Auch Babbel kann Rekorde – untenrum

Markus Babbel sitzt bei 1899 Hoffenheim auf dem Schleudersitz
© dpa, Caroline Seidel

17. Dezember 2019 - 11:39 Uhr

Hey, Babbel, du alte Keule,

komme gerade von einem ausgiebigen Waldspaziergang zurück und bin da über einen absteigenden Ast gestolpert. Und da hab ich an dich gedacht und wollte mich jetzt einfach mal wieder bei dir melden. Läuft ja grad nicht so mit deinem uninspirierten Haufen da, hm? Relegationsplatz, Schießbude der Liga, historischer Tiefstand. Während die Bayern mal da oben eben den Herbstmeisterschafts-Rekord aufgestellt haben, machst du das eben untenrum – tabellarisch gesehen.

Ehrlich gesagt, ich weiß selber gar nicht, was ich von dir halten soll. Dass Du gerne mal als moralischer Mahner auf und neben dem Platz auftrittst – kein Thema. Deine Affinität zu Heavy Metal – da weiß Gott (oder der Teufel?) nicht für. Aber was mir doch sehr auffällt, ist, dass überall, wo du arbeitest, nach einer Weile eitel Sonnenschein immer wieder dicke Quellwolken der Tragik aufziehen und man den Eindruck bekommt, das einzige Verbindungsstück zwischen dir und deinen Spielern ist letztlich nur ein Graben. Das war in Stuttgart so, bei der Hertha, und jetzt eben auch in Hoffenheim.

Ok, sportlich gesehen war es damals in Berlin ja noch nicht überlebensbedrohlich, aber das ganze Affentheater zwischen dir und Zwiegestalt Preetz kommt ja auch nicht einfach so vom Himmel gefallen, oder? Kann es sein, dass bei dir nach einem halben Jahr einfach immer irgendwo die Luft raus ist? Ich meine, jeder Trainer hat so seine speziellen Eigenschaften, hm?

Und dann standst du da gestern an der Seitenlinie und übtest dich ob des zwischenzeitlichen Treffers zum 1:1 in Contenance, weil du ja weißt, im Fußball, vor allem, wenn man die Hosen voll hat, kann es jederzeit wieder bergab gehen. Überdecktest deinen natürlichen Jubelreflex mit warnenden Handbewegungen, als müsse man eine Horde Kindergartenkinder beim Wandertag auf freier Wildbahn zur Ordnung fuchteln. Sei ehrlich, Babbel, du traust deiner eigenen Mannschaft nicht mehr über den Weg, nicht wahr? Oder gar dir selbst nicht?

Regieanweisungen zum Jubeln

Und dann sah man sie wieder, die Tragik in deinen Augen, die in den letzten zwei Monaten immer größer geworden zu sein scheint. Die Verzweiflung darüber, (wieder?) unverstanden zu sein, als dein nicht minder zwiegestalteter Manager Müller dir auch noch Regieanweisungen zum adäquaten Jubeln gab. Blieb selber schön mit dem Allerwertesten auf der Bank sitzen, aber war sich keineswegs zu schade, dich wie einen unmündigen Bub vor den Augen aller als überzogenen Pessimisten zu entblößen.

Stellt sich dann nach der achten Saisonpleite vor die Kamera und erklärt mit der Selbstverständlichkeit eines Menschen, der behauptet, niemand hätte die Absicht, eine Mauer zu errichten, dass du am Sonntag gegen Bremen NATÜRLICH auf der Trainerbank sitzt. Ein Treuebekenntnis, das während einer englischen Woche so viel Aussagekraft hat wie ein Heizpilz in der Wüste. Ach, Babbel, das ist doch alles kacke, oder?

Wie auch immer es für dich weitergeht, möge es für dich immer irgendwo eine Seitenlinie geben, an der du dich im rechten Licht des Fußballgeschäfts räkeln kannst. Und für die Zwischenzeit empfehle ich wärmstens Guns N'Roses. Nimm die Use Your Illusion I, Track 13 – da wirst du mit Sicherheit verstanden.

Schöne Grüße und nichts für ungut,

Dein Lippi