Sie suchte einen Job in Australien

Backpackerin in Schweinestall gesperrt und missbraucht - Facebook rettet ihr das Leben

Hier wurde Davine von ihrem Entführer festgehalten.
Hier wurde Davine von ihrem Entführer festgehalten.
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21. Juni 2019 - 11:33 Uhr

Facebook-Nachricht war die Rettung

Sie flog nach Australien um ein Abenteuer zu erleben. Doch dann landete sie in einem Alptraum. Davine A. aus Belgien wollte als Backpackerin auf einer Farm in der Nähe von Adelaide arbeiten. Doch Farmer Gene B., der ihr den Job versprochen hatte, nahm das nur als Vorwand. Der 54-Jährige sperrte Davine in einen Schweinestall und misshandelte sie. Durch eine Facebook-Nachricht, wurde sie später gerettet. Jetzt spricht Davine erstmals in einem Interview über die Qualen, die ihr widerfahren sind.

"Ich dachte es wäre vorbei"

Gene B. fesselte sein Opfer mit diesen Ketten.
Mit diesen Ketten fesselte Gene B. sein Opfer.
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Im Februar 2017 wollte sich Davine ihren großen Traum erfüllen: Eine Reise nach Australien - nur mit einem Rucksack. Um vor Ort über die Runden zu kommen, habe sie einen Job auf einer Farm gesucht. Kurz vor der Reise schaltete sie eine Anzeige in einem Portal namens Gumtree. Daraufhin habe sich Gene B. gemeldet und versprach ihr einen Job auf seiner Schweinefarm in Meningie, ca. 140 Kilometer von Adelaide entfernt.

Der Mann soll die Frau von einer Bushaltestelle abgeholt haben. Als sie an der Farm ankamen, hat er sie dann offenbar in den Stall gebracht und die damals 24-Jährige darum gebeten, ihre Schuhe auszuziehen. Der angebliche Grund: Gene B. hätte die Sohlen auf Nadelstiche überprüfen wollen, um auszuschließen, dass seine neue Mitarbeiterin ein Junkie sei. Kurz darauf habe er mit einer Waffe auf sie gezielt und ihr gedroht abzudrücken, würde sie versuchen, die Farm zu verlassen. "Ich dachte es wäre vorbei", sagte Davine in dem 60-minütigen Interview mit "Channel 9".

Ehefrau und Sohn waren ahnungslos

Gene B. hielt Davine in dem Schweinestall gefangen. Nebenan im Wohnhaus habe er mit seiner Frau und seinem Sohn gelebt. Beide waren offenbar ahnungslos. Angeblich erzählte der Farmer seinem Opfer, dass er Mitglied eines Kidnapper-Rings sei in dem auch Polizisten involviert wären. Würde Davine versuchen zu fliehen, würde er sie erschießen. Immer wieder sei er zu ihr in den Stall gekommen, um sie sexuell zu missbrauchen. Vorher habe er ihre Füße angekettet, damit sie sich nicht bewegen könne.

Trotz aller Angst beschloss Davine, sich nicht ihrem Schicksal zu ergeben. Sie habe ausrangierte Haken in dem Stall gefunden, erzählte sie und damit ihre Fessel lösen können. Dann fand sie ihre Tasche. Ihr Entführer hatte ihren Laptop und den Wi-Fi-Stick darin liegen lassen. Sie schrieb Freunden und Familie: "Ich wurde in Süd-Australien gekidnappt. Ich bin auf irgendeiner Farm. Er fährt einen roten Pick-up. Bitte sucht nach mir. Bitte, ich habe solche Angst."

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Freund holte Hilfe

Kurze Zeit später meldete sich ein Backpacker-Freund, der sich zu der Zeit ebenfalls in Australien aufhielt. Sie schrieben Nachrichten hin und her, bis der Empfang abbrach. Aus Angst davor, von Gene B. erwischt zu werden, habe sie die Sachen wieder in die Tasche gepackt und einen unfassbaren Entschluss gefasst. Sie legte ihre Fesseln wieder an. Ihr sei nur die Hoffnung geblieben, dass ihr Freund Hilfe holen würde.

Und Davine hatte Glück: Echo Wang hatte die Polizei alarmiert. Die konnte sie über ihr Handy orten und suchte das Gebiet ab. Als Entführer Gene B. die Polizei in seiner Nähe sah, setzte er sein Opfer ins Auto und fuhr sie zu der Stelle zurück, an der er sie eingesammelt hatte.

18 Jahre Haft

Davine wurde in diesem Stall festgehalten.
In diesem Stall wurde Davine festgehalten.
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"Was mir passiert ist, ist grauenvoll, entsetzlich und tödlich", sagte Davine später in einer Vernehmung. Vor Gericht stand sie ihrem Peiniger dann wieder gegenüber. "Ich habe ihn kaum erkannt. Er sah schlecht aus, ganz abgemagert. Es gab mir eine gewisse Genugtuung, dass er offenbar sehr gelitten hatte - so wie ich", sagte sie. Gene B. wurde später zu 18 Jahren Haft veruerteilt. Nach seiner Freilassung muss er Australien womöglich verlassen und in sein Heimatland Großbritannien zurückkehren.