Eisriese oder Schwarzes Loch?

Auf der Suche nach dem mysteriösen Planet 9

Diese künstlerische Darstellung zeigt den fernen Blick vom Planeten Neun zurück zur Sonne. Es wird angenommen, dass der Planet gasförmig ist, ähnlich wie Uranus und Neptun.
© Caltech/R. Hurt (IPAC)

29. Oktober 2020 - 19:42 Uhr

Es ist derzeit eines der größten Mysterien unseres Sonnensystems. Haben wir noch einen neunten Planeten in unserem Sonnensystem, den wir noch nicht entdeckt haben, oder nicht? Immer mehr Wissenschaftler sind mittlerweile von seiner Existenz überzeugt. Es würde viele der bisher noch ungeklärten Anomalitäten erklären. Und – es würde unser Sonnensystem wieder aufstocken auf 9 Planeten, nachdem Pluto der Status abgesprochen und er zum Zwergplaneten degradiert worden ist. Doch Planet 9 zu entdecken, stellt sich schwieriger heraus, als gedacht.

Planet könnte DIE Erklärungen liefern

Es ist keineswegs sicher, dass es einen weiteren Planeten gibt, der zu unserem Sonnensystem gehört, doch vieles spricht dafür. Dieser bisher nur hypothetische Planet könnte die Lösung für so manches bisher noch unerklärliches Phänomen sein. Zum Beispiel die um sechs Grad zu den Planetenbahnen geneigte Sonnenachse, die durch einen weiteren Planeten abgelenkt worden sein könnte. Zum anderen würde es die eher ovalen statt kreisrunden Umlaufbahnen einiger Objekte am Rande unseres Sonnensystems, dem Kuiper-Gürtel, erklären.

Plutokiller sucht nach Planet 9

Caltech-Professor Mike Brown und Assistenzprofessor Konstanin Batygin haben zusammengearbeitet, um entfernte Objekte in unserem Sonnensystem zu untersuchen
Caltech-Professor Mike Brown und Assistenzprofessor Konstanin Batygin haben zusammengearbeitet, um entfernte Objekte in unserem Sonnensystem zu untersuchen.
© Lance Hayashida/Caltech

Federführend bei der Suche nach dem hypothetischen Planeten 9 sind die beiden Professoren Mike E. Brown und Konstantin Batykin vom California Institute of Technology (Caltech). Mike Brown wird auch der "Plutokiller" genannt, weil er 2006 hauptverantwortlich dafür war, dass dem bisherigen neunten Planeten unseres Sonnensystems der Status aberkannt wurde und er heute nur noch zu den Zwergplaneten gerechnet wird. Er hat also offenbar etwas gut zu machen.

Computersimulationen und Berechnungen deuten auf Planet 9 hin

Batykin und Brown hatten vor einem Jahr eine Forschungsarbeit veröffentlicht, in der sie die Existenz eines neunten Planeten für sehr wahrscheinlich halten. Dabei hatte Brown anfänglich versucht mit seinen Berechnungen einen neunten Planeten zu widerlegen. Ihre mathematischen Modelle und Computersimulationen ließen aber nur einen Schluss zu: Es müsse Planet 9 geben und dieser nur noch gefunden werden.

Planet 9 müsste zehnfache Masse der Erde besitzen

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Planet 9 (gelb) würde die eher ovalen statt kreisrunden Umlaufbahnen einiger Objekte am Rande unseres Sonnensystems, dem Kuiper-Gürtel, erklären.

Die Suche stellt sich aber als schwieriger heraus, als man annehmen könnte, denn in dem Bereich wo Planet 9 vermutet wird, kommt kaum Sonnenlicht an. Der vermutete Himmelskörper müsste die fünf- bis zehnfache Masse der Erde haben und zwanzig Mal weiter von der Sonne entfernt sein als der Neptun. Um einmal um die Sonne zu kreisen bräuchte der vermutliche Eisriese 10.000 bis 20.000 Jahre. Bei seiner letzten Umrundung befanden wir uns also noch in der Steinzeit. 

