Asylpolitik: Was hält Menschenwürde aus?

22. Oktober 2013 - 8:31 Uhr

Symbolisches Dilemma an Deutschlands Wahrzeichen

Knapp 30 Flüchtlinge kämpfen zurzeit an Deutschlands berühmtesten Wahrzeichen, dem Brandenburger Tor, offensiv und kompromisslos mit Mahnwache und Hungerstreik für Asyl in Deutschland. Es ist nur ein kleiner Teil der Menschen, die auf ein besseres Leben in Deutschland hoffen, aber sie geben dem Dilemma ein Gesicht.

Asylpolitik: Was hält Menschenwürde aus?
Flüchtlinge am Brandenburger Tor: Sanitäter im Einsatz
© dpa, Hannibal Hanschke

Auf der einen Seite stehen die Menschen, die aus verschiedensten Gründen nicht mehr in ihrer Heimat leben können. Sie sind verzweifelt und bereit für ihren Kampf zu sterben und üben so mit ihrem Leben Druck auf die andere Seite, die Regierung in Berlin aus.

Diese hat die Macht, das Elend der Flüchtlinge sofort zu beenden, würde sich aber damit in eine aus ihrer Sicht geschwächte Position manövrieren, sich politisch 'erpressbar' machen. Eine Lage, die eine Regierung auf jeden Fall vermeiden will, denn schließlich will sie das Heft des Handelns in den Händen behalten.

Die offizielle Bezeichnung für das, was die Flüchtlinge am Brandenburger Tor ist 'Mahnwache'. Deshalb dürfen sie sich dort aufhalten. Aber sie dürfen sich keine Zelte bauen, sonst wäre es ein Lager und damit verboten. Somit haben sie keinen Schutz vor Kälte und Nässe. Aber so bekommen sie maximale Aufmerksamkeit.

Aber auch das Problem der Flüchtlingspolitik bekommt so Aufmerksamkeit. Deutschland, Europa und der Welt wird vor Augen geführt, dass es da ein großes Problem gibt, dessen Lösung man nicht habhaft wird.

Es ist schön für die 5.000 Kriegsflüchtlinge aus Syrien, dass sie in Deutschland aufgenommen werden. Allerdings sind 2.000.000 Menschen auf der Flucht aus Syrien. Wenn ein Land 5.000 Flüchtlinge aufnimmt, braucht es insgesamt 400 Länder, um alle aufzunehmen. Am Ende ist aber jeder einzelne Flüchtling auf dieser Welt ein Mensch, der nicht wie ein Gegenstand hin und her geschoben werden kann, sondern eine menschenwürdige Behandlung verdient. Genau wie die Menschen, die das Privileg haben, ihre Heimat und ihr zuhause nicht verlassen zu müssen. Diese Würde verdient eine angemessene Lösung der Politik.