Bad Segeberg: Kleinkind (3) aus Keller befreit

17. Dezember 2014 - 20:30 Uhr

Eltern: "Der sieht doch ganz munter aus"

Was ein dreijähriger Junge aus Bad Segeberg in seinem kurzen Leben schon durchmachen musste, ist unvorstellbar: Die Besitzerin eines Mehrfamilienhauses entdeckte den Jungen völlig verwahrlost in einem Kellerraum. Der Boden und die Wände waren mit Kot beschmiert, im Kinderbett fehlte der Lattenrost. Als ihn seine Retterin entdeckte, war er zudem splitternackt. "Die weit aufgerissenen Augen von dem Jungen, der mit seinen kleinen Füßen im Kot stand, werde ich nie vergessen", sagt die Vermieterin.

Zu den herbei gerufenen Beamten sollen die Eltern des Kindes doch tatsächlich gesagt haben: "Der sieht doch ganz munter aus", erinnert sich die Retterin. Eine Verkäuferin aus der Nachbarschaft hat in der Vergangenheit alarmierende Beobachtungen von der fünfköpfigen Familie gemacht: "Gesehen habe ich, dass die Kinder mehrfach Jeanshosen getragen haben, bei denen man gesehen hat, dass sie in die Hosen gemacht haben, was bereits eingetrocknet war. Die Kinder hatten Verunreinigungen am Hals, wo Exzeme dann auch sichtbar waren."

Nachbarin: Jugendamt hat nicht reagiert

Drei Mal habe sie das Jugendamt informiert, aber passiert sei nichts, obwohl die Behörde der Familie schon vor Jahren drei Kinder entzog. Eine Schuld an dem Martyrium des Jungen will das Amt nicht eingestehen: "Das ist für uns quasi neu, dass wir beispielsweise Kellerräume präventiv untersuchen, ob sich da Kinder aufhalten. Das ist für uns nicht eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn wir auf die Familien zugehen, sondern das war uns einfach nicht bekannt ", sagt Lorenz Schneider vom Jugendamt Bad Segeberg.

Während der Dreharbeiten von RTL kamen Mutter und Großmutter des Gefangenen nach Hause. Die Oma bestätigt indirekt, dass der Junge im Keller lebte: "Er kam immer hoch und hat sein Essen bekommen. Und was rumgesponnen wird, das ist das Letzte", sagt sie.

Womöglich verbrachte der kleine Junge mehr als drei Monate in dem Kellerverlies. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt gegen die Eltern wegen Vernachlässigung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung. Inzwischen sind alle Kinder den Eltern entzogen, dem Dreijährigen geht es laut Jugendamt zumindest medizinisch gesehen gut.