2018 M07 2 - 20:26 Uhr

"Ein Entgegenkommen von mir" - Seehofer will noch mal mit Merkel sprechen

Die gute Nachricht beim Start in die Woche: Wir haben noch eine Regierung. Die schlechte: wir wissen nicht, wie lange noch. Im Unionsstreit um die Flüchtlingspolitik hat Horst Seehofer zwar am späten Sonntagabend seinen Rücktritt als CSU-Chef und Bundesinnenminister angekündigt, später aber dann doch noch (vorerst) zurückgenommen. "Ein Entgegenkommen von mir", wie es der 68-Jähriger bezeichnete. Und jetzt?

Pokerspiel geht doch noch in die nächste Runde

​"Ich habe ja gesagt, dass ich beide Ämter zur Verfügung stelle", setzte Seehofer an, nachdem er und seine CSU-Parteikollegen stundenlang beraten hatten. "Und dass ich das in den nächsten drei Tagen vollziehe, dass wir jetzt aber noch mal einen Zwischenschritt einlegen, zu einer Verständigung mit der CDU."

Bedeutet das, dass Seehofer nicht zurücktritt, wenn die CDU seinen Plänen zustimmt, bestimmte Asylbewerber an der Grenze zurückzuweisen? "Ich hoffe, dass dies gelingt", sagt er klar. Kanzlerin Merkel machte er indes schwere Vorwürfe: "Ich lasse mich nicht von einer Kanzlerin entlassen, die nur wegen mir Kanzlerin ist", sagte er am Montagnachmittag der "Süddeutschen Zeitung".

Kompromiss für CDU weiter möglich

Und was sagt die Kanzlerin? "Mir geht es um die Sache, Horst Seehofer hat ein Anliegen, da sind wir einer Meinung, es geht jetzt nur um den Weg. Und das möchte ich auf dem europäischen Weg machen", so die CDU-Chefin.

Grundsätzlich sieht ihre Partei nach wie vor Spielraum für einen Verhandlungskompromiss im Streit mit der CSU. "Wir wünschen uns eine Einigung auf ein gemeinsames Vorgehen", bekräftigte die Christdemokraten nach einer einer etwa eineinhalbstündigen Vorstandssitzung in Berlin am Montagmorgen.

Ob eine Einigung in letzter Minute noch gelingt, das soll ein Treffen von Spitzenvertretern von CDU und CSU am Montagabend in Berlin zeigen. Für 22:00 Uhr ist außerdem eine Tagung des Koalitionsausschusses der GroKo-Parteien geplant.

Einsätze sind hoch, wer gewinnt, noch unklar

Parteiintern soll Merkel gesagt haben: Wenn Deutschland jetzt an der Grenze zurückweise, brauche sie sich auf europäsicher Ebene nicht mehr blicken zu lassen. Also: Seehofer droht mit Rücktritt, Merkel mit einer Schwächung Deutschlands in Europa - die Einsätze sind hoch, und wer gewinnt, ist zumindest zum Start in die neue Woche weiter offen.