"Wer da war, hat eine Kugel gefangen"

Schüsse in Hanau: Zeugen berichten von einem Blutbad

22. Februar 2020 - 8:50 Uhr

Hanau: Täter schießt in Shisha-Bars und Kiosk um sich

Die ersten Schüsse in Hanau fielen in einer Shisha-Bar in Hanau Mitte, kurz darauf feuerte der Täter in einer weiteren Shisha-Bar in Hanau-Kesselstadt. Auch im benachbarten Kiosk "24/7" fallen Schüsse. "Wer da war, hat eine Kugel gefangen", berichtet Kenan Kocac, der Neffe des Kioskbesitzers. Im Video erzählen Zeugen, was sie beobachtet haben.

"Wie ein Amoklauf, überall Blut, überall lagen Menschen"

Tote durch Schüsse in Hanau
Tote durch Schüsse in Hanau
© dpa, Boris Roessler, brx hjb

Elf Tote und fünf Schwerverletzte hat die Polizei bisher bestätigt. Kenan Kocac bestätigt, dass unter den Toten zwei Mitarbeiter des Kiosks sind. Auch im Wagen vor dem Laden soll ein Mann erschossen worden sein, so sagt er. Vermutlich eine völlig unbeteiligte Person.

Nurhan Agits Töchter überlebten die Schießerei

Nurhan Agit
Nurhan Agits Töchter überlebten die Schießerei in Hanau, der Sohn einer Freundin kam aber ums Leben.
© RTL

Die Töchter von Nurhan Agit überlebten die Schießerei, wie die Mutter im RTL-Interview erzählt. Sie war die ganze Nacht auf den Beinen und ist weinend durchs Haus gelaufen. Sie fand nicht eher Ruhe, bevor sie ihre Kinder nicht in die Arme schließen konnte. "Das sollte keine Mutter auf der Welt erleben", meint sie. "Man ist in dem Moment selber tot."

Ihre Töchter stehen unter Schock, erzählt Agit. "Das einzige was sie sagen können: Sie haben viele Freunde verloren und es hätte uns auch treffen können", erzählt die Mutter. Auch der Sohn einer Freundin sei bei dem Angriff getötet worden. "Ich wollte es bis heute morgen, als ich die Bestätigung bekommen habe, auch nicht wahrhaben", erzählt sie.

Leiche des Täters lag in einer Wohnung

Den mutmaßlichen Täter fand die Polizei in der Nacht tot in einer Wohnung, in der noch eine weitere Leiche lag. Warum er in Hanau um sich schoss, ist bisher noch nicht klar. Die Ermittler haben bei der Durchsuchung der Wohnung ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden, das nun ausgewertet wird. Hinweise auf weitere Täter gibt es bisher nicht.

Nachbar Dieter Hog beobachtete den SEK-Einsatz vor dem Haus des Täters. Ein Hubschrauber sei über der Nachbarschaft gekreist und die Beamten seien vor dem Haus hin und her gerannt, erzählt er im RTL-Interview. Der einsatz habe bis weit in die Nacht gedauert. Er wohnt seit 35 Jahren in Kesselstadt. "Wenn das tatsächlich der Täter war und der wohnt direkt in der Nachbarschaft... das gefällt mir nicht so gut", sagte Hog. Es sei eine eigentlich ganz ruhige Wohngegend.