Retter nähern sich dem Jungen

Auf den letzten Metern zu Julen (2) - Grabung des Quertunnels geht nur langsam voran

25. Januar 2019 - 19:35 Uhr

Letzte Meter gehen schleppend voran

Die Bergung des im spanischen Totalán (Provinz Málaga) vermissten Julen befindet sich in der heißen Phase. Am späten Donnerstagnachmittag begannen Bergarbeiter damit, einen horizontalen Quertunnel zu graben, über den sie den Jungen erreichen wollen, der in einem 110 Meter tiefen Bohrloch vermutet wird. Tagelang verzögerten sich die Bergungsarbeiten. Auch auf den letzten Metern stocken die Bohrungen. Für Julens Eltern ist es ein Nervenkrieg.

75 Zentimeter fehlen noch

Können die Retter den kleinen Julen jetzt endlich bergen? Bereits seit dem 13. Januar läuft die riesige Bergungsaktion mit mehr als 300 Beteiligten. Für die Bohrung des notwendigen Quertunnels waren ursprünglich etwa 24 Stunden eingeplant worden. Doch nun zeichnet sich ab: Auch diese Zeitprognose wird voraussichtlich nicht eingehalten werden können. Bisher sind 3,5 Meter geschafft, 75 Zentimeter stehen noch offen. Insgesamt musste ein knapp vier Meter Tunnel gegraben werden - mit der Bohrung wurde jedoch schon am frühen Donnerstagabend begonnen.

Vor Ort in Totalán wird der Durchbruch zu dem Schacht - ein Erkundungsschacht, der für die Suche nach Wasser gebohrt wurde - fieberhaft erwartet. Dass Julen unmittelbar nach dem Durchbruch gefunden wird, ist ungewiss: Da bisher davon ausgegangen wird, dass sich das Kind in etwa 80 Metern Tiefe befindet, wurde der Quertunnel in dieser Tiefe angelegt. Nicht auszuschließen ist aber, dass der Junge doch noch weiter nach unten gerutscht ist. Dann könnte er sich bis zu 30 Meter unterhalb der Bohrung befinden, eine Bergung würde sich dann weiter verzögern. Ohnehin sind die Überlebenschancen des kleinen Jungen schon auf ein Minimum gesunken.

Mühsame Handarbeit unter schwierigsten Bedingungen

Grund für den schleppenden Verlauf der Bergung ist die schwierige Beschaffenheit der Gesteinsschichten: Weil der Felsen zwischen den beiden Schächten extrem hart ist, mussten bislang drei kleine Sprengungen durchgeführt werden, um den Boden zu lockern.

Unter der Erde arbeiten spezialisierte Bergarbeiter unter besonders schwierigen Bedingungen: In einer eigens angefertigten Eisenkapsel können immer nur maximal zwei Personen in den Schacht hinabgelassen werden. Dort arbeiten sie dann vorwiegend mit Spitzhacken und Presslufthämmern. Wegen der Enge können sie nur kniend oder liegend graben. Die insgesamt acht Männer wechseln sich alle 30 bis 40 Minuten ab.

Minenarbeiter machen ihren letzten wichtigen Job

"Die Minenarbeiter sind keine Helden, sondern Teil eines Teams bestehend aus Feuerwehrmännern und Beamten der Guardia Civil. Wir fühlen uns durch das mediale Spektakel etwas überwältigt", so Juan López-Escobar, der Vertreter der Ingenieure im Rettungsteam.

Es ist ihr letzter Job als Minenarbeiter. Aufgrund des Kohle-Abbaus in Spanien wurde auch ihre Mine geschlossen. Bis zuletzt hatten sie damit gerechnet, dass ihre Dienste nicht mehr gebraucht werden. Doch jetzt steckt die ganze Nation ihre Hoffnung in die Männer.