Augsburger Polizistenmord: DNA-Spuren belasten Bruder des Hauptverdächtigen

22. September 2014 - 15:16 Uhr

DNA-Spuren belasten Bruderpaar

Die beiden Brüder, die nach dem Polizistenmord in Augsburg festgenommen wurden, könnten schon bald überführt werden. DNA-Spuren belasten den Bruder des Hauptbeschuldigten schwer, teilte der leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz mit. Sie streiten die Tat nach Äußerungen der bayrischen Justizministerin Beate Merk hingegen ab. Sollte sich der Tatverdacht bestätigen, droht dem Hauptbeschuldigten eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Auch sein Bruder müsste lebenslang hinter Gitter.

Verdächtiger in Polizeibus
Einer der Verdächtigen wird in einem Polizeibus in das Justizzentrum Augsburg gefahren
© dpa, Karl-Josef Hildenbrand

Justizministerin Merk und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) gratulierten den Beamten der Sonderkommission 'Spickel' zum Fahndungserfolg. 53 Polizisten folgten über Wochen einer Vielzahl von Hinweisen. Ausschlag gaben zuletzt Beobachtungen zweier Polizisten zu einem Fahrzeug eines Münchner Geschäftsmannes. Dieser hatte seit Jahren Kontakt zu einem der Verdächtigen und lieh ihm häufiger sein Auto. Der Tatverdacht habe sich durch das Verhalten der Beobachteten, deren Vermögensverhältnisse und schließlich durch den DNA-Treffer erhärtet. Falls es zum Prozess kommt, wären die festgenommenen Brüder unter anderem wegen gemeinschaftlichem Mord, versuchtem Mord und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Beide Männer sollen polizeibekannt sein und aus dem Augsburger Kriminellen-Milieu stammen. Möglicherweise ist einer der beiden Festgenommenen ein Wiederholungstäter. Medien berichteten, dass er bereits vor mehr als 30 Jahren bei einer Polizeikontrolle einen Beamten erschossen haben soll. Der Mann habe ebenfalls in Augsburg einen damals 31 Jahre alten Polizisten getötet und sei dafür zu lebenslanger Haft verurteilt worden, berichtete die 'Augsburger Allgemeine'.

Der 41-jährige Vieth und eine Kollegin wollten am 28. Oktober gegen 2.50 Uhr morgens zwei vermummte Motorradfahrer auf einem Parkplatz in einem Naherholungsgebiet kontrollieren. Daraus wurde eine waghalsige Verfolgungsjagd über einen Staudamm, der eigentlich nur für Fahrräder und Fußgänger freigegeben ist, bis zum Augsburger Stadtwald. Dort stürzten die Motorradfahrer auf einem schmalen Waldweg und eröffneten das Feuer, als der Polizist aus dem Wagen stieg.

Vieth schoss zurück, wurde aber tödlich in Hals, Kopf und Unterleib getroffen. Auch seine schusssichere Weste rettete ihn nicht. Der zweifache Vater verblutete noch am Tatort, seine Kollegin erlitt einen Streifschuss. Die Männer flüchteten vermutlich unverletzt zu Fuß, ihre Waffen nahmen sie mit.

Es handelt sich um "schwere Jungs"

Die Polizei vermutete bereits kurz nach der Tat, dass die Motorradfahrer im Schutz der Nacht ein Drogengeschäft abziehen wollten und dabei gestört wurden. Für Augsburgs Polizeipräsidenten Gerhard Schlögl stand jedenfalls schon kurz darauf fest, dass es sich um "schwere Jungs" gehandelt haben muss.

Die Jagd nach den Tätern wurde mit immensem Aufwand betrieben. Unter anderem Profiler der Münchner Polizei sollten helfen, das Verbrechen aufzuklären. Auch DNA-Spuren wertete die Soko 'Spickel' aus. Nach den tödlichen Schüssen fanden die Ermittler die mutmaßliche Tatwaffe. Auch das Fluchtfahrzeug, ein gestohlenes Motorrad, fiel ihnen in die Hände - aber keine heiße Spur.

Dafür schossen die wildesten Spekulationen ins Kraut. Zwischenzeitlich wurde sogar ein Zusammenhang mit dem Mord an einer Polizistin 2007 in Heilbronn vermutet - dort waren die Täter Neonazis, die mit ihren Morden im vergangenen Jahrzehnt eine Blutspur durch Deutschland zogen. DNA-Tests widerlegten jedoch den Verdacht. Die Belohnung für Hinweise zur Aufklärung der Tat wurde schrittweise auf insgesamt 100.000 Euro erhöht. Jetzt ist offenbar der große Durchbruch gelungen.