Ausraster bei Prozessauftakt

Vater brüllt Leonies (†6) Killer im Gericht an

26. September 2019 - 11:09 Uhr

Leonies Vater trifft auf ihren mutmaßlichen Mörder - er zeigt ihm den Stinkefinger

Emotionaler Prozessauftakt am Dienstagmorgen gegen David H. vor dem Landgericht Neubrandenburg. Dem Mann wird Mord durch Unterlassen im Fall seiner sechsjährigen Stieftochter Leonie vorgeworfen, außerdem sieben Fälle der Misshandlung von Leonie und ihrem jüngeren Bruder Noah-Joel. Leonies leiblicher Vater Oliver E. blickte dem Killer seiner kleinen Tochter im Gerichtssaal in die Augen und rastete aus. Der zeigte ihm den Stinkefinger. Die Szene zeigen wir im Video.

Fall Leonie: Ausraster, weil Mutter sich trennen will

Mecklenburg-Vorpommern, Neubrandenburg: Vor Beginn des Prozesses wegen Mordes durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen in sieben Fällen hält sich der angeklagte Stiefvater einen Aktendeckel vor das Gesicht
Der mutmaßliche Mörder der sechsjährigen Leonie zeigt ihrem leiblichen Vater den Mittelfinger.
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu

Rückblick. Die Tat in Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern) Anfang des Jahres macht fassungslos. Weil sich Leonies Mutter Janine Z. von David H. trennen will, rastet der damals 27-Jährige komplett aus. Er verletzt seine Stiefkinder (6 und 3) schwer, so rekonstruieren die Ermittler. Leonie überlebt diesen 12. Januar nicht.

Mehrfaches Behördenversagen im Fall Leonie

Angeklagter David H. beim Prozessauftakt
Der Angeklagte David H. beim Prozessauftakt in Neubrandenburg.
© RTL, Tamara Bilic

Stiefvater und die Mutter der Kinder waren schon vorher ins Visier der Behörden geraten. Eine Tante hatte bereits vorher Anzeige erstattet, weil ihr Verletzungen an Leonie aufgefallen waren. Nach Begutachtung des Kindes und Gesprächen im Umfeld durch Aufsichtsbehörden sah man seinerzeit aber keine Veranlassung für weitere Maßnahmen.

An Leonies Todestag war außerdem ein Bereitschaftsdienst des Jugendamtes alarmiert worden. Die zuständige Mitarbeiterin nahm die beiden Kinder aber nicht, wie vorgeschrieben, persönlich und mit einer zweiten Person in Augenschein, sondern verließ sich auf die Aussage einer dritten Person, dass es den Kindern gut gehe.

Die Obduktion von Leonie ergab später neben massiven aktuellen Verletzung auch eine Vielzahl älterer Verletzungen. Das Mädchen war die letzten Wochen vor seinem qualvollen Tod nicht mehr in die Kita gegangen.

Auch bei der Vernehmung des Stiefvaters und dem anschließenden Versuch, ihn festzunehmen, kam es zur Panne. David H. konnte ohne Weiteres aus dem Pasewalker Polizeirevier fliehen. Polizisten, die ihm unmittelbar folgten, verloren ihn nach kurzer Distanz. Der Flüchtige war daraufhin eine Woche lang verschwunden und wurde erst zufällig, auf dem Weg zur Polizei mit seinem Anwalt, entdeckt.

Auch die Mutter gerät in den Fokus der Ermittlungen

Die Mutter von Leonie, Noah-Joel und einem weiteren Kleinkind gab an, von den Ereignissen am Todestag ihrer Tochter nichts mitbekommen zu haben. Sie will in einem Nebenzimmer Musik gehört haben. Die Polizei bezweifelte das und ermittelte wegen unterlassener Hilfeleistung. Noah-Joel lebt jetzt bei seinem leiblichen Vater Oliver E. in Wolgast.

Prozess im Fall der in Torgelow ermordeten Leonie

Vater Oliver E., der sich nach dem Tod seiner Tochter in psychiatrische Behandlung begeben musste, hofft auf eine gerechte Strafe für David H.: "Er soll bezahlen, für das, was er gemacht hat." Oliver E. will jeden einzelnen Verhandlungstag im Gerichtssaal sitzen. Als er die Anklage das erste Mal las, musste er sich übergeben.