Warten auf ein neues Teleskop

Die Sonne ist um 6 Grad zur Umlaufbahn der 8 Planeten geneigt. Ein Hinweis auf Planet 9?
Die Sonne ist um 6 Grad zur Umlaufbahn der 8 Planeten geneigt. Ein Hinweis auf Planet 9?
© NASA

Professor Batykin äußerte sich zur Suche: "Die Suche ist extrem schwierig, weil dafür viele Faktoren zusammenkommen müssen. Dazu gehört eine ruhige Atmosphäre und eine mondlose Nacht." Diese Nächte seien aber sehr selten. "Wir haben etwa 20 bis 25 Prozent des in Frage kommenden Bereiches abgesucht. Bei der Geschwindigkeit in der wir aktuell suchen, könnte es noch etwa eine Dekade dauern, bis wir Planet 9 finden", erzählt Batykin. Helfen könnte da das Large Synoptic Survey Telescope (LSST) das 2022 oder 2023 in Betrieb genommen werden soll. Das Spiegelteleskop wird Objekte und deren Orbit im Kuiper-Gürtel besser beobachten können.

Vielleicht ist er aber auch bereits mit den aktuellen Teleskopen gefunden worden. Das Weltraumteleskop "TESS" (Transiting Exoplanet Survey Satellite) der US-Raumfahrtorganisation Nasa könnte es "versehentlich" aufgenommen haben bei der eigentlichen Suche nach Exoplaneten. Die beiden Wissenschaftler Matthew J. Holman und Matthew J. Payne vom Harvard Smithonian Center for Astrophysics sowie András Pál von der Loránd Eötvös University in Budapest könnten es herausgefunden haben. So seien etliche Daten von "TESS" noch nicht ausgewertet, doch gleicht das immer noch der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen. Aber auch schon 2010 und 2011 hatte das Nasa-Weltraumteleskop "Wise", das mittlerweile "Neowise" heißt und Namensgeber des berühmten Kometen ist, erfolglos den Himmel abgesucht.

Handelt es sich bei Planet 9 um ein Schwarzes Loch?

Die Entdeckung von Planet 9 würde den beteiligten Forschern wohl einen Nobelpreis einbringen, doch bis es so weit ist, müssen wir uns wohl noch etwas gedulden. Schließlich finden wir nicht so häufig neue Planeten in unserem Sonnensystem. In den vergangenen 250 Jahren waren es mit Uranus (1781), Neptun (1846) und Pluto (1930) nur drei und letzterem ist der Planetenstatus wieder aberkannt worden.

Vielleicht handelt es sich bei dem hypothetischen Planeten auch um ein kleines Schwarzes Loch –ein sogenanntes primordiales Schwarzes Loch. Das zumindest halten die beiden Forscher Jakub Scholtz (Durham University) und James Unwin (University of California in Berkeley) für eine Möglichkeit. Wenn dem so ist, so sollte es dem neuen "Vera C. Rubin Observatory" in Chile in kürzester Zeit gelingen dieses vermutlich nur fünf Erdmassen große Objekt zu finden. Auch wenn ein Schwarzes Loch von dieser Größe wohl nur ein paar wenige Zentimeter groß sein würde, so sollte es zu finden sein, da es mehrmals jährlich Objekte in sich zieht. Professor Mike E. Brown mag daran noch nicht so recht glauben, wie sein Tweet dazu zeigt.

"Ja, Planet 9 könnte definitiv ein Schwarzes Loch sein, solange es die richtige Masse hat (6x die Masse der Erde). Tatsächlich könnte es sich auch um einen Hamburger mit sechs Erdmassen handeln. Die Physik kümmert sich nur um die Masse, nicht um die Zusammensetzung. Das heißt, Planet 9 ist wahrscheinlich weder ein Schwarzes Loch noch ein Hamburger", twitterte er.

Die Suche nach Planet 9 hat gerade erst begonnen

Milky way over mountains
Planet 9 zu finden ist keine leichte Aufgabe am Sternenbedeckten Himmel.
© passmil198216 - Fotolia

Was auch immer Planet am Ende wirklich ist, es bleibt spannend und die Suche nach der Nadel im Heuhaufen legt gerade erst an Fahrt zu. Ob Eisriese, Gesteinsplanet oder Schwarzes Loch, eines ist sicher, es wäre wohl die Entdeckung des 21. Jahrhunderts und würde unser Verständnis vom Sonnensystem nachhaltig verändern.

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