Auch Lammert nennt Massaker an Armeniern "Völkermord"

Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab
Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab
© dpa, Britta Pedersen

25. April 2015 - 10:31 Uhr

Bekenntnis zur deutschen Mitverantwortung

Nach Bundespräsident Joachim Gauck hat auch Bundestagspräsident Norbert Lammert die Massaker an den Armeniern vor hundert Jahren im Ersten Weltkrieg als "Völkermord" bezeichnet. Zum Auftakt einer Debatte im Bundestag sagte der CDU-Politiker: "Das, was mitten im Ersten Weltkrieg im Osmanischen Reich stattgefunden hat, unter den Augen der Weltöffentlichkeit, war ein Völkermord. Er ist nicht der letzte im 20. Jahrhundert geblieben."

Zugleich bekannte er sich zur deutschen Mitverantwortung am damaligen Geschehen. Das Deutsche Kaiserreich war seinerzeit enger Verbündeter des Osmanischen Reichs. Lammert fügte hinzu: "Umso größer ist die Verpflichtung, im Respekt vor den Opfern und in der Verantwortung für Ursache und Wirkung die damaligen Verbrechen weder zu verdrängen noch zu beschönigen. Wir Deutsche haben niemanden über den Umgang mit seiner Vergangenheit zu belehren. Aber wir können durch unsere eigenen Erfahrungen andere ermutigen, sich ihrer Geschichte zu stellen - auch wenn es schmerzt."

Der Opposition aus Linkspartei und Grünen geht die vorbereitete Erklärung des Bundestags zum Völkermord an Armeniern vor hundert Jahren nicht weit genug. Die Linke-Abgeordnete Ulla Jelpke warf der großen Koalition im Parlament vor, immer noch übertrieben Rücksicht auf die Türkei zu nehmen. Mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan müsse endlich "Klartext" geredet werden. Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte ebenfalls die bisherige Praxis der Bundesregierung, den Begriff Völkermord zu vermeiden.

Im Ersten Weltkrieg waren Armenier im Osmanischen Reich als vermeintliche Kollaborateure systematisch vertrieben und umgebracht worden. Nach Schätzungen kamen dabei zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord vehement ab.