Teils "vulgäre" Inhalte

Auch Facebook ließ Sprachnachrichten abhören und abtippen

© dpa, Fredrik von Erichsen, tha pzi wok nwi

14. August 2019 - 5:55 Uhr

Facebook hatte die Praxis stets bestritten

Nach Google, Apple und Amazon hat nun auch Facebook zugegeben, Sprachaufnahmen aus seinem Chatdienst Messenger abgehört und analysiert zu haben. Bisher hatte der Internet-Riese dies abgestritten. Die Praxis habe man aber inzwischen abgestellt, heißt es. 

Angeblich zu Zwecken der Qualitätssicherung

Whatsapp-Sprachnachrichten
"Hunderte" Beschäftigte haben sich offenbar Sprachnachrichten der Nutzer angehört.
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Facebook räumt ein, dass Nutzen betroffen gewesen seien, die die Transkriptions-Funktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, erklärte das Online-Netzwerk am Dienstag dem Finanzdienst Bloomberg. Aufgabe der Mitarbeiter sei gewesen, zu prüfen, ob die Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien anonymisiert worden. Die Praxis sei vor mehr als einer Woche gestoppt worden.

"Hunderte" Beschäftigte hätten bei externen Dienstleistern sich die Audioclips angehört, schrieb Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Sie seien im Unklaren darüber gelassen worden, unter welchen Umständen die Aufnahmen gemacht wurden und für welchen Zweck sie sie abtippen, hieß es. Die Unterhaltungen hätten zum Teil "vulgäre" Inhalte enthalten.

Für Facebook ist die Sache besonders heikel

In den vergangenen Wochen waren auch Amazon, Apple und Google in die Kritik geraten, weil sie Mitschnitte von Sprachassistenz-Software von Mitarbeitern auswerten ließen, ohne dass es den Nutzern bewusst war.

Für Facebook ist die Situation noch etwas heikler: Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netzwerks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu personalisieren. Als angeblicher Beleg werden Fälle genannt, in denen Anzeigen zu einer vorherigen Unterhaltung passen. Facebook wies den Vorwurf stets zurück, auch Gründer und Chef Mark Zuckerberg verneinte dies im Frühjahr ausdrücklich bei einer Anhörung im US-Kongress und sprach von einer "Verschwörungstheorie".

Das Menschen mithören, war nicht klar

Die Unternehmen holten sich bei den Nutzern pauschal die Erlaubnis, Daten zur Verbesserung des Dienstes zu nutzen. Dass dafür möglicherweise auch Sprachaufnahmen nicht nur von Software analysiert, sondern auch von Menschen gehört werden könnten, wurde dabei nicht ausdrücklich erwähnt. Bei Apple gab es zumindest einen Hinweis auf die Möglichkeit solcher Transkriptionen bei seiner Sprachassistentin Siri in einem Sicherheitsdokument für Entwickler. Der Text war für gewöhnliche Nutzer jedoch schwer zu finden.