Atomwende: E.ON will 10.000 Stellen streichen

06. August 2011 - 21:49 Uhr

Bericht: Jeder zehnte Job in Gefahr

Energieriese E.ON will als Konsequenz aus dem beschleunigten Atomausstieg offenbar jede zehnte Stelle streichen. Deutschlands größter Stromkonzern erwäge den Abbau von bis zu 10.000 Stellen weltweit - mehr als zehn Prozent der gesamten Belegschaft, berichtete die 'Süddeutsche Zeitung'.

E.ON will 10.000 Stellen streichen
Atomkraftwerke sind in Deutschland in wenigen Jahren Geschichte - zum Leidwesen der Stromkonzerne.
© dpa, Daniel Karmann

Möglicherweise werde der Aufsichtsrat bereits auf seiner Sitzung Anfang der Woche über entsprechende Szenarien informiert. Damit würde der Sparkurs und Umbau des Konzerns viel härter ausfallen als bisher bekannt. Zuletzt war in Medienberichten nur von der Streichung einiger hundert Stellen die Rede.

Der Arbeitsplatzabbau könne alle Bereiche und Regionen des Konzerns betreffen, berichtete das Blatt unter Berufung auf Gewerkschaftskreise. Etwa ein Drittel der Stellenstreichungen könnte dabei auf Deutschland entfallen. Die schlimmsten Szenarien gingen von einer fünfstelligen Zahl betroffener Jobs aus. Ein Personalabbau im vierstelligen Bereich gelte bereits als wahrscheinlich.

Stellenabbau: E.ON schweigt

Der Düsseldorfer Konzern äußerte sich gegenüber dem Blatt nicht dazu. "Infolge der erheblich veränderten Rahmenbedingungen prüft E.ON derzeit mögliche Anpassungen der Strategie und der Aufstellung des Unternehmens", sagte ein Sprecher lediglich. "Entscheidungen sind noch nicht gefallen."

Insgesamt hat E.ON in Deutschland rund 35.000 Mitarbeiter. E.ON legt in der kommenden Woche Zahlen zum zweiten Quartal vor. Analysten rechnen mit einem Gewinneinbruch und einer Rücknahme von Prognosen.

Dem Konzern macht die Abschaltung seiner ertragsreichen Atomkraftwerke Isar 1 und Unterweser zu schaffen. Im Gasgeschäft, in dem Ruhrgas jahrelang für Milliardengewinne sorgte, leidet E.ON unter ungünstigen Verträgen mit Lieferanten wie dem russischen Konzern Gazprom. Nach einer Einkaufstour unter Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat lastet auf dem Unternehmen zudem ein milliardenschwerer Schuldenberg.