Polizist droht Todesstrafe

Mordanklage nach Tod eines Schwarzen in Atlanta

Screenshot aus einem von der Atlanta Police Department bereitgestellten Körperkamera-Video. Links Rayshard Brooks rechts Polizist Garrett Rolfe
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18. Juni 2020 - 11:50 Uhr

Erschossener war nicht aggressiv, wirkte "fast schon fröhlich"

Nach dem Tod von Rayshard Brooks nach einem Polizeieinsatz in Atlanta droht einem der beteiligten Beamten die Todesstrafe. Die Staatsanwaltschaft klagte Garrett Rolfe unter anderem wegen Mordes an. Er habe übermäßige Gewalt angewendet, sagte Staatsanwalt Paul Howard in der Metropole im US-Bundesstaat Georgia. Darauf steht im Falle einer Verurteilung lebenslange Haft ohne Bewährung oder gar die Todesstrafe.

Rayshard Brook stellte keine Bedrohung dar

Rayshard Brooks' widow Tomika Miller is comforted by attorney Justin Miller while addressing the media Wednesday, June 17, 2020, in Atlanta, after learning new details of her husband's death. The Fulton County District Attorney Paul Howard had just a
Rayshard Brooks' Witwe Tomika Miller wird vom Rechtsanwalt der Famiie getröstet.
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Brooks war am Freitagabend am Steuer seines Wagens eingeschlafen, als er in der Schlange an einem Schnellrestaurant wartete. Polizisten stellten fest, dass er zuviel getrunken hatte und wollten ihn festnehmen. Es kam zu einem Handgemenge, Brooks griff nach dem Elektroschockgerät eines Beamten und floh. Einer der beiden Polizisten feuerte Schüsse ab, die ihn im Rücken trafen und tödlich verletzten. 

Video: Rayshard Brooks von Polizei erschossen

Brooks habe in mehr als 40 Minuten der Unterhaltung mit den Beamten "niemals irgendein aggressives Verhalten gezeigt" oder eine Bedrohung dargestellt, sagte Staatsanwalt Howard. Sein Verhalten sei kooperativ und "fast schon fröhlich" gewesen.

Polizist: "Ich habe ihn erwischt"

A demonstrator holds up a fist during a protest against racial inequality and the police shooting death of Rayshard Brooks, in Atlanta, Georgia, U.S June 17, 2020.REUTERS/Goran Tomasevic
In den Vereinigten Staaten kommt es set Wochen zu Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus.
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Nachdem der Mann nach den Schüssen zu Boden ging, habe der nun angeklagte Polizist Brooks zusätzlich getreten. Über zwei Minuten, während er um sein Leben kämpfte, habe sich niemand um den 27-Jährigen gekümmert. Eine Kugel des Polizisten hatte Brooks demzufolge ins Herz getroffen. In einer ersten Aussage habe der Polizist danach "ich habe ihn erwischt" gesagt.

Nach Howards Angaben wurde auch der zweite beteiligte Polizist angeklagt, unter anderem wegen schwerer Körperverletzung. Er hatte sich auf die Schultern des Sterbenden gestellt, wie auf Aufnahmen zu sehen gewesen sei. Für die Anklagen hatten die Ermittler nach eigenen Angaben acht Videos, darunter die Körperkameras der Polizisten, ausgewertet.

Anhaltende Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus

 June 12, 2020, Atlanta, Georgia, USA: This screen grab taken from body camera video provided by the show the officers approaching RAYSHARD BROOKS in his car, which was parked in a Wendy s drive-in lane, and asking him to move it. Brooks was later sh
Rayshard Brooks war am Steuer seines Wagens eingeschlafen
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Der Anwalt von Brooks Familie befürwortete die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. "Das ist aber erst der erste Schritt. Schritt zwei ist die Verurteilung in allen Anklagepunkten". Witwe Tomika Miller meldete sich nur kurz und sichtlich emotional zu Wort. Sie sei sehr verletzt. "Vatertag steht vor der Tür und alles, woran ich denken kann ist, was wäre, wenn mein Mann noch hier wäre." Brooks Tochter war am Samstag acht Jahre alt geworden.

Der Tod des 27-Jährigen nach dem Einsatz hatte die landesweiten Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA nach dem Fall George Floyd in Minneapolis weiter angeheizt.

Brooks starb weniger als drei Wochen, nachdem der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Bundesstaat Minnesota getötet wurde. Floyds Schicksal hat anhaltende Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus ausgelöst.

Minneapolis: George Floyd wehrte sich nicht