Lufthansa gibt Tochter auf

So emotional kämpften die Mitarbeiter um Germanwings

07. April 2020 - 20:00 Uhr

"Ich bin Germanwings"

Germanwings fällt der Coronakrise zum Opfer. Die Lufthansa hat den Betrieb ihrer Kölner Tochter am Dienstagnachmittag eingestellt. Ein Schock für die 1.400 Mitarbeiter der Fluggesellschaft. Bis zuletzt haben sie um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze gekämpft und gemeinsam ein emotionales Video veröffentlicht. Doch ihr Appell blieb ungehört.

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Ungewisse Zukunft für Germanwings-Mitarbeiter

"In dieser dynamischen Zeit vergessen sie bitte eins nicht, hinter diesen 1.400 Mitarbeitern stehen Zukünfte und Existenzen, die gerade massiv bedroht werden", sagt ein Germanwings-Mitarbeiter zu Beginn des Videos. Dann folgen Piloten, Flugbegleiter und viele ihrer Kollegen. Sie stehen in Uniform vor der Kamera, einige halten ihre Kinder in den Armen, andere ihre Haustiere. Was nun aus ihnen wird, fraglich.

Ein Sprecher der Lufthansa stellte am Dienstag klar: Die Entscheidung, den Flugbetrieb von Germanwings einzustellen, bedeutet nicht, dass die rund 1.400 Beschäftigten ihre Jobs verlieren. Vielmehr solle nun mit den Sozialpartnern über die Optionen verhandelt werden. Zu möglichen Staatsbeihilfen der Regierungen in Berlin, Brüssel, Wien und Bern machte Lufthansa keine Angaben.

Gewerkschaften wollen verhandeln

Bislang gibt es für die 500 Piloten und 900 Flugbegleiter der Germanwings noch keine Vereinbarung zur Kurzarbeit, so dass sie vorerst die vollen Bezüge erhalten, ohne zu fliegen. Hier sind schnelle Verhandlungen zu erwarten.

Die Gewerkschaften hatten befürchtet, dass das Unternehmen und die Jobs schnell abgewickelt werden sollten. Das sei nun keineswegs so, erklärte der Sprecher der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies. Aus seiner Sicht müsse kein einziger Flugbegleiter gehen, wenn klug über kollektive Lösungen nachgedacht und die natürliche Fluktuation genutzt werde. Für Verhandlungen stehe man zeitnah zur Verfügung.

"Wir wollen Lösungen für alle Mitarbeiter der Lufthansa", erklärte Sprecher Janis Schmitt von der Vereinigung Cockpit (VC). Gemeinsam mit Verdi und weiteren Berufsvereinigungen hatten VC und Ufo am Montag dem Lufthansa-Management gedroht: "Wir können uns nicht vorstellen, dass Sie einzelne Gruppen opfern und ernsthaft noch mit konstruktiver Unterstützung Ihrer Mitarbeiter anderer Gruppen rechnen."

Lufthansa startet Schrumpfprozess

Bereits vor der Corona-Krise hatte Lufthansa für die Touristiktochter Eurowings das Ziel formuliert, ihre bislang wesentlich auf drei Flugbetriebe verteilte Flotte auf einen zu konzentrieren. Dazu gehört auch die einstmals selbstständige Marke Germanwings mit noch rund 30 Flugzeugen. Klar ist bereits, dass die Marke Eurowings mit 13 Flugzeugen weniger an den Neustart gehen wird.

Bei der Kerngesellschaft Lufthansa sollen dauerhaft 18 Langstreckenflugzeuge und elf Mittelstreckenjets am Boden bleiben. Darunter sind sechs Maschinen des Superjumbos Airbus A380, die ohnehin ab 2022 an den Hersteller Airbus zurückgehen sollten. Zudem werden verbrauchsungünstige Jets wie die Boeing 747 und die Airbus A340 ausgemustert.

Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelte weiterhin das Ziel, möglichst vielen eine Weiterbeschäftigung innerhalb der Lufthansa Group zu bieten, erklärte der Konzern. Dazu solle über neue Beschäftigungsmodelle verhandelt werden. Auch für die übrigen Töchter Brussels, Austrian und Swiss kündigte der Konzern Flugzeugstilllegungen beziehungsweise verzögerte Auslieferungen an, ohne konkrete Zahlen zu nennen.