Kinder mit Hand-Fehlbildung in Gelsenkirchen geboren

Ministerium will schnelle Aufklärung: Alle Kliniken in NRW sollen abgefragt werden

© dpa, Marcel Kusch, mku kno kde

16. September 2019 - 16:07 Uhr

Gesundheitsbehörde will alle Klinken in NRW abfragen

Nach einer ungewöhnlichen Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen an einer Gelsenkirchener Klinik will sich Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerium einen genaueren Überblick verschaffen. Das Ministerium werde alle Klinken in NRW abfragen, ob dort ähnliche Fehlbildungen aufgefallen seien, sagte eine Sprecherin der Düsseldorfer Behörde am Samstag.

Ministerium nimmt die Fälle "sehr ernst"

Man nehme die Berichte über solche Fälle "sehr ernst". "Darüber hinaus nehmen wir Kontakt mit den Ärztekammern, dem Bund und den anderen Bundesländern auf, um möglichen Ursachen mit aller Sorgfalt nachzugehen." Ob ein Melderegister der richtige Weg sei, gelte es gemeinsam zu prüfen, sagte die Sprecherin.

Im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen waren zwischen Mitte Juni und Anfang September drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Zuvor hatte es dort nach Angaben der Klinik jahrelang keinen einzigen Fall gegeben.

Bei allen drei Kindern sei jeweils eine Hand betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt. Hebamme Sonja Liggett-Igelmund hat die Fälle öffentlich gemacht. Wir haben mit ihr gesprochen.

Handfehlbildungen bei Babys: Bundesgesundheitsministerium noch zurückhaltend

Das Bundesgesundheitsministerium äußert sich unterdessen zurückhaltend. Zu den konkreten Fällen lägen keine Erkenntnisse vor, teilte ein Ministeriumssprecher am Samstag mit. "Wenn es eine auffällige Häufung von Fehlbildungen bei Neugeborenen geben sollte, muss das so schnell wie möglich geklärt werden", heißt es. Das Ministerium begrüße, dass das betreffende Krankenhaus Kontakt zur Berliner Charité aufgenommen habe.

Ist die Häufung der Handfehlbildungen ein Zufall oder gibt es einen Zusammenhang?

Inzwischen haben sich mehrere betroffene Familien aus ganz Deutschland gemeldet. Nun rätseln Mediziner: Ist die Häufung ein Zufall oder gibt es einen Zusammenhang? Wir haben bei einem Experten nachgefragt. "Wir gehen davon aus, dass etwa 40 auf 10.000 Extremitäten-Fehlbildungen das normale Maß sind", sagt Dr. med. Peter Tönnies im Video.