Aus Angst: Deutsche wollen besseren Schutz vor Geisterfahrern

Verkehrsrowdys, die Reform des Flensburger Punktesystems und die Fahrausbildung stehen im Mittelpunkt des 51. Verkehrsgerichtstags in Goslar.
Verkehrsrowdys, die Reform des Flensburger Punktesystems und die Fahrausbildung stehen im Mittelpunkt des 51. Verkehrsgerichtstags in Goslar.
© dpa, Patrick Pleul

03. August 2014 - 16:59 Uhr

Bessere Warnhinweise gefordert

Immer wieder verursachen Geisterfahrer auf Autobahnen schwere Unfälle – in vielen Fällen enden diese tödlich. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts 'YouGov' hat sich die Mehrzahl der Deutschen für bessere Warnhinweise und mehr Schutz ausgesprochen. 69 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten auf deutschen Autobahnen persönlich als Fahrer oder Beifahrer Angst vor Falschfahrern.

Nach Überzeugung von 70 Prozent der Befragten wären große Warnschilder mit der Aufschrift "Stop Falsch" sinnvoll, wie es in Österreich üblich ist. Metallkrallen an Autobahn-Auffahrten, die nur in eine Richtung überfahren werden können, befürworten laut der Studie 59 Prozent der Deutschen. Für bessere Bodenmarkierungen an den Autobahnauffahrten sprachen sich 39 Prozent aus.

Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte sich kürzlich für Warntafeln ausgesprochen, um Falschfahrer zu stoppen. Sie sollten deutschlandweit an Unfallschwerpunkten aufgestellt werden - auch wenn sich nicht alle Falschfahrer so aufhalten ließen. Nach Ramsauers Angaben wurden allein im vergangenen Jahr rund 1.800 Geisterfahrten gemeldet.

Zuletzt waren am Neujahrstag auf der Autobahn 1 in der Nähe von Bremen zwei Menschen ums Leben gekommen, als ein Sattelzug in falscher Richtung auf die Autobahn gefahren war. Ende Dezember verursachte ein Geisterfahrer auf der A52 im nördlichen Ruhrgebiet einen Unfall mit zwei Toten, im November starben sechs Menschen auf der Autobahn 5 nahe Offenburg bei einem Unfall mit einem Falschfahrer.

Verkehrsgerichtstag in Goslar

Aufgrund der Serie folgenschwerer Unfälle spielt das Thema Falschfahrer auch auf dem 51. Verkehrsgerichtstag in Goslar eine zentrale Rolle. Der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstages, Kay Nehm, beklagte, die mit Leitpfeilen versehenen Verkehrsinseln am Beginn der Auffahrten seien eine echte Falle. "Das gilt vor allem bei schlechter Sicht, wenn das Fahrlicht vor dem Abbiegen geradeaus strahlt".

Schärfere Polizeikontrollen werden auch bei rücksichtslosen Radlern gefordert: Denn Rüpel-Radler sollen nach dem Willen der Experten strenger bestraft werden. Die "offensichtliche behördliche Duldung lebensgefährlicher Verhaltensweisen" vieler Radler sei laut Nehm ein Skandal. Autofahrer müssten in der dunklen Jahreszeit höllisch aufpassen: "Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln".

Ebenfalls erneuert wurde die Kritik an der geplanten Reform des Punktekatalogs. Nehms Kritik richtet sich vor allem gegen die fehlende Möglichkeit, Punkte durch die Teilnahme an Seminaren abzubauen und damit einen drohenden Führerscheinverlust abzuwenden. Schwer nachvollziehbar sei auch, dass eine Verurteilung wegen eines Verkehrsdeliktes zu maximal 90 Tagessätzen Geldstrafe zwar schon nach fünf Jahren aus dem Bundeszentralregister getilgt werde, die Punkte im Flensburger Register aber doppelt so lange stehen bleiben würden. Dass künftig jedem Autofahrer bei acht Punkten die Fahrerlaubnis entzogen werden soll, benachteiligt demnach vor allem Berufspendler und Vielfahrer. Ähnliche Kritik hatten zuvor bereits Automobilclubs und Verkehrsanwälte geübt.

Weiteres Thema auf dem bis Freitag dauernden Verkehrsgerichtstag mit mehr als 1.900 Experten sind Tempokontrollen, um Raser zu disziplinieren. Jedes Jahr verursachen Temposünder allein in Deutschland knapp 70.000 Unfälle. Rund 40 Prozent der Verkehrstoten sterben bei Kollisionen, die auf zu hohes Tempo zurückzuführen sind, berichtete der Automobilclub Europa ACE. Die Experten sind sich zwar einig, dass Maßnahmen gegen Schnellfahrer nötig sind. Verkehrsclubs und Juristen kritisieren aber, dass die derzeitigen Messergebnisse von Blitzern nicht immer nachvollziehbar seien.