"Ein Karneval, so wie wir ihn kennen, wird in Zeiten der Pandemie nicht möglich sein"

Aus für Karnevals-Saison 20/21: Keine Sitzungen, keine Partys, keine Umzüge

Karnevals-Gipfel in der Staatskanzlei
© dpa, Federico Gambarini, htf fg

18. September 2020 - 21:26 Uhr

Corona schlägt Konfetti

Aus für Schunkeln, Feiern, Bützen. Der Sitzungs- und Straßenkarneval in Nordrhein-Westfalen soll für die Saison 2020/21 komplett abgesagt werden. Dieser Vorschlag wurde heute von Vertretern der Städte und auch kleinerer Vereine beim Karnevalsgipfel in der Staatskanzlei der Landesregierung besprochen. Auch das Gesundheitsministerium war an dem Termin beteiligt. Die Teilnehmer einigten sich: Ein normaler Karneval wird nicht möglich sein – höchstens im allerkleinsten Kreis. Die endgültige Entscheidung soll allerdings wohl erst am Mittwoch kommen.

"Ein Karneval, so wie wir ihn kennen, wird in Zeiten der Pandemie nicht möglich sein"

Die Karnevalsvertreter hätten gezeigt, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst seien. "Seit Jahrhunderten wird Karneval in vielfältigen Formen gefeiert. Er musste dabei stets sich auch an schwierige gesellschaftliche Situationen anpassen. Karneval ist Teil der DNA Nordrhein-Westfalens. Und doch muss auch er sich den schwierigen Bedingungen anpassen.", sagte Staatssekretär Nathanael Liminski (CDU) als Vertreter der Landesregierung. Karneval lebe vom Miteinander und der Herzlichkeit der Menschen. Körperliche Nähe, ausschweifendes Feiern und Alkoholkonsum sei aber in Pandemie-Zeiten nicht möglich.

Für den Karneval gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie für alle Veranstaltungen, betonte er. Sitzungen, Bälle, Partys und Umzüge könnten ohne Abstandsregeln nicht stattfinden. Auch in Kneipen und Gastronomie könne nicht wie bisher gefeiert werden.

 Karnevalisten beim traditionellen Funkenbiwak auf dem Neumarkt. Köln, 22.02.2020 *** Carnivalists at the traditional Funkenbiwak at Neumarkt Cologne, 22 02 2020 Foto:xJ.xKrickx/xFuturexImage
So kennt man den Karneval in Köln: Feucht-fröhlich, Seite an Seite - das soll es während der Corona-Pandemie nicht geben.
© imago images/Future Image, Jens Krick via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Städte sollen Alkoholverbot an zentralen Plätzen aussprechen

"Wir rufen allen Karnevalisten zu: Fahrt an den tollen Tagen nicht in die Hochburgen. feiert dort, wo es sicher ist. Den Städten empfehlen wir als Landesregierung ein Alkohol- und Verweilverbot an zentralen Punkten." Die Vertreter der Spitzenverbände unterstützen diese Vorhaben, hieß es. Jegliche Magnetwirkung in die Zentren solle vermieden werden. Man müsse verhindern, dass die Städte zu Infektionsherden werden.

Kleine "Kulturveranstaltungen" mit Bühnenprogramm könnten dagegen in Übereinstimmung mit den Corona-Regeln möglich sein. Auch kleine Privatpartys könne man feiern.

"Es kann kein Feiern um jeden Preis geben", sagte auch Christoph Kuckelkorn, Präsident des Kölner Festkomitees.

Im Video: Das sagt der Festkomitee-Chef zum Kölner Karneval

Absage würde massive Geldverluste bedeuten

In den vergangenen Wochen hatten bereits immer mehr Vereine aus dem Rheinland Karnevalszüge und Sitzungen in ihrer Zuständigkeit abgesagt. Sie hatten das mit gesundheitlichen Risiken begründet, aber auch mit nicht kalkulierbaren finanziellen Risiken. Dadurch war zuletzt ein unübersichtlicher Flickenteppich entstanden.

Eine Absage würde für die Karnevalshochburgen massive wirtschaftliche Einbußen bedeuten. Einer 2019 veröffentlichten Studie zufolge liegt der geschätzte karnevalsbedingte Umsatz allein in Köln bei etwa 631 Millionen Euro. Nach der Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) sind in Köln rund 6.500 Arbeitsplätze vom Karneval abhängig. Vor allem das Gastgewerbe profitiert von den Narren.