Aufnahmestopp bei der Tafel in Marl: Alleinstehende werden nicht mehr versorgt

Die Tafel in Marl nimmt keine alleinstehenden Personen mehr auf - in der Praxis betrifft das vor allem ausländische Männer.
© dpa, Marcel Kusch, mku htf

01. März 2018 - 21:45 Uhr

Durch die Regelung werden vor allem Ausländer ausgeschlossen

Zuerst sorgte die Essener Tafel mit ihrem Aufnahmestopp für ausländische Neukunden für Schlagzeilen, jetzt wurde bekannt, dass auch die Tafel in Marl (Nordrhein-Westfalen) bestimmte Menschen bei der Essensausgabe ausschließt. Seit einem halben Jahr werden in der Stadt im nördlichen Ruhrgebiet keine alleinstehenden Personen mehr aufgenommen. In der Praxis betrifft das vor allem ausländische Männer. Ausländische Familien seien davon nicht betroffen.

"Das Hauptproblem ist, dass wir nicht genug Ware haben"

Es würde niemandem aufgrund seiner Nationalität der Berechtigungsausweis für Lebensmittel entzogen, stellte die Tafel klar. Aus Kapazitätsgründen würden derzeit nur noch Familien mit Kindern und Rentner aufgenommen, sagte die Vorsitzende des Trägervereins, Renate Kampe. Man habe auch deutsche alleinstehende Männer schon abweisen müssen.

Die Regelung sei eingeführt worden, nachdem man wegen der zahlreichen Flüchtlinge an Kapazitätsgrenzen gestoßen sei. "Das Hauptproblem ist, dass wir nicht genug Ware haben", sagte Kampe. Abgewiesene Antragsteller würden gebeten, alle vier Wochen wieder nachzufragen.

"Dass wir Ausländer ablehnen, kann uns wirklich niemand vorhalten"

Renate Kampe, Leiterin der Marler Tafel
Leiterin und Vereinsvorsitzende der Maler Tafel, Renate Kampe, erklärte, dass keine alleinstehenden Männer mehr aufgenommen werden können.
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Der Verein machte allerdings widersprüchliche Angaben. Erst vor Kurzem sagte Kampe der 'Recklinghäuser Zeitung', dass die ehrenamtlichen Helfer durch Verständigungsschwierigkeiten mit ausländischen Kunden an ihre Grenzen gerieten. "Dass wir Ausländer ablehnen, kann uns wirklich niemand vorhalten", zitierte die Zeitung die 79-Jährige.

Seit einer Woche läuft eine bundesweite Debatte über einen vorübergehenden Aufnahmestopp der Essener Tafel für Ausländer. Die Tafel in Essen begründet ihr Vorgehen mit einem weit überdurchschnittlichen Anteil an Ausländern. Gerade ältere Menschen und alleinerziehende Mütter hätten sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt und weggedrängt gefühlt. Nach massiver Kritik bis hin zu Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll ein Runder Tisch in den kommenden Wochen eine Neuregelung für die Essener Tafel erarbeiten.