Die wöchentliche RTL-Kolumne

Kuss-Pannen, „stabile Körper“ und Männer, die erst über den Charakter schön werden

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28. November 2019 - 11:38 Uhr

von Claudia Spitzkowski

In Woche 6 bei "Bachelor in Paradise" lernen wir, dass man(n) "über den Charakter mit der Zeit schöner wird", dass auch eine Frau mit 33 noch eine echte "Premium-Frau" mit "stabilem Körper" sein kann und dass bei Dates der Abstand zum rettenden Ufer eine entscheidende Rolle spielen kann.

Blöder Fehler, Marco. Ganz blöder Fehler!

Nach Filip Pavlovics freiwilligem Abgang in Woche 5 war sein Buddy Marco Cerullo kurz versucht, mit ihm das Paradies zu verlassen. Das kam bei Christina Grass, mit der Marco seit Woche 2 in einer als nahezu fest zu bezeichnenden Beziehung ist, nicht gut an. Im Paradies für eine andere Frau sitzengelassen zu werden – im Preis mit inbegriffen. Aber beinahe für einen anderen Kerl verlassen zu werden? Das kratzt schon am Ego. Christina schmollt auch in Woche 6 noch leise vor sich hin. Leider so leise, dass Marco dafür offenbar komplett taub ist.  

Beim gemeinsamen Date auf einem Boot interpretiert er Zweisamkeit, Sonnenschein und das leise Gluckern der Wellen daher als gute Ausgangsfaktoren für das Zünden der nächsten Beziehungsstufe. Er startet einen tapsigen Annäherungsversuch und beugt sich zum ersten Kuss hinüber. Blöder Fehler. Ganz blöder Fehler. "Das hat zur gesamten Situation nicht gepasst", wird Christina sich später über Marcos, in ihren Augen eklatante, Fehlinterpretation dieses gemeinsamen Moments ereifern. Für ihre eigentliche Abfuhr findet sie dann so deutliche Worte, dass auch Marco endlich versteht. "Bist du irre?!" und "Im Leben nicht!", faucht sie ihn an, während er noch mit gespitzten Lippen in vorfreudiger Erwartung über ihr lehnt.

Marco und Christina bei ihrem "Bachelor in Paradise"-Date.
Marco und Christina bei ihrem "Bachelor in Paradise"-Date.
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Der so grob Abservierte versucht noch zu retten, was zu retten ist, und gibt spontan vor, nur nach Christinas Ohrring geschaut haben zu wollen. Genau, und die Erde ist übrigens eine Scheibe und den Osterhasen gibt es auch. Später wird sich Marco im Off für seinen Übergriff selbst am schwersten kasteien: "Das wird bestimmt Top 3 der 25 peinlichsten Momente Deutschlands. Ich wollte eigentlich vom Boot springen und wegschwimmen. Aber die Insel war leider zu weit weg, das hätte ich nicht geschafft." Zumindest hier hat sein gesunder Menschenverstand noch funktioniert.

Nach ihrer Rückkehr hat Christina jedenfalls erhöhten Redebedarf und muss wirklich jedem von Marcos verpatztem Kuss erzählen. Deutlich zeitsparender wäre es gewesen, wenn sie ihn im Reminiszenz an "Game of Thrones" "Schande! Schande! Schande!" rufend nackt durchs "Bachelor in Paradise"-Dorf getrieben hätte. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Am Ende lachen alle über ihn und Marco weint: "Das ist zu krass für mich." Da tut er nicht nur uns irgendwie fast leid, sondern auch seiner Eisprinzessin Christina. Ein bisschen zumindest.

Marco blitzt mit seinem Kuss-Versuch bei Christina ab.
Marco blitzt mit seinem Kuss-Versuch bei Christina ab.
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„Du bist mir direkt ins Auge gefallen“

Niveau ist, was sich senken lässt und entsprechend dieser Regel ziehen in Woche 6 von "Bachelor in Paradise" Beavis und Butthead ein. Ach, nee, Andreas Ongemach und Oggy Baam. Wenn Testosteronlevel und Intelligenzquotient sich umgekehrt proportional zueinander verhalten, reduziert man(n) sich bei der persönlichen Vorstellung gerne auf die Basics ("Wir sind beide dumm") und Frauen werden zur "Beute": "Wir legen uns auf die Pirsch. Oder auf die drauf."

Leider erweist sich die Auswahl ihrer Date-Partnerinnen diesbezüglich als wenig zielführend. Andreas sucht sich Natalie Stommel für sein erstes Date aus. Obwohl diese eigentlich fest mit Michi Bauer geht und dessen Annäherungsversuche in Folge 5 deutlich erfolgreicher war als Marcos bei Christina. Deutlich erfolgreicher. "Du bist mir direkt ins Auge gefallen", gibt Andreas flirttechnisch trotzdem bei Natalie sein Bestes und kann froh sein, dass ihm Michi dafür später nicht aufs Auge haut.

