Die wöchentliche RTL-„Bachelor in Paradise“-Kolumne

Tränen im Paradies und ein Missverständnis in 3 Akten

In Woche 4 fließen die Tränen bei "Bachelor in Paradise"
In Woche 4 fließen die Tränen bei "Bachelor in Paradise"
© RTL interactive/Juliane Schröder/Massimo Galati

11. November 2019 - 8:50 Uhr

von Claudia Spitzkowski

Wer bislang dachte, dass der Tod von Jack in "Titanic", die Schlussszene aus "Club der toten Dichter" oder Bambis tote Mama auf der nach oben offenen Skala der durchgeheulten Taschentüchern nicht zu überbieten sind, der wird bei "Bachelor in Paradise" eines Besseren belehrt. Der Mann Aurelio geht und nicht einmal eine XXL-Familienpackung Kleenex kann die Tränenströme trocknen, die das Paradies daraufhin fluten.

Sag mal, weinst du, oder ist das der Regen, der von deiner Nasenspitze tropft?

In der letzten Woche hatte Aurelio Savina ein Auge auf Samantha Justus geworfen. Zunächst schien der Alpha-Mann mit seiner brachialen Flirttechnik Punkte bei der attraktiven Blondine zu sammeln, bis seine erotische Vergangenheit zum Thema wurde. Während er auch in der Retrospektive kein Problem darin sah, in sexy Filmchen wenig bekleidet mit noch weniger bekleideten Damen vor der Kamera zu agieren, fand sein Schwarm das nicht so anturnend. In der dritten Nacht der Rosen gab es zwar noch eine Rose für Sam, aber kein Happy End für die Schöne und das Biest. "Wir passen nicht zusammen", fasst Sam den aktuellen Beziehungsstatus in Woche vier zusammen.

Und weil sich ein Mann wie Aurelio nicht ohne Konsequenzen derart herzlos abservieren lässt, zieht er die selbigen daraus und tut, was ein echter Mann in so einer Krisensituation halt tut: er schleicht sich klammheimlich davon. Aber nicht, ohne den zurückgelassenen Singles einen hoch emotionalen Abschiedsbrief zu schreiben. "Ehrlichkeit und Demut machen aus tollen Menschen besondere Menschen", schreibt Aurelio an die Zurückgelassenen gerichtet und wir sehen diesen Satz schon jetzt unter einem Sonnenuntergangsmotiv auf einer Sinnspruch-Postkarte im Bahnhofs-Zeitungskiosk. "Wenn ich euch was Gutes für die Zukunft mitgeben konnte, erfüllt mich das mit Stolz", hofft Aurelio und richtet auch letzte Worte an Samantha: "Sammy, du wundervolles Wesen, hast in mir etwas ausgelöst, was ich verloren glaubte."

Spätestens da brechen sämtliche Dämme und alle liegen sich weinend in den Armen. "Er ist der Hammer", schluchzt Sam und Erotikvergangenheit und Macho-Gehabe verschwinden hinter dem gnädigen Schleier unzähliger Tränen als wäre nie was gewesen.

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„Bachelor in Paradise“-Neuzugang Daniel macht aus Männern „laufende Frikadellen“

Daniel Chytra, dessen österreichischem Charme Bachelorette Gerda Lewis erfolgreich widerstehen konnte, zieht neu ins Paradies ein. Das finden die anderen männlichen Singles nur so semi gut. Während es sich die Ladys zur gemeinsamen Aufgabe machen, den attraktiven Neuzugang herumzuführen, bleiben die Männer wie bestellt und nicht abgeholt am Beckenrand zurück. Ein wenig wie die unsportlichen Jungs, die im Schulunterricht immer als Letzte in die Mannschaft gewählt werden. Es bricht kollektives Klagen aus. Zum allgemeinen Leidwesen sieht Daniel "nicht so schlecht aus" und hat offensichtlich mächtig trainiert. Die Reisegruppe Paradies, die den All-Inclusive-Urlaub mit Cocktails und gutem Essen schon ausgiebig genossen hat, zieht ein bitteres Fazit: "Und wir sind hier laufende Frikadellen!" Ja, auch Männer haben Gefühle.

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?

