„Jede Gelegenheit genutzt, um sich an den Kindern zu vergehen“

Jungen 89 Mal missbraucht – Pflegevater muss mehr als zehn Jahre in den Knast

© dpa, Mohssen Assanimoghaddam, ass cul

13. August 2019 - 15:13 Uhr

Landgericht Aurich schickt 57-Jährigen ins Gefängnis

Weil er sich laut Gericht 89 Mal an Pflegekindern verging, muss ein 57-Jähriger ins Gefängnis: Das Landgericht Aurich hat ihn zu zehn Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Außerdem ordnete das Gericht Sicherungsverwahrung an.

Sexueller Missbrauch in Ostfriesland

Die Jungen lebten beim Angeklagten und seiner Frau in Ostfriesland. Zwischen 1999 und 2014 seien sie von dem Mann sexuell missbraucht worden. Er habe "jede Gelegenheit genutzt, um sich an den Kindern zu vergehen", so Richter Malte Sanders. Bei der Urteilsverkündung zeigte der Angeklagte keine Regung.

Missbrauch an unterschiedlichen Orten

Die Jungen waren zur Tatzeit unterschiedlich alt - fünf Jahre, zehn Jahre oder auch im Jugendalter. Insgesamt handele es sich um mindestens sieben Jungen. Es sei nicht abwegig, von der "Spitze des Eisbergs" zu sprechen, sagte der Richter. Das Paar wohnte sowohl in Aurich und Großefehn als auch in Großheide. Die Kinder seien dem 57-Jährigen ausgeliefert gewesen, sie hätten keine andere Möglichkeit gehabt, als den Missbrauch über sich ergehen zu lassen.

„Kinderflüsterer“

Er habe sich nach außen verständnisvoll gezeigt und sei bei den Kindern auch beliebt gewesen. "Kinderflüsterer" habe man ihn auch genannt. "Umso schlimmer, dass er sich an ihnen vergangen hat", so Malte Sanders. Im Verfahren habe sich der Angeklagte überhaupt nicht einsichtig gezeigt.

„Ich bin nicht aggressiv“

Vorwürfe, er habe sogar Gewalt angewendet, wies der Mann zu Beginn des Prozesses zurück: "Ich bin nicht aggressiv und werde auch nicht übergriffig oder sonst irgendwas." Es habe allerdings ein, zwei Fälle gegeben, bei denen er seine Taten zugebe. "Ich weiß nicht, was mich dazu getrieben hat", sagte der Angeklagte. Durch die Sicherungsverwahrung ist es möglich, dass der Mann unbegrenzt eingesperrt bleibt. Laut einem Gutachter ist er schwer pädophil, es bestehe Wiederholungsgefahr. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.