Studie zeigt vielfältige Gründe für die Gehaltsungerechtigkeit

Aufs Leben gerechnet: So krass sind die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen!

So krass summieren sich die Gehaltsunterschiede im Leben Große Ungerechtigkeit zwischen Frauen und Männern
02:42 min
Große Ungerechtigkeit zwischen Frauen und Männern
So krass summieren sich die Gehaltsunterschiede im Leben

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Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer. Das ist schon auf den Monat oder auf den Stundenlohn gerechnet ziemlich ungerecht. Aber haben Sie sich schon mal überlegt, was das für ein ganzes Leben bedeutet? Eine weltweite Studie hat genau das jetzt untersucht: Frauen kommen auf ein Leben gesehen nur auf etwa Dreiviertel des Gehalts von Männern.

Auch Rentenansprüche und Erspartes wurden eingerechnet

Das Weltwirtschaftsforum in Zusammenarbeit mit der Beratung „Willis Towers Watson (WTW)“ hat das nun umfangreich ausgewertet. Das Besondere an der Studie: Neben dem Gehalt werden auch Rentenansprüche, betriebliche Altersvorsorge, Immobilien-Besitz und Erspartes mit eingerechnet. Berechnet wurde die Zeit vom 22. Lebensjahr bis zum Renteneintritt. Die Studie liegt dem „Handelsblatt“ vor.

Frauen gehen demnach mit einem Viertel weniger Vermögen in den Ruhestand als Männer und das, obwohl sie um Durchschnitt auch noch fünf Jahre länger leben. Und damit geht es uns in Europa, laut der Studie, noch ganz gut. Insgesamt wies Europa das geringste durchschnittliche geschlechtsspezifische Wohlstandgefälle aller untersuchten Regionen auf.

Besonders deutlich fällt der Unterschied bei gut ausgebildeten Frauen aus. Einfache Arbeiterinnen kommen demnach auf etwa 83 Prozent des Lebenseinkommens im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, bei Spezialistinnen und Führungskräften sind es am Ende nur zwei Drittel im Vergleich zu Männern in der vergleichbaren Position.

Warum ist das so?

Erklärung 1: Ungleiche Karriere-Chancen

Frauen steigen während der Familiengründung häufiger aus dem Job aus. Während Männer also in dieser Zeit die Chance haben, sich auf bessere Jobs zu bewerben, sich weiterzuentwickeln, die Karriereleiter hoch zu klettern, bleiben viele Frauen zunächst bei der Position, die sie vor der Schwangerschaft haben. Ihre Karriere bleibt aus oder verzögert sich um einige Jahre. Gerechnet auf die Lebenszeit rächt sich das.

Erklärung 2: Verdienstausfall

Frauen und Männer teilen sich die sogenannten Care-Arbeit ungleich auf und das wirkt sich natürlich auf den Verdienst aus.

„In Deutschland herrscht ein Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und ein unverhältnismäßig hoher Anteil an unbezahlter Betreuungsarbeit, die Frauen leisten“, erklärt Florian Frank im „Handelsblatt.“ Er ist Vergütungsexperte bei WTW, der die Datenlage für Deutschland analysiert hat. Er sagt: „Wer in Elternzeit ist, verhandelt kein Gehalt.“ In Zeiten der Inflation leiden Frauen also noch deutlicher unter einem Reallohn-Verlust. Ein gleichbleibendes Gehalt gleicht die hohe Inflationsrate nicht aus, unterm Strich bleibt also weniger.

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Was lässt sich gegen die Gehaltsungerechtigkeit tun?

Die meisten Studien zum Thema Gehalt schauen weniger auf die langfristigen Folgen. Eine Bertelsmann-Studie im April hatte die hohe finanzielle Abhängigkeit von Frauen, insbesondere Müttern hingewiesen. Demnach bevorzugt der Staat verheiratete Paare, alleinerziehende Mütter zahlen hohen Preis. Laut den Berechnungen haben verheiratete Mütter und Väter, die 1985 geboren wurden und heute etwa Mitte 30 Jahre alt sind, im Haupterwerbsalter insgesamt jeweils knapp 700.000 Euro netto zur Verfügung.

Diese Berechnung nach Steuern und Abgaben und zuzüglich Transfers und Familienleistungen bezieht sich auf die Lebensspanne zwischen 20 und 55 Jahren. Alleinerziehende Frauen kommen auf eine deutlich kleinere Summe: Mütter, die überwiegend - also mehr als die Hälfte der Erziehungszeit - alleinerziehend sind, haben zwischen 20 und 55 Jahren insgesamt lediglich rund 520.000 Euro netto zur Verfügung. Das seien im Durchschnitt 25 Prozent weniger als bei verheirateten Müttern.

Was also tun? Wie lässt sich dieser eklatante Unterschied zwischen Männern und Frauen auflösen? Der WTW-Experte Frank sieht folgende Ansätze:

  • Der Gender-Pay-Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, muss kleiner werden.
  • Väter müssen sich gleichermaßen in die Care-Arbeit einbringen. „Dann wird es für Unternehmen normaler, dass Eltern – und nicht nur Mütter – für eine bestimmte Zeit aus dem Beruf raus sind, um sich um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern.“
  • Unternehmen müssen automatische Gehaltsanpassungen auch in der Elternzeit vornehmen.

Aber auch Sie für sich persönlich sollten das Thema Finanzen im Blick haben: „Verhandeln Sie immer Ihr Gehalt, prüfen Sie genau, ob und wie lange Sie aus dem Job aussteigen wollen oder müssen und verhandeln auch mit Ihrem Partner über mögliche Ausgleichszahlungen für Care Arbeit und Ihre spätere Rente“, rät RTL-Finanzexpertin Susanne Althoff. (eku)

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