Da würde es die Herren sicher freuen zu hören, dass eine der Ladys dem Neu-Single so gar nichts abgewinnen kann. Samantha fand Daniel in seiner "Bachelorette"-Staffel nämlich richtig unsympathisch. Da trifft es sich ja ausgezeichnet, dass der Österreicher ausgerechnet sie zum Date bittet. Samantha nutzt die Zweisamkeit auf einer Yacht, um ihrem Missgefallen über Daniels damaliges Verhalten in der Bachelorette-Villa deutlich Ausdruck zu verleihen. Was danach folgt, erinnert an die Momente, wenn Will Smith in den "Men in Black"-Filmen den Neuralyzer auspackt und jemanden "blitzdingst", damit diese Person vergisst, ein Alien gesehen zu haben. Am Ende dieses Dates wird Sam nämlich mit verklärtem Blick von Bord gehen und wie fremdgesteuert Sätze sagen wie "Wer den nicht gutaussehend findet!" oder "Wer müsste da noch kommen, der mir besser gefällt als Daniel?" Schauen Sie jetzt bitte in dieses Licht …

Daniel Chytra und Samantha Justus dürfen bei „Bachelor in Paradise" eine Bootsfahrt machen.
Daniel Chytra und Samantha Justus dürfen bei „Bachelor in Paradise" eine Bootsfahrt machen.
© RTL

Scheitern als Chance in Woche 4 von „Bachelor in Paradise“

"Geblitzdingst" wurde offenbar auch Alex Hindersmann, denn er hat sein Date mit Carina Spack in Woche drei in guter Erinnerung. Sie hingegen nicht. Weswegen sie ein weiteres Rendezvous mit ihm mit den Worten "Vielleicht solltest du jemand anderes mitnehmen" höflich, aber mehr als deutlich ablehnt. Das tut zunächst weh, aber nach dem Motto "Scheitern als Chance" orientiert sich Alex schnell um und wählt Jade Übach als Date aus. Das ungleiche Paar versucht sich an Partner-Yoga, was beim Zuschauen irgendwie an die Erotikfilme, die Aurelio gedreht hat, erinnert – nur halt mit Klamotten an.

Viel lieber würde Jade allerdings mit Filip Pavlovic turnen (gerne auch ohne Klamotten) und hofft mit kindlichem Trotz, dass ihn daheim die Eifersucht packt, während sie mit Alex die Übung "Abstürzende Blondine" macht.

Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten

Es ist leider nicht die Eifersucht, die Jades Schwarm Filip in der Villa wie der Blitz trifft, sondern die Erkenntnis, dass es für ihn und sie kein Partner-Yoga geben wird. So gar nicht. Desweitern geht ihm in einem hellen Moment auf, dass er ihrem zukünftigen Glück durch seine pure Anwesenheit im Weg steht: "Es gibt hier bestimmt den einen oder anderen, der Jade besser kennen lernen möchte und ich baue einfach so eine Mauer zwischen denen." Er sei wie ein "Eisblock" und könne sich Jade gegenüber einfach "nicht emotional öffnen". Was sie ja sicher längst auch gemerkt habe.

Wohl eher nicht. Deshalb lässt sich Jade in der vierten Nacht der Rosen von Filip wie ein ahnungsloses Lämmchen zur Schlachtbank zu einem Gespräch unter vier Augen führen. "So wie du eigentlich bist, sollte jede Frau sein, weißt' wie ich meine?", beginnt er und es folgt eine Aufzählung all ihrer - in seinen Augen wirklich herausragenden - menschlichen Eigenschaften. Jade weiß ganz offenbar immer noch nicht, was Filip meint und schweigt. Daraufhin sieht dieser sich genötigt, deutlicher zu werden: "Das Problem ist, dass du so eine tolle Frau bist – und ich dich irgendwie hinhalte."  Es folgt eine längere Litanei darüber, dass Filip schließlich wolle, dass Jade glücklich ist - aber eben bitte nicht mit ihm. Deshalb möchte er auch keine Rose von ihr. Selbst, wenn das für ihn bedeutet, dass er gehen muss. Heroisch.

Filip erklärt Jade, dass er nichts von ihr will.
Filip erklärt Jade, dass er nichts von ihr will.
© RTL

Jetzt endlich weiß Jade, was Filip meint und es fließen Tränen. Viele. Auch ein mit Schleifchen verzierter und hübsch verpackter Korb bleibt eben nun mal ein Korb. Bockig macht sie klar, dass sie dann keinem eine Rose geben werde.

Während sie sich auf den Schreck von Barkeeper und Ur-Bachelor Paul Janke eine "Mehr Weißwein als Schorle"-Weißweinschorle mixen und sich von den anderen Singles trösten lässt, ist Filip von dem nicht enden wollenden Strom ihrer Tränen latent irritiert: "Genau das, was gerade passiert ist, wollte ich eigentlich umgehen". Tja, da hätte er sich vielleicht den Mann Aurelio als Mentor wählen sollen, der letzte Woche so gekonnt mit Michelle Schellhaas Schluss gemacht hat, dass diese ihm seiner Einschätzung nach am Ende "sehr, sehr dankbar" war. Vielleicht schreibt Filip ihm mal einen Brief.

