RTL News>Gesundheit>

Badedermatitis: Wenn es nach dem Schwimmen juckt - das hilft gegen "Entenflöhe"

Badedermatitis

Wenn es nach dem Schwimmen juckt: Das hilft gegen "Entenflöhe"

Berlin: Stand-Up Paddler fahren auf dem Schlachtensee. In diesem See wie in anderen Gewässern gab es in den Vorjahren Hinweise auf Saugwürmer im Wasser. Ihre winzigen Larven, die so genannten Zerkarien, treten vermehrt an Ufern m
Die winzigen Larven von Saugwürmern, die so genannten Zerkarien, treten vermehrt an Ufern mit vielen Pflanzen und Vögeln auf und können beim Menschen Badedermatitis auslösen.
bsc, dpa, Christophe Gateau

Sommer, Sonne und warme Temperaturen verleiten einen schnell dazu, ins kühle Nass zu springen. Doch manchmal folgt der Erfrischung dann auch ein Juckreiz. Grund dafür ist die sogenannte Badedermatitis (umgangssprachlich auch als Entenflöhe bezeichnet), die vor allem durch Saugwürmer verursacht wird. Ihre winzigen Larven, die sogenannten Zerkarien, treten vor allem an Ufern mit vielen Pflanzen und Vögeln auf, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) mitteilt. Sie können Hautentzündungen verursachen und das Badevergnügen trüben. Der Naturschutzbund (NABU) gibt Tipps, was Sie gegen den Juckreiz tun können.

Lese-Tipp: See statt Meer: Urlaub an Deutschlands schönsten Badeseen

Wenn es nach dem Baden juckt

Wer aus dem See kommt und kurze Zeit später einen Juckreiz verspürt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit das Opfer von Zerkarien geworden. Diese Saugwurm-Larven sind der Auslöser der sogenannten Badedermatitis (auch Zerkarien- bzw. Schistosomatidendermatitis, Hundsblattern oder Weiherhibbel genannt). Dabei dringen Zerkarien in die Haut ein und lösen eine allergische Reaktion aus. Oft liegt auch der Verdacht nahe, dass man empfindlich auf zahlreiche Algen im Gewässer reagiert und auch Wasserflöhe werden gelegentlich zu Unrecht als Ursache vermutet. Aber für das meist starke Jucken sind oftmals Zerkarien verantwortlich. Die Badedermatitis wurde erstmals in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts beschrieben und kommt heute weltweit, insbesondere in Nordamerika und Mitteleuropa, vor. Aber auch für Schleswig-Holstein gibt es bereits zeitlich frühe Belege für die zwar lästige, aber meist harmlose Hauterkrankung.

Die Hauptschwärmzeit der Zerkarien beginnt in der Regel im Frühsommer und erreicht im Spätsommer einen zweiten Höhepunkt. Vor allem nach Schönwetterperioden werden vermehrt Fälle von Badedermatitis registriert.

Was sind Zerkarien?

Zerkarien sind die Larven von Saugwürmern, die eigentlich andere Tiere befallen. Irrtümlicherweise können sie aber auch in die Haut des Menschen eindringen und stecken bleiben. So lösen sie dort dann eine allergische Reaktion aus. Sie dringen laut NABU bei „Enten, Tauchern und Gänsen aktiv in die Haut der Füße ein und gelangen über das Blutgefäßsystem in die Venen des Darmes bzw. in die Blutgefäße der Nasenschleimhaut“. Dort wachsen sie zu Saugwürmern heran, deren Eier mit dem Kot oder dem Schleim der Nasenschleimhaut des befallenen Tieres ins Wasser ausgeschieden werden. Aus diesen Eiern des Saugwurms schlüpft dann jeweils eine Larve (das erste freie Larvenstadium: Miracidium), die aktiv eine Süßwasserschnecke aufsucht und in diese eindringt. Die Mirazidien bilden in dem sogenannten Zwischenwirt, in dem Fall der Süßwasserschnecke, Vermehrungsstadien aus, bis die dort gebildeten Zerkarien (das zweite freie Larvenstadium des Saugwurms) aus der Schnecke ins Wasser ausschwärmen und an die Wasseroberfläche schwimmen.

