Skandal bei der Arbeiterwohlfahrt

AWO-Ehrenamtler Hauke Hummel: "Jeder Kriminelle hätte es nicht besser gemacht"

19. Dezember 2019 - 17:36 Uhr

Die Verlierer des AWO-Skandals

Seit Wochen steht der AWO-Kreisverband in Frankfurt in der Kritik, überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen haben für Aufsehen gesorgt. Wer besonders darunter leidet: Ehrenamtler, die sich seit Jahren in den Ortsvereinen der Arbeiterwohlfahrt engagieren - und die von den üppigen Honoraren nicht einen Cent gesehen haben. RTL hat dazu mit einem Freiwilligen der AWO gesprochen. Wie er zu dem Skandal steht - im Video.

Ortsvereine erfuhren aus der Presse vom AWO-Skandal

Hauke Hummel fühlt sich betrogen: Der Skandal um die AWO ist nicht nur auf Kreisebene, sondern auch in den Ortsvereinen angekommen. Schon vor der Veröffentlichung der Vorwürfe, von denen er aus der Presse erfahren musste, war Hummel skeptisch: "Es sind immer wieder Informationen aufgetaucht. Die haben Fragen aufgeworfen, die wir beantwortet wissen wollten, aber da gab es vom Kreisverband keine Antworten. Es wurde immer nur gesagt, dass komme aus der rechten Ecke, das sei einfach aus anderer Motivation entstanden, und man solle das nicht beachten."

Wir sprechen auch mit Klemens Mielke, Vorsitzender des AWO-Ortsverein Nied. So wie Hauke Hummel ist er in der SPD und ehrenamtlich in der AWO tätig. Er fordert eine Reform für die Arbeiterwohlfahrt: "Wir brauchen einen echten Neuanfang, wenn wir Vorstand und Präsidium komplett austauschen." Er hat sich in letzter Zeit häufig abends mit Hummel hat getroffen, um die aktuellen Vorgänge in ihrem Verband zu besprechen.

Hauke Hummel: "Die Zahlen werden immer absurder"

Als Ehrenamtler haben sie kein Anrecht auf die Privilegien, die in höheren Geschäftsebenen der AWO zur Normalität geworden zu sein scheinen: "Es ist ein sehr großes Engagement, dass hier ausgeführt wird durch Ehrenamtliche, die keine Pauschalen, keine Aufwandsentschädigungen, keine Dienstwagen oder ähnliches in Anspruch nehmen", erzählt uns Hummel, und klagt weiter an: "Die Zahlen werden immer absurder: Was dort an Gehältern ausgezahlt worden ist, was an Honorarverträgen bestanden hat, was für ein Gestrüpp an Firmen aufgebaut worden ist – jeder Wirtschafskriminelle hätte es nicht besser gemacht."​

Seit Wochen steht der AWO-Kreisverband in Frankfurt in der Kritik, überhöhte Gehälter und teure Dienstwagen haben für Aufsehen gesorgt. Eine ehemalige AWO-Mitarbeiterin berichtet in einem RTL-Interview sogar von Mobbing. In Frankfurt gibt es 34 Ortsvereine der AWO, Nied ist der größte Verein mit knapp 300 Mitgliedern. Die Mainmetropole zählt insgesamt ca. 3.200 Mitglieder (Stand 2018).

Verband der Arbeiterwohlfahrt kündigt Konsequenzen an

Im Frankfurter Kreisverband der AWO hat die Gehaltsaffäre bereits Konsequenzen: Der langjährige Geschäftsführer Jürgen Richter trat vergangene Woche zurück. Die "ständigen personalisierten Angriffe in den Medien" hätten ihn schwer getroffen, und er wolle sich dem nicht länger aussetzen, erklärte Richter. Mit seinem Schritt sei kein Schuldanerkenntnis verbunden, er räume aber ein, dass "es in verschiedenen Phasen der laufenden Auseinandersetzung Fehler unsererseits gegeben hat".

Vertreter des AWO-Bundesverbands zeigten sich entsetzt über das Treiben in der Frankfurter Führungsspitze. "Das schadet der AWO in ganz Deutschland", sagt Präsident Wilhelm Schmidt zu den Berichten über überhöhte Gehälter und luxuriöse Dienstwagen bei einzelnen Mitarbeitern. Er sprach von "Verfehlungen, die wir nicht hinnehmen können". Geld, das womöglich veruntreut worden sei, wolle der Bundesverband "bis zum letzten Cent" zurückholen.

Anfang Dezember kündigte der Verband erste Konsequenzen an, etwa eine Überarbeitung der Dienstwagenrichtlinie. Auch das Gehaltsgefüge und Eingruppierungen sollen überprüft werden.