Andreas und Natalie haben Spaß auf ihrem Date.
Andreas und Natalie haben Spaß auf ihrem Date.
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Denn obwohl Michi vorgibt, absolut gar kein bisschen eifersüchtig zu sein, brodelt es sichtlich in ihm. Er kompensiert seine Verlustängste später erfolgreich damit, dass er Natalie nach ihrer Rückkehr beichtet, dass es da noch eine Frau in seinem Leben gebe, die ihm nicht so ganz aus dem Kopf geht. "Es kämpft in mir die ganze Zeit. (..) Aber ich kann dir jetzt nur sagen, ich will dich." Man fällt sich weinend in die Arme und die Chance, dass Andreas später eine Rose von Natalie bekommt ist so klein wie Marcos Ego nach dem Kuss-Debakel mit Christina.

Michi gesteht Natalie, dass es da noch eine andere Frau in seinem Leben gibt.
Michi gesteht Natalie, dass es da noch eine andere Frau in seinem Leben gibt.
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„Premium-Frauen“ und charakterschöne Männer

Drücke einem Oggy Baam die Date-Karte in die Hand und er sucht sich zielsicher die "Premium-Frau" im Paradies aus. Für ihn ist das Stefanie Gebhardt. Die ist zwar "schon 33", hat aber einen "stabilen Körper", findet Oggy. Und nicht nur schöne Brüste, sondern auch Augen. Während er sich vor Begeisterung gar nicht mehr einkriegt, ist Steffi wenig bis gar nicht von ihm angetan. Sie hat außerdem eines ihrer schönen Augen auf Christian Rauch geworfen, den Neuzugang aus Woche 5. Eher widerwillig folgt sie Oggy daher aufs Date. Als er beim gemeinsamen Pool-Planschen nachhakt, ob er ihr optisch denn auch gefallen würde, formuliert Steffi es so: "Ich glaube, irgendwie auf der Straße nicht, aber über den Charakter wird man ja mit der Zeit schön." "Im Leben nicht!"-Christina würde hier nur mitleidig über so viel Diplomatie den Kopf schütteln.

Jetzt sind wir allerdings gespannt, ob Oggy noch genug Zeit im Paradies bleibt, um charaktertechnisch so aufzurüsten, dass er von der muskelbepackten Raupe Nimmersatt zum schönen Testosteron-Schmetterling wird.

Oggy nimmt Steffi mit auf sein Date.
Oggy nimmt Steffi mit auf sein Date.
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„Wenn das nach drei Tagen schon so ist, kann ich mir vorstellen, wie es nach drei Jahren ist …“

Steffi will Oggy nicht, sie will Christian. Blöd nur, dass dieser sich Janina Celine Jahn für sein Date ausgeguckt hat. Und auch noch offenbar richtig viel Spaß mit ihr hatte. "Der hat meinen Blick so gemeidet", fühlt sich Steffi nach der Rückkehr der beiden von ihm schwerstens ignoriert und greift sich ihren Schwarm kurz vor der Nacht der Rosen zu einem klärenden Gespräch. Darin erKLÄRT sie ihm, dass es "gar nicht klug" von ihm war, "wertvolle Zeit mit einer anderen Frau verbracht" zu haben. Zeit, die er sehr viel besser mit ihr hätte verbringen sollen. Und eines muss Steffi auch noch klarstellen, wo sie gerade mal dabei ist: Sie werde Christian ganz sicher keine "Bro-Rose" geben! Heißt im Klartext: Bist du nicht willig, schicke ich dich heim. Hier sind viele Gefühle im Spiel, aber irgendwie die falschen. Findet auch Christian, der unter diesen Umständen prima auf Steffis Schnittblume verzichten kann. "Wenn das nach drei Tagen schon so ist, kann ich mir vorstellen, wie es nach drei Jahren ist …", guckt er sichtlich verschreckt in die Off-Kamera. We feel you, Bro.

Die 6. Nacht der Rosen bei "Bachelor in Paradise".
Die 6. Nacht der Rosen bei "Bachelor in Paradise".
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Sag beim Abschied leise Servus

Glücklicherweise hat Christian seine "wertvolle Zeit" mit Janina Celine gut genutzt und Eindruck bei ihr hinterlassen. Er bekommt in der Nacht der Rosen ihre Rose überreicht. Das macht nicht nur Steffi sauer, sondern erwischt auch Daniel Chytra kalt, der sich bis zu diesem Zeitpunkt sicher war, dass er bei Janina Celine in Woche 5 bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Ah, geh, wie man sich täuschen kann. Sag' beim Abschied leise Servus, lieber Daniel!

Andreas formuliert Daniels Abgang später so: "Ich finde, das Paradies ist ein bisschen schöner geworden ohne Daniel. Die Sonne strahlt jetzt mehr." Das lassen wir mal unkommentiert so stehen.

"Keine Bro-Rose"-Steffi vergibt übrigens ihre Rose an Oggy. Möglicherweise hat uns die plötzlich so schön strahlende Sonne geblendet und wir haben den Moment verpasst, als die Oggy-Raupe zum schönen Schmetterling wurde.