"Asyltourismus" und "Anti-Abschiebe-Industrie" – FDP-Chef Christian Lindner warnt vor "Pegida-Vokabular"

30. Juli 2018 - 7:13 Uhr

"Wir laufen Gefahr, in einer vertrumpten Demokratie zu leben"

Die Diskussion ist in vollem Gange: Rassismus und Integration in Deutschland. Nach Özils Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft ist die Debatte längst nicht vom Tisch. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat Inhabern höchster Staatsämter in Deutschland "Pegida-Vokabular" vorgeworfen. Konkrete Namen nannte er zwar nicht, aber "wir laufen Gefahr, in einer verprollten, vertrumpten Demokratie zu leben", sagte Lindner der "Bild am Sonntag".

Lindner kritisiert Verrohung der Sprache

"Zugleich wird völkisches und autoritäres Denken salonfähig. Dagegen muss man sich wehren." Zuletzt waren Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wegen des Begriffs "Asyltourismus" und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wegen des von ihm geprägten Wortes von der "Anti-Abschiebe-Industrie" in die Kritik geraten.

"Leider schießen die Berufsempörten der Republik dabei oft so über das Ziel hinaus, dass sie das Gegenteil erreichen." Wer reale Probleme bei der Zuwanderung anspreche, werde "von linken Trollen in sozialen Medien als Rassist gebrandmarkt".

"Viele Tabus wurden gebrochen"

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, sagte, in den vergangenen Jahren seien "viele Tabus in den Bereichen Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und Rassismus gebrochen und damit Grenzen überschritten" worden. "Wir stehen in der Pflicht, entschlossen den Kampf gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Diffamierung aufzunehmen."

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Viele finden, dass Rassimus in Deutschland zugenommen hat

Eine Mehrheit der Deutschen findet einer Emnid-Umfrage zufolge, dass Rassismus in den vergangenen zehn Jahren zugenommen hat. Ebenfalls eine Mehrheit hält Deutschland jedoch bei der Integration von Zuwanderern für erfolgreich. Zwar sagten nur vier Prozent, dass Deutschland sehr erfolgreich sei, 48 gehen aber davon aus, dass Deutschland eher erfolgreich bei der Integration ist. Eher erfolglos sagten 35 Prozent und völlig erfolglos acht Prozent.

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