Aus dem Gleichgewicht

Aus für den Personal Transporter: Segway stellt Produktion ein

26. Juni 2020 - 15:26 Uhr

Segway-Tour nur als Touristenattraktion

Touristen, die in Zehnerreihe etwas unbeholfen durch die Altstadt gondeln oder irre Verfolgungsjagden im Film 'Kaufhaus Cop' – mit den Segway-Gefährten verbindet man eher lustige Momente. Dabei sollten die zweirädrigen Segways eine beispiellose Erfolgsgeschichte der modernen Fortbewegung werden, doch am Ende sprang der Funke auf den Kunden nicht über: Ab dem 15. Juli werden keine neuen "Segway PT" mehr produziert, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Im Video erklärt Mobilitätsforscher Andreas Knie, warum sich der Segway auf dem Markt nicht durchsetzen konnte und welches Verkehrsmittel gerade eher der Renner ist.

Touristen fahren mit Segways durch Berlin Mitte
Touristen fahren mit Segways durch Berlin Mitte.
© DPA, Jens Kalaene

Segway-Chef verunglückte mit eigenem Transporter tödlich

Die zweirädrigen Gefährte ("PT" steht für Personal Transporter), die Nutzer auf einer Plattform stehend mittels Gewichtsverlagerung bewegen, fanden in den vergangenen Monaten einfach nicht nicht genug Abnehmer. Demnach machten sie 2019 lediglich 1,5 Prozent des Jahresumsatzes des Unternehmens aus.

In Folge des Produktionsstopps sollen zunächst 21 Mitarbeiter entlassen werden. 12 weitere Angestellte werden noch zwei bis zwölf Monate in der Fabrik in Bedford im US-Bundesstaat New Hampshire beschäftigt bleiben. Der Entschluss sei nicht leichtfertig getroffen worden, wird Cai in dem Bericht zitiert. Die aktuelle, globale Coronavirus-Pandemie habe die Verkaufszahlen und Produktion zwar beeinflusst, aber "das war nicht der entscheidende Faktor für unsere Entscheidung".

Das in den 90er-Jahren entwickelte Gefährt konnte nie so recht den Durchbruch schaffen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der hohe Anschaffungspreis (ab rund 5000 Euro) und die relativ komplizierte Bedienung eine Hürde für viele Kunden war. So waren und sind es vor allem Touristengruppen in Großstädten und Polizeibeamte in den USA, die als maßgebliche Nutzer das öffentliche Bild prägten.

Darüber hinaus sorgten einige spektakuläre Unfälle für Aufsehen. Der britische Millionär Jimi Heselden, der 2009 das Unternehmen Segway gekauft hatte, verunglückte zehn Monate später tödlich auf einem Segway. Der 62-Jährige war eine Klippe heruntergestürzt. Das Unternehmen richtete seinen Fokus in den vergangenen Jahren zudem auf alternative Fortbewegungsmittel, wie die beliebten und erschwinglicheren E-Scooter.