Automesse in Schanghai

Deutsche Autohersteller mit ganz starkem E-Auto-Auftritt

19. April 2021 - 10:30 Uhr

Deutsche Autohersteller glänzen auf größter Automesse der Welt

Mit rund 1000 Ausstellern beginnt am Montag die "Auto China" in Schanghai. Zur Eröffnung der größten Automesse der Welt in Schanghai lobten Experten vor allem die deutschen Autobauer. Nach anfänglichem Zögern haben deutsche Autohersteller bei der Elektromobilität aufgeholt und hoffen jetzt auf gute Absatzzahlen. E-Mobilität und Konnektivität sind die großen Themen der Messe, die sich über zwölf Hallen erstreckt.

VW stellt E-SUVs ID.6 X und Crozz vor

Bis zum 28. April werden Hunderttausende Besucher in den zwölf Messehallen erwartet. Da China das Coronavirus seit dem vergangenen Sommer weitgehend im Griff hat, ist es nach dem Branchentreffen in Peking im September schon die zweite große Automesse im Land innerhalb von sieben Monaten. Allerdings müssen Besucher negative Coronatests vorweisen, ihre Körpertemperatur messen lassen und mit einer Handy-App nachweisen, dass sie nicht in Risikogebieten waren und ihre Teilnahme unbedenklich ist.

In einer Weltpremiere stellt Volkswagen die großen elektrischen Stadtgeländewagen ID.6 X und Crozz vor. Die "Flaggschiffe" der ID.6-Familie werden in China hergestellt und sollen die Wende bringen. Derzeit hat VW bei Elektroautos nur einen Marktanteil von drei bis vier Prozent. Volkswagen investiert in den nächsten vier Jahren allein in China 15 Milliarden Euro in E-Mobilität. "Wir werden zwei bis drei Jahre brauchen, um Tesla zu überholen", so der China-Chef von VW, Stephan Wöllenstein. Bereits 2021 will der Konzern mehr als 100.000 E-Autos in China verkaufen.

Die deutschen Autobauer erhalten derzeit viel Lob von den Chinesen. "Der Wandel der deutschen Autohersteller verlief ziemlich schnell", sagt der Direktor der Vereinigung der chinesischen Autohändler, Jia Xinguang. "Vor fünf Jahren hat Europa noch gedacht, dass die Entwicklung von Elektrofahrzeugen nicht realistisch ist", so der Experte. "Aber jetzt war die Wende bei den Unternehmen aus Deutschland schneller als bei jenen aus den USA oder selbst Japan und Südkorea." Er hob besonders den Volkswagen-Konzern hervor, der mit seinen Plattformen die Massenproduktion standardisiert habe. "Doch ein Defizit in Deutschland wie auch in Europa sind die Batterien."

Deutschen Autobauer bieten Tesla und der chinesischen Konkurrenz Paroli

Auch deutsche Experten sehen die deutsche Autobranche im Aufwind. "Der Volkswagen-Konzern hat einen sehr guten Job bei den Elektroautos gemacht", sagte der Direktor des Centers for Automotive Research, Ferdinand Dudenhöffer, in Duisburg. "Die China-Strategie bei VW-Audi-Porsche-Skoda stimmt." Auch Mercedes sei in Shanghai "schwungvoll" mit neuen Modellen gestartet. "Einzig BMW war in der Vergangenheit sehr zögerlich", sagte Dudenhöffer.

Die Münchner seien aus seiner Sicht noch zu stark bei den Plug-In-Hybriden mit Benzin- und Elektromotor engagiert, die am Markt eine kurze Lebensdauer hätten. So wolle beispielsweise die Hafenmetropole Shanghai, die wie andere Metropolen in China die Zulassung von Benzinern beschränkt, schon 2023 keine Nummernschilder mehr bevorzugt an solche Hybrid-Modelle ausgeben. "Das wird weh tun, und es werden andere folgen", sagte Dudenhöffer. "BMW hat zu lange den Trend zu reinen Batterieautos ignoriert."

Auch der Generalsekretär der Personenwagenvereinigung, Cui Dongshu, sieht eine rasante Wende, mit der die deutschen Autobauer jetzt Tesla und der chinesischen Konkurrenz Paroli bieten. "Zusätzlich zu den heimischen Herstellern sind die deutschen Marken im Vergleich zu anderen sehr gut, sehr aggressiv", sagte der Experte. Gegenüber japanischen, südkoreanischen und amerikanischen Joint Ventures oder internationalen Autobauern seien sie "angriffslustiger". "Die deutschen Autohersteller können sich dem Trend besser anpassen." Aus seiner Sicht wird der Absatz von E-Autos in diesem Jahr in China um rund 70 Prozent zulegen.

Kritik von Menschenrechtlern an VW-Werk in Xinjiang

Kritik gibt es allerdings von Menschenrechtlern, die Verfolgung der Minderheit der Uiguren in Xinjiang in Nordwestchina anprangern, wo der Konzern ein Werk hat. VW-Manager Wöllenstein verteidigt das Engagement von Volkswagen in der Region. Für das Werk in Ürümqi gelte wie für alle Standorte und auch Lieferanten in China ein Verhaltenskodex. Zwangsarbeit "kann es bei uns nicht geben", so der Automanager. Ferner werde "Diversität" umgesetzt, was auch die Beschäftigung von ethnischen Minderheiten "ohne jede Form von Diskriminierung" angehe.

"Wir haben klar gemacht, dass wir zu unserem Engagement in China insgesamt stehen müssen, und wir werden auch zu unserem Engagement in Xinjiang stehen, solange wir glauben, dass es aus wirtschaftlicher Sicht machbar ist", sagt Wöllenstein.

Menschenrechtsgruppen schätzen, dass Hunderttausende in Xinjiang in Umerziehungslager gesteckt worden sind. China weist die Vorwürfe zurück und spricht von Fortbildungszentren. Auch gibt es zunehmend Vorwürfe wegen möglicher Zwangsarbeit. Uiguren sind ethnisch mit den Türken verwandt und fühlen sich von den herrschenden Han-Chinesen unterdrückt.

Quelle: DPA / RTL.de

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