Serkan und die Frauen: ein Missverständnis in 3 Akten

Akt 1: In der letzten Nacht der Rosen hat Serkan Yavuc seine Rose an Janine Christin Wallat vergeben. Sie robbt sich beim gemeinsamen Abhängen auf einer Strandliege vorsichtig ran: "Ich finde dich halt echt interessant und wenn ich jetzt eine Date-Karte bekommen würde, ich es auf jeden Fall nicht ausschließen würde, dich mitzunehmen." "Ja, klar, du warst mir auf Anhieb gleich sympathisch", erwidert Serkan treuherzig und zeigt sich nicht abgeneigt, sie auf dieses Date zu begleiten. Janin Christin strahlt wie angeknipst und spätestens jetzt wäre es schlau von Serkan, deutlich zu sagen, ob da was geht oder nicht. Aber hui, ist der günstige Moment schneller vorbei als wir "Das geht nicht gut aus" sagen können.

Und weil sie weiß, dass Serkan auch Carina sehr sympathisch findet, sieht Janine Christin jetzt auch den geeigneten Zeitpunkt, ihm die Konkurrentin mal etwas madig zu machen. "Guck halt auch immer ein bisschen dahinter", warnt sie Serkan nebulös. Dieser tut tapfer so, als verstünde er nur Bahnhof, denn über Carina will er lieber nicht schlecht reden. Ende Akt 1. Abgang Serkan zu den Klängen von "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo".

Serkan und Carina kuscheln bei „Bachelor in Paradise".
Serkan und Carina kuscheln bei „Bachelor in Paradise".
© RTL

Akt 2: Für Carina ist Janine Christin zwar keine Konkurrenz, trotzdem hakt sie bei ihm nach: "Was ist mit Janin?" Serkan beteuert, er habe deutlich gesagt, dass er kein Interesse an ihr habe: "Ich bin da ja immer ehrlich und direkt." Doch noch während er Carina seine Version der kleinen Unterhaltung mit Janine Christin schildert, scheint ihm klar zu werden, dass er sich ganz vielleicht möglicherweise doch nicht deutlich genug ausgedrückt haben könnte. Also, wäre schon irgendwie möglich. Wir riechen einen Hauch von Angstschweiß. Ende Akt 2. Abgang Carina mit dem Satz: "Er muss ihr jetzt einfach sagen, ey, ich habe keinen Bock auf dich".

Akt 3: Und weil sich Serkan noch nicht genug um Kopf und Kragen geredet hat, steckt er Carina nicht nur, dass Janine Christin ihn vor ihr gewarnt hat, sondern bittet sie auch noch ganz lieb darum, die Nebenbuhlerin aber jetzt besser nicht darauf anzusprechen. "Carina ist wow, aber sie spielt mit dem Feuer, deshalb muss man vorsichtig sein", glaubt Serkan ernsthaft, eine mögliche Eskalation zwischen den Ladys so noch verhindert zu haben. Im Theater würde jetzt teuflisches Lachen und finsteres Donnergrollen aus dem Off erklingen. Ende Akt 3. Abgang Serkan, von den Frauen und der Gesamtsituation sichtlich überfordert. Es ertönt mitleidiger Applaus. Das Publikum wünscht Serkan von Herzen einen Neuralyzer, der vieles von dem, was er gesagt und nicht gesagt hat, ungeschehen macht. Vielleicht rückt Daniel seinen ja raus?

Die 4. Nacht der Rosen bei „Bachelor in Paradise“

Hier schalten wir den Ironie-Modus mal kurz aus, denn die vierte Nacht der Rosen bei "Bachelor in Paradise" wird für einen Paradies-Neuzugang zu einem ganz besonderen Moment, der sein Leben für immer verändert. Rafi Rachek, bekannt aus die "Die Bachelorette" 2018, nutzt die Rosenvergabe dafür, sich zu outen. Ein sehr mutiger Schritt, der von allen anderen Singles gefeiert wird. "Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass ich frei bin und keine Maske mehr tragen muss", fasst Rafi seine Gefühle glücklich zusammen. Seine Suche nach der großen Liebe im Paradies endet hier, für die restlichen Singles geht es weiter.

Jade hält ihr Versprechen, keinem Mann außer Filip ihre Rose geben zu wollen: "Wir brauchen dich hier!" Und auch, wenn dieser "ganz besondere Mensch" ihr noch kurz davor einen dicken Korb gegeben hat und heroisch so getan hat, als würde er in Kauf nehmen, damit auch das Paradies verlassen zu müssen, schnappt er sich ihre Rose jetzt trotzdem. Man(n) weiß ja nicht, was da noch kommt. Und was interessiert mich mein Geschwätz von gestern.