Normalerweise suchen Zerkarien nach dem Freisetzen an der Wasseroberfläche nach Wasservögeln. Dabei können sie aber auch versehentlich in menschliche Haut von Schwimmern oder Tauchern eindringen. Dort gehen sie zwar kurz nach dem Eindringen kaputt, verursachen aber eine mit starkem Juckreiz verbundene Hautreaktion. „Der Mensch stellt für die Saugwürmer einen ‘Fehlwirt’ dar, in dem sich der Parasit aber nicht weiterentwickeln kann“, so der NABU.

Lese-Tipp: Was hat mich denn da gestochen?

Was können Sie gegen die Badedermatitis tun?

Hat der Mensch das erste Mal Kontakt mit den Larven des Saugwurms, entsteht nur eine geringe Hautreaktion. Erst beim zweiten Mal, wenn das Immunsystem den Eindringling bereits erkennt, kommt es zu einer stärkeren Abwehrreaktion mit lästigen Juckbeschwerden. Es gibt aber einige Tipps, die Sie umsetzen können, um den Zerkarien aus dem Wege zu gehen, wenn Sie in Seen baden:

  • Meiden Sie flache und an Wasserpflanzen reiche Uferzonen und beachten Sie unbedingt außerdem Hinweisschilder von See-Gemeinden an Badeufern.
  • Cremen Sie die mit dem Wasser in Kontakt kommenden Körperteile vor dem Bad mit wasserunlöslicher Creme (Sonnencreme, Vaseline) ein.
  • Trocknen Sie sich nach dem Baden sofort ab und wechseln Sie die Badesachen, um den Zerkarien keine Gelegenheit zum Eindringen in die Haut zu geben.
  • Sie sollten sich auf keinen Fall kratzen, um Sekundärinfektionen der Haut mit Bakterien zu vermeiden.
  • UM den Juckreiz zu lindern, helfen meist Gels oder Kühlpackungen, so wie bei Insektenstichen.

Für gewöhnlich hört das Jucken nach drei bis fünf Tagen auf und auch zehn bis zwanzig Tagen sind in der Regel auch die Quaddeln abgeheilt. Normalerweise bedarf es keiner ärztlichen Behandlung, nur bei Kindern und Personen mit starker allergischer Reaktion sollten Sie das Ausmaß im Auge halten und gegebenenfalls eine Arzt aufsuchen. Oft helfen dann Medikamenten (Antihistaminika) und kühlende und antiseptisch wirkenden Gels.

Gerötete Hautstelle
Das Jucken nach einer Badedermatitis ist in den meisten Fällen nach drei bis fünf Tagen verschwunden. (Symbolbild)
Astrid860, iStock

Der NABU rät: Bitte keine Enten füttern

Um generell die Anzahl von Zerkarien im Wasser zu verringern, sollten Sie im Umfeld von Badestellen keine Enten füttern. „Je mehr Futter, desto mehr Enten, mehr Kot und mehr Zerkarien“, so der NABU. Außerdem locken Fütterungen zudem Ratten an, fördern die Übertragung von Krankheiten, und mästen die Tiere.

Momentan gibt es keine „wirksame, ökologisch vertretbare Bekämpfungsmethode, die gegen Zerkarien und Wasserschnecken als Zwischenwirte eingesetzt werden kann“, schreibt der NABU. Wegen der komplexen Zusammenhänge im Ökosystem See könne theoretisch zwar der Einsatz von natürlichen Parasiten helfen, jedoch müssten „solche Vorhaben auf jeden Fall mit mit entsprechenden wasserbaulichen Maßnahmen und einer Reduktion des Nährstoffeintrages in die Gewässer als eine langfristige, zufriedenstellende Lösung kombiniert werden“. (kko)

Lese-Tipp: Mediziner klärt aufSo beugen Sie Urlaubs-Krankheiten am besten vor