Atomdeal aufgekündigt: Droht im Nahen Osten ein neuer Flächenbrand?

Krieg in Syrien (Archivbild)
Krieg in Syrien (Archivbild)
© dpa, Uncredited, BH wal

11. Mai 2018 - 11:45 Uhr

Angst vor Eskalation der Lage in Syrien

Die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Iran auf syrischem Boden haben weltweit Besorgnis ausgelöst. Und Angst vor einer Eskalation im Nahen Osten.

Kämpfe auf dem diplomatischem Parkett und den Golanhöhen

Nur wenige Tage nach der einseitigen Aufkündigung des Iran-Atomdeals durch die USA offenbart sich dort eine Situation, die kaum noch zu kontrollieren scheint. Eine Auseinandersetzung findet auf dem diplomatischen Parkett statt, während sich in Syrien der bewaffnete Konflikt verschärft.

Iran gilt als einer der wichtigsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und als einer der ärgsten Feinde Israels. Israel befürchtet, dass sich der Iran bei einem Sieg Assads im Bürgerkrieg in Syrien militärisch etablieren könnte. Dann wäre Israel einer Bedrohung von drei Seiten ausgesetzt: Gaza, Iran in Syrien und Hisbollah im Libanon (die kämpft ebenfalls an der Seite Assads).

Israel hat es bisher vermieden, im Syrien-Konflikt, eindeutig Partei zu ergreifen, will aber das Iran-Szenario auf jeden Fall verhindern. Das Dilemma allerdings ist, dass - im Falle einer Niederlage Assads - radikale Islamisten die Macht in Syrien ergreifen könnten, was für den jüdischen Staat ebenso eine Bedrohung darstellen würde.

Israel griff diese Woche einmal mehr in die kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien ein, da es laut Angaben seines Armeesprechers Jonathan Conricus auf iranische Aktionen reagierte, die gegen die von Israel besetzten und beanspruchten Golanhöhen gerichtet waren. Aufgrund des Engagements des Irans in Israel befürwortet die Regierung in Tel-Aviv den Ausstieg der USA aus dem Iran-Atomdeal.

Ist der Deal noch zu retten?

Heiko Maas, Sergej Lawrow
Außenminister Maas und Lawrow in Moskau: Irgendwie das Abkommen retten.
© REUTERS, SERGEI KARPUKHIN, EI

Die Europäer und Russland hingegen wollen das Abkommen aufrechterhalten. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach deswegen mit Irans Präsidenten Hassan Ruhani darüber, wie man den Deal noch aufrechterhalten kann. Bundesaußenminister Heiko Maas traf sich in Moskau mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. Der forderte, die aktuellen israelisch-iranischen Spannungen im Dialog zu lösen.

Durchweg äußerten alle ihre Besorgnis über die jüngsten Entwicklungen. Merkel warnte angesichts des militärischen Schlagabtausches in Syrien, es gehe "wahrlich um Krieg und Frieden". UN-Generalsekretär António Guterres rief die Konfliktparteien im Nahen Osten zu einem sofortigen Ende der Feindseligkeiten auf und warnte vor einem "neuen Flächenbrand" in der Region.

Die Zukunft des Deals ist mehr als fraglich: "Ohne die Amerikaner geht es nicht", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags, Norbert Röttgen (CDU) dem 'Focus'. Immerhin: Die USA wollen neu verhandeln.