender Wirkung. Der Bundestag hat zudem gerade die ebenfalls von der 'Demo für alle' bekämpfte 'Ehe für alle' beschlossen.
 
Aber in Sachen Akzeptanz für andere Lebensweisen gibt es immer noch viel zu tun, wie der Bund-Länder-Koordinator beim LSVD, René Mertens, sagt. Auf Schulhöfen seien noch immer Schimpfwörter wie "schwule Sau" verbreitet. Kinder würden homophob gemobbt. Deshalb sei ein solches Theaterprojekt zu begrüßen.

Hub kennt die gespaltenen Meinungen. "Ich bin seit einem Jahr mit dem Buch auf Tour und höre auch manchmal: 'Können Sie bitte aus einem anderen Buch lesen'", sagt der in Berlin lebende Autor. Die Kinder seien angeblich zu klein und würden überfordert. In der Kommentarspalte auf der Internetseite des Verlags liest sich das - neben Lob für die tiefsinnige Geschichte - so: "Wer kleine Kinder mit Schwulsein überfallen will, wählt dieses Buch..."; eine "Kampfschrift für Geschlechterpluralität", schreibt ein Leser. Hub ist dagegen überzeugt: "Kinder nehmen das anders wahr, unvoreingenommener." Er betont, dass die Handlung mit Altersfreigabe ab acht Jahren sich um Freundschaft drehe - nicht um Schwulsein. Und gespielt werde es auch anderswo. So etwa in Köln -