Organisierte Terrorzelle für Anschläge in Spanien verantwortlich

27. August 2017 - 12:54 Uhr

Haupttäter möglicherweise noch flüchtig

Die Terrorattacken in Spanien waren nach ersten Erkenntnissen der Polizei nicht das Werk von Einzeltätern, sondern einer organisierten Islamisten-Zelle. Der mutmaßliche Haupttäter des Anschlags in Barcelona wurde spanischen Medienbericht zufolge zunächst als tot erklärt, nun hat die Polizei allerdings Zweifel daran und fahndet weiter.

16 Tote - weitere Deutsche stirbt nach Terroranschlag

Die Herkunft der 16 Toten des Terroranschlags von Barcelona ist noch immer nicht völlig geklärt. Offiziell bestätigt sind bislang zwei Italiener, ein Amerikaner und eine Frau aus Belgien. Fünf Opfer seien noch nicht identifiziert, sagte ein Vertreter der katalanischen Regionalregierung bei der Ankunft von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. Nach seinem Besuch eines Krankenhauses in Barcelona teilte Gabriel mit, dass zwei deutsche Verletzte in Lebensgefahr schweben: Eine Frau mittleren Alters erlitt bei dem Anschlag schwere Kopfverletzungen und befindet sich in äußerst kritischem Zustand. Zudem liegt eine lebensgefährlich verletzte Jugendliche auf der Intensivstation. Insgesamt wurden 13 Deutsche bei dem Terroranschlag verletzt, einige von ihnen konnten die Krankenhäuser mittlerweile wieder verlassen.

Attacken sollen schon länger vorbereitet worden sein

Die Attentäter von Barcelona und Cambrils gehörten offenbar einer Terrorzelle an, berichtete 'El País' unter Berufung auf Anti-Terror-Experten. Bei der Durchsuchung der Wohnung des inzwischen getöteten Hauptverdächtigen stellten Polizisten fest, dass die Attacken wohl schon seit Längerem vorbereitet waren, wie der Polizeichef Trapero mitteilte.  

Die Ermittler ordneten der mutmaßlichen Terrorgruppe drei Vorfälle zu: Den schweren Anschlag mit einem Kleintransporter auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas am Donnerstagabend, bei dem 13 Passanten getötet wurden, einen vereitelten Angriff in der Küstenstadt Cambrils in der Nacht auf Freitag und die Explosion in einem Wohnhaus in der Ortschaft Alcanar, wo am Mittwoch in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben kam.

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Drei Mädchen aus NRW unter den Verletzten

Unter den rund 100 Verletzten bei dem Anschlag in Barcelona sind auch drei Jugendliche aus Oberhausen in Nordrhein-Westfalen. Es handelt sich um zwei 17-jährige und ein 14-jähriges Mädchen. Sie hatten nahe Barcelona auf einem Campingplatz an einer Jugendfreizeit des Christlichen Vereins Junger Menschen teilgenommen und einen Tagesausflug nach Barcelona gemacht. Die Mädchen seien auf der Flucht in der Panik verletzt worden, berichtete der Pressesprecher der evangelischen Kirche Oberhausen im Interview mit RTL. Die Verletzungen seien nicht lebensgefährlich, die Mädchen seien überwiegend wegen Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Terrorzelle sol auchl hinter Anschlägen von Barcelona und Cambrils stecken

Am Morgen nach dem Blutbad von Barcelona wurde in Ripoll, 100 Kilometer nördlich von Barcelona, ein vierter Verdächtiger festgenommen, berichtete 'El País' unter Berufung auf das katalanische Innenministerium.

In der Nacht hatte die Polizei in einem katalanischen Touristenort vermutlich eine zweite Terrorattacke verhindert. In der Stadt Cambrils, rund 100 Kilometer südwestlich von Barcelona, erschossen die Einsatzkräfte fünf mutmaßliche Terroristen. Sie sollen mit einem Lieferwagen auf dem Weg zur Strandpromenade voller Bars und Diskotheken gewesen sein. Möglicherweise wollten sie den Anschlag auf der Touristenmeile Las Ramblas in Barcelona nachahmen. Bei den Toten wurden Sprengstoffgürtel gefunden. Es waren allerdings Attrappen.

Frau stirbt nach Schusswechsel in Cambrils

Bei dem Einsatz starb eine Frau, sechs weitere Menschen wurden verletzt, einer davon schwer, teilte der katalanische Zivilschutz mit. Unter den Verletzten war ein Polizist. Spanischen Medien zufolge wurden die Täter in einem Wagen von der Polizei kontrolliert. Als dieser nach einer Verfolgung umgekippt sei, seien sie geflohen und dann niedergeschossen worden. Zuvor hätten sie noch Menschen angefahren.

IS reklamiert Anschlag in Barcelona für sich

Nach Angaben des IS-Sprachrohrs 'Amak' waren mehrere Täter an dem Anschlag beteiligt. Sie seien "Soldaten des Islamischen Staates", meldete 'Amak' unter Berufung auf nicht näher genannte Sicherheitsquellen. Sie hätten mit der Operation auf Aufrufe reagiert, die Staaten der "internationalen Koalition" anzugreifen. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle von 'Amak' im Internet verbreitet.

Reaktionen auf den Anschlag in Barcelona

Gedenken an die Opfer des Terroranschlags in Barcelona
Menschen sind auf dem Placa Catalunya zusammengekommen, um den Opfern des Terroranschlags von Barcelona zu gedenken.
© picture alliance

Politiker und Prominente aus Spanien und Deutschland reagierten empört auf den Anschlag und drückten den Opfern ihr Mitgefühl aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Terrorismus kann uns tief traurige Stunden bereiten. Aber besiegen kann er uns nie". Auch SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach von einem "bitteren Tag".

Auch die Fußballer Lionel Messi, der seit seinem 14. Lebensjahr für den FC Barcelona spielt und der aus Barcelona stammende Marc Bartra von Borussia Dortmund drückten ihr Mitgefühl aus. Weitere Reaktionen auf den Terror in Barcelona aus aller Welt sehen Sie im Video.