Für mehrere Minuten entkommen

Attentäter von Halle wollte fliehen

Haftprüfung - Tatverdächtiger von Halle
© dpa, Uli Deck, ude wst

04. Juni 2020 - 7:27 Uhr

Stephan B. kletterte über einen 3,40 Meter hohen Zaun

Der Attentäter von Halle hat versucht, aus dem Gefängnis auszubrechen und ist dabei seinen Aufsehern für mehrere Minuten entkommen. Stephan B. sei während eines Hofgangs an der frischen Luft am Samstag über einen 3,40 Meter hohen Zaun geklettert und habe sich rund fünf Minuten unbeaufsichtigt im Gefängnis Roter Ochse in Halle bewegt, teilte das Justizministerium am Mittwoch mit. Während dieser Zeit sei er in ein Gebäude auf dem Gefängnisgelände gelaufen, habe da aber nur verschlossene Türen vorgefunden, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Stephan B. muss eigentlich rund um die Uhr überwacht werden

Wie es zu dem Vorfall kam, war am Mittwoch zunächst unklar. Nach Angaben des Justizministeriums muss B., sobald er seine kameraüberwachte Zelle verlässt, ständig von mindestens zwei Aufsehern bewacht werden. Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) zeigte sich entsetzt und kündigte Konsequenzen an. Das Gefängnispersonal habe ganz offensichtlich Vorschriften verletzt, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. "Das muss Folgen haben". Den Vorfall bezeichnete die Ministerin als "furchtbar".

Linken-Politikerin: Blamage für Sachsen-Anhalt

Auch die Grünen forderten die Ministerin zur Aufklärung auf. Co-Parteichef Sebastian Striegel schrieb auf Twitter, er hoffe, dass das Ministerium Vorbereitungen treffe, den Rechtsausschuss des Landtages über den Vorgang zu informieren. "Das ist keine Lappalie", schrieb Striegel. "Die Betroffenen des Anschlags haben ein Recht darauf, den Angeklagten vor Gericht zu sehen." Dafür müsse das Land sorgen.

Die Linke forderte eine Sondersitzung des Rechtsausschusses im Landtag. "Die Tatsache, dass der Attentäter von Halle sich minutenlang unbeaufsichtigt in der Justizvollzugsanstalt aufhalten konnte, ist eine Blamage für Sachsen-Anhalt und wirft viele Fragen auf", teilte die rechtspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Eva von Angern, mit.

German special police escorts Stephan B., suspected of killing two people in a shooting in Halle October 9, 2019, as he arrives prior to a hearing at the Federal Court in Karlsruhe, Germany, October 10, 2019. REUTERS/Ralph Orlowski
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Halle-Attentat im Oktober 2019

Stephan B. hatte am 9. Oktober 2019 - am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur - schwer bewaffnet versucht, in die Synagoge in Halle einzudringen. Er schoss auf eine Holztür und warf Sprengsätze. Als es ihm nicht gelang, in die Synagoge einzudringen erschoss er auf der Straße eine 40 Jahre alte Frau.

Im Anschluss tötete er in einem nahen Döner-Imbiss einen 20 Jahre alten Mann. Der Attentäter filmte die Taten mit einer Helmkamera, seine Aufnahmen waren via Internet live zu sehen. Auf seiner Flucht verletzte er mindestens zwei Menschen. Die Polizei nahm ihn fest, als er mit einem Auto gegen einen Laster fuhr.

Der Prozess gegen den Attentäter von Halle soll im Juli starten.