Gelsenkirchen: Drei Fälle in zwölf Wochen

Babys mit fehlgebildeter Hand: Experte erklärt mögliche Ursachen

16. September 2019 - 9:10 Uhr

Babys mit Handfehlbildungen in Gelsenkirchener Klinik: Zufall?

Innerhalb weniger Monate kamen im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen drei Kinder mit einer fehlgebildeten Hand auf die Welt. Inzwischen haben sich mehrere betroffene Familien aus ganz Deutschland gemeldet. Nun rätseln Mediziner: Ist die Häufung ein Zufall oder gibt es einen Zusammenhang? Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

Was könnte die Fehlbildungen der Babyhände verursacht haben?

Sankt Marien Hospital Buer Gelsenkirchen, Babys Fehlbildungen
Die betroffenen Kinder kamen im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen zwischen Mitte Juni und Anfang September auf die Welt.
© dpa, Marcel Kusch, mku kno

"Wir gehen davon aus, dass etwa 40 auf 10.000 Extremitäten-Fehlbildungen das normale Maß sind", sagt Dr. med. Peter Tönnies im Interview mit RTL. Er ist Chefarzt der Frauenklinik im
Krankenhaus Bethanien in Moers. "Die jetzige Häufung kann durchaus noch in diesem statistischen Rahmen liegen", so der Mediziner. Auch die mediale Berichterstattung und die sozialen Medien könnten dazu beitragen, "dass diese Dinge gehäuft zurückgemeldet werden und dadurch im Moment nur eine scheinbare Häufung aufgetreten ist". Welche Zusammenhänge dennoch denkbar sind, erklärt Peter Tönnies im Video.

Keine Statistik über Fehlbildungen

Fest steht: In Deutschland gibt es keine zentrale Stelle, die Fehlbildungen bei Neugeborenen registriert. Deshalb gestaltet sich die Ursachenforschung schwierig. In Frankreich gab es in den letzten Jahren bereits mehrere Fälle. Auch hier ist die Ursache für die Missbildungen noch unklar.

Grundsätzlich seien genetische Faktoren denkbar, sagt Tönnies. Allerdings seien das "meist komplexere Fehlbildungen. Da ist dann nicht nur der Arm betroffen, sondern auch andere Teile des Körpers". Auch Umwelteinflüsse könnten ein Grund sein. Diese genau zu benennen und einen Zusammenhang nachzuweisen, sei aber schwer. Behinderungen auf eine Ursache zurückzuführen, wie es beispielsweise bei den "Contergan-Kindern" der Fall war, sei eher eine Ausnahme, so Tönnies.

Betroffene Familien, wie Denise und Marko aus Mühlhausen, erhielten von Medizinern oft die Antwort, die fehlende Hand ihres Sohnes sei "eine Laune der Natur".