Austritt aus Klimaabkommen: So reagiert die Welt auf die Trump-Absage

Ohrfeige für die Menschheit

Es ist eine Ohrfeige für die Menschheit - so ist am Morgen die weltweite Reaktion auf die Schock-Nachricht aus Amerika: Donald Trump hat Ernst gemacht und verkündet: Die USA verlassen das Klimaschutzabkommen von Paris, es sei ein schlechter Deal für sein Land. In dem Vertrag hatten sich vor zwei Jahren fast 200 Länder verpflichtet, die Treibhausgase zu reduzieren, um den globalen Temperaturanstieg einzudämmen. Trump will einen neuen Deal - doch Europa winkt ab. Auch der Rest der Welt reagiert mit teils heftiger Kritik.

"Nichts kann und wird uns dabei aufhalten"

Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde für ihre Verhältnisse ungewohnt deutlich. "Die Entscheidung der Vereinigten Staaten von Amerika, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen ist äußert bedauerlich, und damit drücke ich mich noch sehr zurückhaltend aus", sagte sie. Das Pariser Abkommen werde gebraucht, um die Schöpfung zu bewahren. "Nichts kann und wird uns dabei aufhalten." Entschlossener denn je gelte es, Kräfte zu bündeln. Deutschland werde seine Verpflichtungen erfüllen. Wichtig seien dabei auch finanzielle Hilfen für die ärmsten und verwundbarsten Länder.

"Keine andere Wahl", als Beratertätigkeit zu beenden

Nach Trumps Ansprache veröffentlichten hunderte US-Unternehmen einen gemeinsamen offenen Brief mit einer deutlichen Ansage an den US-Präsidenten. Intel, Apple und Tesla sowie große Lebensmittelkonzerne und Kleidungsunternehmen schreiben darin, sie fühlen sich dem Klimaschutz weiterhin "zutiefst verpflichtet". Ihr Ziel sei eine energieeffiziente und wenig Treibhausgase ausstoßende US-Wirtschaft. "Kosteneffiziente und innovative Lösungen können uns dabei helfen, diese Ziele zu erreichen", heißt es in dem Brief. "Sich vom Ziel einer emissionsarmen Wirtschaft zu verabschieden, setzt den amerikanischen Wohlstand aufs Spiel."

Zuvor hatten der Chef des Unterhaltungskonzerns Walt Disney, Robert Iger, und Tesla-Chef Elon Musk ihre Tätigkeit als Berater Trumps beendet. "Aus Prinzip bin ich nach dem #ParisAgreement-Rückzug aus dem Beraterkreis des Präsidenten ausgeschieden", schrieb Iger auf Twitter. Musk ließ mitteilen, er habe "keine andere Wahl", als seine Beratertätigkeit zu beenden.

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"Die USA haben der Welt den Rücken zugekehrt"

French President Emmanuel Macron, seen on all news channel LCI, speaks from the Elysee Palace in Paris, France, after U.S. President Donald Trump announced his decision that the United States will withdraw from the Paris Climate Agreement at a news c
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wandte sich in einer emotionalen TV-Ansprache direkt an den US-Präsidenten.
JS, REUTERS, JOHN SCHULTS

Auch die europäischen Führungsmächte Deutschland, Frankreich und Italien erteilten der von US-Präsident Donald Trump geforderten Neuverhandlung des internationalen Regelwerks eine deutliche Absage. In China wurde der Ausstieg der USA am Freitag als "globaler Rückschlag" bezeichnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni betonten, das historische Abkommen weiter umsetzen zu wollen. Sie seien der festen Überzeugung, dass das Übereinkommen nicht neu verhandelt werden könne, teilten sie in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert telefonierte die Kanzlerin mit dem US-Präsidenten und drückte dabei ihr Bedauern über dessen Entscheidung aus. Auch Großbritanniens Premierministerin Theresa May und Kanadas Premier Justin Trudeau reagierten enttäuscht. Japan und Australien bedauerten den Rückzug der USA ebenfalls, wollen aber weiterhin an dem Abkommen festhalten.

Trump habe "zum Bedauern fast aller" entschieden, sich und die USA von einer "historischen globalen Vereinbarung abzuschneiden, bei deren Entstehung sein Land einmal eine Schlüsselrolle spielte", kommentierte die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Nun sei es umso wichtiger, dass andere "Hauptakteure" wie die EU, China und Indien gemeinsam voranschreiten, um die Ziele des Abkommens dennoch umzusetzen.

"Beim Klima gibt es keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt"

Frankreichs neuer Präsident Macron sagte in einer Fernsehansprache: "Die Vereinigten Staaten haben der Welt den Rücken zugekehrt. Beim Klima gibt es keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt." Anschließend wandte er sich direkt an Trump: "Ich rufe Sie dazu auf, zuversichtlich zu bleiben. Wir werden erfolgreich sein. Denn wir sind voll engagiert. Denn wo immer wir leben, wer immer wir sind, wir alle teilen die gleiche Verantwortung: Make our planet great again."

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'America first' geht weiter: Trump löst zentrales Wahlversprechen ein

Trump hatte den Ausstieg aus dem Abkommen damit begründet, amerikanische Interessen an die erste Stelle zu setzen. Das Pariser Abkommen sei auf höchster Ebene ungerecht für die USA: "Die Vereinbarung bedeutet eine massive Umverteilung des Vermögens der Vereinigten Staaten an andere Länder. Das jetzige Abkommen lade die Kosten bei den amerikanischen Bürgern ab."

Der Republikaner löst damit ein zentrales Wahlkampfversprechen ein und setzt seine harte Linie unter der Devise 'Amerika first' fort.