Auftakt im Reker-Prozess: Mutmaßlicher Täter war "entschlossen, zu töten"

15. April 2016 - 16:28 Uhr

Attentäter gesteht: „War in rechter Szene“

Ein halbes Jahr nach dem Attentat auf die Politikerin Henriette Reker hat der mutmaßliche Täter gestanden, der rechten Szene in Bonn angehört zu haben. Unter anderem wegen "Schlägereien mit der Antifa" und "politischer Sachen" sei er mehrfach verurteilt worden, sagte der 44-Jährige zum Prozessauftakt im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Er hatte Reker im Oktober einen Tag vor ihrer Wahl zur Kölner Oberbürgermeisterin mit einem Messer schwer verletzt. Deshalb ist er wegen versuchten Mordes angeklagt. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Zwischen 1997 und 2000 habe er gut drei Jahre im Gefängnis gesessen. Aus der Zeit stamme auch seine Tätowierung "Berserker Bonn", teilte der Mann weiter mit. Das sei eine Art "Bürgerwehr" gewesen.

Mitglied der inzwischen verbotenen rechtsextremen FAP sei er nie gewesen, habe aber Kontakt zu Mitgliedern gehabt. Die Partei sei ihm zu rückwärtsgewandt gewesen. Er habe aber an zwei Gedenkmärschen für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß teilgenommen. Dabei handelte es sich um Aufmärsche von Neonazis.

Reker tritt als Nebenklägerin auf

Die Bundesanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe erfüllt. Der Angeklagte habe als Motiv die aus seiner Sicht insgesamt verfehlte Politik in Deutschland genannt, besonders in der Ausländerfrage. "Er hatte sich entschlossen, die Geschädigte zu töten", sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft. Der Angeklagte habe Reker "völlig überraschend" angegriffen und wahllos auf weitere Menschen eingestochen.

Reker war vor der Wahl als Sozialdezernentin für die Unterbringung der Flüchtlinge in Köln zuständig. "Er wollte verhindern, dass sie zur Oberbürgermeisterin gewählt wird", sagte einer der Ankläger.

Der Angreifer war nach der Bluttat noch am Tatort festgenommen worden. Die parteilose Politikerin wurde lebensgefährlich verletzt und lag während ihrer Wahl an die Stadtspitze im künstlichen Koma. Sie leidet auch ein halbes Jahr nach der Attacke noch an den Folgen und wird weiter behandelt. In zwei Wochen soll Reker als Zeugin aussagen. Reker tritt als Nebenklägerin auf - vertreten durch einen Anwalt.