Babynahrung zu süß und fett: Foodwatch fordert strengere Standards

So ungesund sind Brei, Kekse und Getränke für Babys Von wegen "nur das Beste für Ihr Kind"
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Von wegen "nur das Beste für Ihr Kind"
So ungesund sind Brei, Kekse und Getränke für Babys

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Zucker in Babynahrung fördert Karies und Übergewicht

Die Verpackungen von Babynahrung sind häufig vielversprechend: Bilder von vollem Korn, Milch und frischem Obst vermitteln Eltern das Gefühl, dass Sie Ihrem Baby mit dem Produkt etwas Gutes tun. Doch weit gefehlt: Viele Babyfertigprodukte wie Brei enthalten zu viel Zucker und zu viel Fett, wie nun die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch kritisiert. Damit laufen viele Babyprodukte den ärztlichen Empfehlungen zuwider. Foodwatch fordert strengere Vorgaben für Säuglings- und Babynahrung.

Babynahrung zu süß und fett: Foodwatch fordert strengere Standards
Viele Lebensmittel für Babys und Säuglinge enthalten deutlich zu viel Zucker und widersprechen damit den ärztlichen Empfehlungen.

Wie Foodwatch nun in einer Pressekonferenz bekannt gegeben hat, sind viele Babynahrungsmittel nicht für Säuglinge und Babys geeignet. Ob Süßigkeiten speziell für Säuglinge, Schokoladen- und Keks-Brei ab dem 6. Monat oder Tee auf Zuckergranulat-Basis: Was viele Lebensmittelhersteller als gesunde oder altersgerechte Nahrung für Babys und Kleinkinder empfehlen, wird diesem Anspruch oft nicht gerecht, kritisieren die Verbraucherschützer.

Besonders deutlich wird dies bei den kohlenhydratreichen Trinkmahlzeiten: Wegen des Risikos der Überfütterung und Kariesbildung fordern Kinderärzte seit Jahren, die Vermarktung einzustellen. Während Danone darauf reagiert und seine unter der Marke Milupa verbreiteten Trinkmahlzeiten vom Markt genommen hat, bieten Hipp und Nestlé solche Produkte weiter an.

Foodwatch fordert strengere Richtlinien für Babynahrung

Foodwatch sprach sich auf der Pressekonferenz für eine gesetzliche Regelung aus, nach der nur noch solche Produkte als Säuglingsnahrung vermarktet werden dürfen, die den Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaften entsprechen.

Wichtig vor dem Hintergrund ist die Tatsache, dass die Ernährung im Baby- und Kindesalter das spätere Essverhalten entscheidend beeinflusst. „Die Ernährung in den ersten Lebensmonaten ist prägend und beeinflusst das spätere Ernährungsverhalten eines Menschen. Deshalb ist es wichtig, eine zu starke Süßgewöhnung im Säuglingsalter zu vermeiden. Dem sollte Säuglingsnahrung Rechnung tragen“, warnt Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin vom Universitätsklinikum Leipzig.

Die Hersteller bewerben ihre Produkte mit Slogans wie „nur das Beste für ihr Kind“ (Milupa von Danone) oder „gesundheitlich unbedenkliche (…) Produkte für die sichere Ernährung“ (Alete von Nestlé). Doch der von Danone als gesund beworbene „Milchbrei Schoko ab dem 6. Monat“ von Milupa enthält nicht nur synthetisches Vanillin-Aroma, sondern auch mehr als neun Prozent Zucker im angerührten Brei, so die Verbraucherschützer. Die speziell für Säuglinge angebotenen Kekse von Holle werden als „hervorragend als Zwischenmahlzeit“ deklariert. Sie enthalten jedoch 14,6 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Die Kekse von Alete enthalten gar 25 Prozent Zucker.

Säuglingsnahrung unterliegt EU-weiten Bestimmungen, die in Deutschland in Form der Diätverordnung in nationales Recht umgesetzt sind. Darin ist geregelt, dass die „Zutaten“ der Produkte „für die besondere Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern geeignet“ sein müssen – für die Zusammensetzung der Zutaten gibt es jedoch oft keine adäquaten Vorgaben. Genau da setzt Foodwatch an. Die Verbraucherschützer fordern: „Es darf nur solche Säuglingsnahrung angeboten werden, deren Zusammensetzung (Rezeptur) und Vermarktung mit den einschlägigen Empfehlungen der Fachgesellschaften übereinstimmt!“

(Quelle: Foodwatch)