Der spanische Bruder des VW Golf

Autotest: Seat Leon - Scharfes Design statt braver Optik

Der spanische Bruder des VW Golf besticht mit scharfen Kanten
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22. Mai 2020 - 11:24 Uhr

Schärfer als es VW erlaubt?

Wer Sportwagen mag, der wird höchstens in Form eines GTI auf den Golf kommen. Aber selbst der verhindert nicht, dass man mit einer sehr gefälligen Optik unterwegs ist. Wer es hier etwas schärfer mag, für den bringt der Seat Leon die nötige Würze mit. RTL hat den feurigen Spanier getestet.

Mit Ecken und Kanten

Auch in der Seitenansicht zeigt der Seat Leon sein scharfkantiges Design
Auch in der Seitenansicht zeigt der Seat Leon sein scharfkantiges Design
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Allein wenn man vor dem spanischen Bruder des Golf steht ist es als würde man Kartoffeln und Quark mit einer scharf gewürzten Paella vergleichen. Während das deutsche Original kaum Kanten im Blech hat, sieht der Spanier aus, als hätte ein Samurai ihn bei seinen Übungen mit dem Katana geschnitzt.

Straff abgestimmte Technik mit der Möglichkeit Gas zu geben

Der Seat Leon von hinten
Der Seat Leon von hinten
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Allerdings ist mit den hier zu berappenden 24.800 Euro noch lange nicht alles bezahlt. Doch das, was es für den sportlichen Ausritt braucht, ist auf jeden Fall dabei: 17-Zoll-Felgen, Außenspiegel in Cosmo Grau, Voll-LED-Licht an Front und Heck, ein digitales Cockpit, schlüsselloser Zugang, Startknopf und vier Fahrprofile. Straff abgestimmt ist der Spanier ohnehin, so dass dem rasanten Kurvenlauf in Verbindung mit einer präzise arbeitenden Lenkung keine Grenzen gesetzt sind. Wird es doch mal eng greifen die Regelsysteme helfend ein.

Für den sportlichen Ritt bedarf es auch des richtigen Treibsatzes. Den gib es für den oben genannten Preis leider nicht. Wer hier vom Leder zeihen will ohne gleich an die kommende Power-Ausführung eines Cupra Leon mit über 300 PS zu denken, der landet vielleicht beim 1,5 eTSI mit 150 PS für 29.050 Euro. Moment sagt der Kenner, den Motor gibt's doch auch für 26.570 Euro. Jein, denn das macht den Unterschied. Hier handelt es sich nämlich um einen Mildehybrid. Das heißt, an den 1,5-Liter-Benziner sind ein 48-Volt-Riemen-Startergenerator und eine 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie gekoppelt.

Das System macht zum einen möglich während der Fahrt mit abgeschaltetem Motor zu segeln und so Spritt zu sparen, zum andere wird, wer den Pin ordentlich ins Blech bügelt, durch den Riemen-Startergenerator mit einem ordentlichen Boost unterstützt. Was am Ende nichts anderes heißt, als dass die 100-km/h-Marke in 8,4 Sekunden fällt ist und der Vortrieb erst bei 221 km/h endet. Im RTL-Test brachte es der Spanier sogar auf 230 km/h. Aber Achtung: Ab spätestens 180 km/h sollte der adaptive Spurhalteassistent deaktiviert werden. Zu arg ruckelt der elektronische Helfer hier am Lenkrad. Was im Übrigen nicht nur den Fahrer sondern auch den nachfolgenden Verkehr erschrecken kann.

Stylishes Cockpit und aufgeräumter Innenraum

Das multimediale Cockpit vom Seat Leon
Das multimediale Cockpit vom Seat Leon,
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Um den Helfer hier ins Aus zu setzen muss man sich aber tief furch die Menüs der digitalen Bildschirme wühlen. Ein einfacher Knopf, wie es ihn früher gab, sucht man im neuen Leon vergeblich. Auch ansonsten macht dieses super stylische, voll digitalisierte Cockpit es dem Spaßfahrer nicht leicht. Denn wie die Assistenten werden auch die Fahr-Modi über die sich Dämpfer, Lenkrad und Gaskennlinie anpassen lassen, über das 10-Zoll-Display gesteuert. Klar, man kann sich hier schicke Kacheln anlegen hinter dehnen sich die einzelnen Befehle verbergen, aber gefühlt ist damit eine Art Dauer,wischen verbunden.

Nun kann man sich über all das Beklagen oder sucht die Vorteile der analogen Reduktion. Der Leon erfreut nämlich durch sein aufgeräumtes Inneres und den daraus entstehenden Platz. Da ist zum Beispiel nur noch ein Gangwahl-Gnubbel, der per Elektroimpuls, also Shift-by-Wire, für die Schaltstufen sorgt. Ein induktives Ladefach gibt es ebenfalls und zwei USB-Anschlüsse vom Typ C. Ein echter Gewinn ist auch die Kopplung des Handys mit dem Multimediasystem über Bluetooth. Genau da wo man sonst die USB-Verbindung brauchte, kann man jetzt quasi durch die Luft Android Auto oder Apple Car Play auf dem Monitor spiegeln.

Diese Option ersetzt dann gleich das fahrzeugeigene Navi. Obwohl auch das seine Vorteile hat. Es ist nämlich "intelligent". Weiß wann die nächste Kurve kommt, bindet Richtgeschwindigkeiten vorausschauend ein oder reduziert das Tempo vor Kurven und Ortschaften. Natürlich nur solange der Streckenwunsch hinterlegt ist. Leider scheint der Informationsfluss bezüglich einiger Baustellen nicht zu funktionieren. Mehrfach wollte das System während der Testfahrten nicht akzeptieren, dass Straßen gesperrt waren.

Das Gesamtpaket überzeugt

Der Innenraum hat ein aufgeräumtes Design
Der Innenraum hat ein aufgeräumtes Design
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Ansonsten  kann man über das Gesamtpaket nicht klagen. Wer will, kann mit dem Ruf "Hola" das Multimediasystem zum kommunizieren bewegen oder sich einfach nur an der Fülle der Assistenten erfreuen. Hier ist man dank Abstandsradar, Tempomat, Kollisionswarner und dem Spurhalteassistent auf Wunsch sehr entspannt und teilautonom unterwegs. Und weil das besonders auf längeren Strecken von Vorteil ist, werfen wir noch einen Blick in den Kofferraum. Der Fünftürer bietet 380 Liter Stauraum. Allerdings ist das Gepäckabteil tief wie der Marianengraben, was dazu führt, dass mit etwas Geschick mehr Ladegut aufgenommen wird, als auf den ersten Blick möglich scheint.