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Babyklappen: Etwa 200 Kinder verschwunden

10. Februar 2016 - 14:09 Uhr

Schwere Mängel bei einigen Trägern

Für einige Frauen sind Babyklappen ein letzter verzweifelter Ausweg. Sie haben mit Sicherheit einige Leben gerettet. Doch was nach der anonymen Geburt mit den Kindern passiert, unterliegt keinerlei Kontrolle. Eine Studie des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hat nun aufgedeckt, dass von 20 Prozent der Kinder jede Spur fehlt.

Babyklappen-Kinder: 20 Prozent von ihnen sind verschollen.
Von 20 Prozent der Babyklappen-Kinder fehlt laut einer Studie jede Spur.
© dpa, Uli Deck

Etwa 220 Babyklappen gibt es in Deutschland. Eine gesicherte Zahl gibt es nicht. Der Studie zufolge bestehen bei vielen Trägern schwere Mängel. Von den fast 1.000 Kindern, die in den vergangenen 13 Jahren abgegeben worden sind, ist laut dem Ergebnis bei 20 Prozent vollkommen unklar, was mit ihnen geschehen ist. Es ist unbekannt, ob sie adoptiert wurden, oder zu ihren leiblichen Müttern zurückgekehrt sind.

Das Problem ist, dass die Träger der Babyklappen nicht verpflichtet sind, mit den Jugendämtern zu kooperieren. Sie übernehmen auch selbstständig die Adoptionsvermittlung – ohne eine offizielle Kontrolle. Weiteres Problem: Will eine Mutter ihr abgegebenes Kind wieder zurück, so geschieht dies an einigen Orten ohne vorheriger DNA-Kontrolle, ob es sich tatsächlich um die leibliche Mutter handelt.

Politik fordert die Abschaffung

Von CDU und Grünen kommt scharfe Kritik an den Missständen. Es wurde auch die Forderung nach einer Einstellung dieser Angebote laut. Unionsfraktionsvize Ingrid Fischbach (CDU) sagte der 'Welt am Sonntag', sie sei zu der Überzeugung gelangt, dass keine neuen Babyklappen eröffnet werden dürften und die bestehenden allmählich auslaufen sollten. Außerdem forderte sie klare Regeln für die Angebote.

Das fordert auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Ekin Deligöz. Es müsse ein standardisiertes Verfahren entwickelt werden um die Rechte des Kindes so weit wie möglich zu sichern, sagte sie der 'Welt am Sonntag'. Vor allem forderte sie eine verpflichtende Zusammenarbeit mit den Jugendämtern.

Eine gesetzliche Regelung der anonymen Geburten ist bereits mehrfach an Verfassungsnormen in Deutschland gescheitert. Die Verfassung gibt jedem Menschen das Grundrecht auf die Kenntnis der eigenen Herkunft. Dieses wird durch die anonymen Angebote verletzt und ist daher auch nicht regelbar.

Einen Ausweg könnte die vertrauliche Geburt darstellen. Dabei würden die Angaben der Mutter unter Verschluss gehalten. Fischbach sprach sich für diese Möglichkeit aus, stellte aber klar, dass damit ein Ende der anonymen Geburten einhergehen würde.

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