Für sechs Dosen muss extrem genau gearbeitet werden

Experten zur Übermenge in Impfstoff-Fläschchen: Aus 5 mach 6? Vorerst keine gute Idee!

Die ersten Corona-Impfungen
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28. Dezember 2020 - 17:06 Uhr

KV-Chef Plassmann: Da kann man mehr rausholen

Seit Sonntag wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Am Montagmorgen gab es bereits die ersten Erfahrungswerte im Umgang mit dem Impfstoff von den Unternehmen Biontech und Pfizer. Mit einer Sp(r)itzen-Überraschung lief das Impfen in Hamburg an: "Man kann aus den Impffläschchen sechs Dosen herausnehmen", schlug der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, Walter Plassmann, vor. Hersteller Biontech verspricht fünf Impfdosen pro Fläschchen. Experten halten diesen Weg allerdings nicht für gangbar – jedenfalls nicht am Anfang der Impfungen und wenn, dann nur unter idealen Bedingungen.

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Hygieniker Zinn rät von Improvisieren ab - und setzt auf Moderna-Impfstoff

Endlich werden die Impfungen gegen des Coronavirus Sars-CoV-2, das unser Leben seit Monaten massivst einschränkt und trotz aller Maßnahmen schon zu zahlreichen Erkrankungen und Todesfällen geführt hat, bundesweit ausgerollt. Doch noch ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer knapp bemessen. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg, Walter Plassmann, ist der Meinung, dass die jetzt zur Verfügung stehenden fünf Impfdosen pro Fläschchen auch auf sechs vergrößert werden können.

Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, rät allerdings davon ab zu improvisieren: "Wir hoffen tatsächlich eher darauf, dass wir jetzt in Kürze, der Impfstoff der Firma Moderna soll ja am 6. Januar zugelassen werden, mehr richtige Impfstoffdosen bekommen", sagt er gegenüber RTL. "Also es sollte nicht versucht werden zu improvisieren, jetzt am Anfang."

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Es gibt fast immer einen kleinen Verlust

Und Medizinexperte Dr. Christoph Specht erklärt bei n-tv, warum es in Impfstofffläschchen immer eine Übermenge gibt. "Sie müssen ja bedenken, dass der Impfstoff in einer Spritze aufgezogen werden muss", so Specht im Interview mit dem Nachrichtensender. "Da gibt es immer einen kleinen Verlust, und wenn jetzt wirklich nur exakt fünf Impfdosen drin wären, dann könnte das auch schon mal knapp werden." Wenn sehr exakt, das heißt wirklich extrem exakt gearbeitet werde, dann könnten auch sechs Impfdosen rauskommen, so der Medizinexperte, aber das sei schwierig. "Eine Impfdosis hat nur 0,3 ml, also das ist schon sehr fein und eng bemessen."

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Auch eine Frage der Haftung

Ein Zusammenkippen des Impfstoffs kommt auch nicht infrage: "Der Hersteller gibt vor, wieviel Impfdosen drin sind", so Specht, "da der Impfstoff neu ist, will man sich natürlich gerade am Anfang auch unbedingt daran halten." Auch Pfizer stellt nach RTL-Anfrage unmissverständlich klar: "Überschüssiger Impfstoff aus mehreren Fläschchen darf niemals gepoolt werden."

Schon wegen möglicher rechtlicher Haftungsfragen müsse man sich daran halten, was der Hersteller sicher verspricht, bekräftigt Dr. Kerstin Kemmritz, Präsidentin Apothekerkammer Berlin gegenüber RTL. "Und dann muss man sehen, wie gut die tägliche Praxis funktioniert, bevor man da etwas ändern sollte", sagt Kemmritz. Die Sicherheit bei der Impfung gehe definitiv vor Schnelligkeit und Kosteneinsparungen.

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Mit steigender Erfahrung ist vielleicht mehr drin

Allerdings ist denkbar, dass dieses Mehr mit mehr Erfahrung tatsächlich zu einem späteren Zeitpunkt aus den Fläschchen herausgeholt werden kann. "Wir sind gerade in der Situation, dass wir es in unglaublicher Geschwindigkeit geschafft haben, die Zentren aufzubauen, wir sammeln gerade Erfahrungen: Wie lässt sich arbeiten, welcher Druck entsteht? Das sind alles Faktoren", sagt Kemmritz. Der Inhalt reiche zwar eben theoretisch für sechs Dosen, das allerdings nur unter besten Voraussetzungen. "Bei erfahrenen Teams, die unter Idealbedingungen arbeiten, kann man den Überschuss vielleicht nutzen. Aber zunächst muss man sehen, wie gut die Praxis funktioniert."

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