Autofahrer tötet sechs junge Skiurlauber: Vier aus NRW

Zwei Einsatzkräfte der Carabinieri rekonstruieren den Unfallhergang. Foto: Lino Mirgeler/dpa
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05. Januar 2020 - 18:40 Uhr

Ein betrunkener Autofahrer ist in eine Gruppe deutscher Skitouristen in Südtirol gerast und hat sechs junge Menschen getötet. Vier davon stammten aus Nordrhein-Westfalen, einer wohnte in Hamburg und einer in Niedersachsen. Die Urlauber im Alter um die 20 Jahre seien in der Nacht zu Sonntag in Luttach noch am Unfallort gestorben, bestätigten Polizei und Feuerwehr. Elf Menschen seien verletzt worden. Vier von ihnen hätten schwerste Verletzungen erlitten, ein Mensch kämpfte ums Überleben.

Von den vier Skitouristen aus NRW wohnten nach Angaben des Innenministeriums in Düsseldorf zwei in Wuppertal, einer in Köln und einer in Dortmund. Der Dortmunder war 22 Jahre alt. "Dieser Tag ist ein trauriger Tag für unser ganzes Land", teilte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) mit.

Unter den Verletzten sind auch zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland. Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war stark betrunken, als er die Touristen tötete. Ein Polizeisprecher in Bozen sagte der dpa, ein erster Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben. Das habe auch ein Bluttest bestätigt. Der Mann, ein 27 Jahre alter Mann aus der Region, sei in ein Krankenhaus gekommen und werde auch auf Drogen untersucht. Der Fahrer wurde festgenommen. Ihm wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ihm drohen zwischen acht und zwölf Jahren Haft.

Die Gruppe war in den Skiferien und in dem Wintersportort auf dem Heimweg von einem Discobesuch. Gegen 1.15 Uhr nachts stiegen die jungen Leute aus einem Shuttlebus und überquerten die Hauptstraße, wie ein Augenzeuge der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Das Auto sei viel zu schnell unterwegs gewesen.

Ihre Unterkunft lag ganz in der Nähe der Unfallstelle. Die Ermittler gehen von einem Unfall und nicht von einer absichtlichen Tat aus. Die Toten müssen noch abschließend identifiziert werden.

Ein Polizeisprecher sagte der dpa, drei Männer und drei Frauen seien gestorben. Die Angehörigen seien auf dem Weg nach Italien. Laut Polizei waren die Toten 19, 20 und 22 Jahre alt. Die Feuerwehr gab das Alter zwischen 20 und 25 an.

Ministerpräsident Laschet bezeichnete das Geschehen als "schreckliche Tragödie". Die Opferschutzbeauftragte des Landes werde nun den betroffenen Familien in NRW beistehen. Laschet dankte dem Landeshauptmann von Südtirol, den Rettungskräften, der Polizei, den Ärzten und Pflegern in den Krankenhäusern in Italien und Österreich.

Für die Familien der Opfer beginne das neue Jahr mit dem größtmöglichen Schrecken, sagte Laschet. "Ich kann das nachempfinden, weil auch meine eigenen Kinder oft im Skiurlaub mit einer Gruppe waren. Und wenn ich mir vorstelle, mich würde dann eine solche Nachricht ereilen, dann kann man nachempfinden, was im Moment die Eltern, die Geschwister, die Freunde in diesen Stunden empfinden."

In der Touristenregion herrschte Entsetzen: "Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie", sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher auf einer Pressekonferenz in Luttach. "Wir sind alle geschockt." Kanzlerin Angela Merkel erklärte über ihren Sprecher: "Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet. Ich trauere mit allen, die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und baldige Genesung."

Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei vor Ort intubiert werden: Eine Frau kam ins Krankenhaus Bruneck, ein Mann ins Regionalkrankenhaus Bozen und eine schwerstverletzte Frau und ein schwerstverletzter Mann in die Universitätsklinik Innsbruck.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun auch, ob der Fahrer zu schnell unterwegs war. In Luttach gab es nach dpa-Informationen aus dem Ort seit längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen.

Ein Sprecher der Feuerwehr in Luttach sagte, 160 Einsatzkräfte seien vor Ort gewesen. Helmut Abfalterer von der Feuerwehr schilderte der "Tageszeitung Online" schlimme Szenen: "Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld."

Die Gegend liegt in Italien an der österreichischen Grenze und ist als Ski- und Wintersportgebiet bekannt. Luttach ist ein Dorf der Gemeinde Ahrntal, das etwas mehr als 1000 Einwohner hat. Es liegt in der Nähe von Bruneck. Der Ort ist bekannt bei deutschen Jugendgruppen, die zum Skifahren kommen.

In Südtirol kamen erst vor einer Woche mehrere Deutsche ums Leben: Am vergangenen Samstag verschüttete eine Lawine Skifahrer auf der Piste im Schnalstal. Eine Deutsche Mutter mit ihrer Tochter aus Thüringen und ein Mädchen aus NRW starben.

Quelle: DPA