Asylbewerber verhindern Abschiebung: Polizei fasst gesuchten 23-Jährigen bei Razzia in Ellwangen

3. Mai 2018 - 20:59 Uhr

Polizei musste Abschiebung in Ellwangen abbrechen

Afrikanische Asylbewerber haben in Baden-Württemberg die Abschiebung eines 23-Jährigen aus Togo mit Gewalt verhindert. Die Polizei kam nachts in die Erstaufnahmestelle in Ellwangen, um den Mann abzuholen. Die Beamten mussten ihren Einsatz aber abbrechen, weil die Situation für die Streifenwagenbesetzungen zu gefährlich wurde. Der Vorfall ereignete sich bereits am 30. April. Drei Tage später rückte die Polizei zu einer großangelegten Razzia an und fasste den Togolesen in der Flüchtlingsunterkunft. Er wurde in Abschiebehaft genommen. Drei Asylbewerber und ein Polizeibeamter wurden bei dem Einsatz verletzt und ins Krankenhaus gebracht.

Polizei ist schon wieder in Ellwangen im Einsatz

Verletzte bei Polizeieinsatz in Ellwangen
Bei dem Polizeieinsatz im Flüchtlingsheim in Ellwangen wurden mehrere Asylbewerber verletzt.
© dpa, Stefan Puchner, puc kno

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sprangen Flüchtlinge aus den Fenstern der Flüchtlingsunterkunft und verletzten sich dabei. Auch mehrere Polizisten erlitten leichte Blessuren, konnten ihren Dienst aber fortsetzen. Die Beamten sind mit mehreren Dutzend Mannschaftsbussen vor Ort. Die Straßen wurden weiträumig abgesperrt. Außerdem hält sich die Polizei mit weiteren Kräften in Bereitschaft.

Die Polizei ging offenbar auch Hinweisen auf Waffen nach. Die Asylbewerber hatten angedroht, sich gegen einen erneuten Polizeieinsatz zu rüsten. Die Beamten wollten verhindern, dass sich "rechtsfreie Räume" bilden, darum startete die Polizei diesmal eine groß angelegte Razzia. Die Situation sei "sehr angespannt, sehr aufgeheizt", berichtete Einsatzleiter Peter Hönle.

Mehrere Männer wurden in der Unterkunft in Gewahrsam genommen, wie Zeugen beobachteten. Später wurde mindestens ein Mann in einem Gefangenentransporter an einen anderen Ort gebracht. Ob es sich dabei um den 23-jährigen Mann aus Togo handelt, sagte die Polizei nicht. Man werde aber später "Aussagen zu dem Togolesen" machen können, erklärte der Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen, Bernhard Kohn.

"Sie waren so aggressiv und drohten uns immer deutlicher"

Am 30. April hatte die Polizei versucht, den 23 Jahre alten Togolesen festzunehmen, musste den Einsatz aber abbrechen. Unterstützung durch andere Polizeikräfte sei nicht in Sicht gewesen, da die Organisation und Anfahrt dafür mehrere Stunden gedauert hätte, hieß es. Zunächst hätten sich rund 50 Bewohner der Einrichtung mit dem Abzuschiebenden solidarisiert, erklärte das zuständige Polizeipräsidium in Aalen. "In der weiteren Folge rotteten sich rund 150 mutmaßliche Flüchtlinge zusammen", heißt es in der Mitteilung.

Die Migranten umringten laut Zeugen die Streifenwagen und bedrängten die Polizisten. "Sie waren so aggressiv und drohten uns immer deutlicher, sodass wir den Mann (...) zurücklassen und uns bis zur LEA-Wache zurückziehen mussten", beschrieb ein beteiligter Polizist die Lage. Die Migranten schlugen auch gegen die Polizeiautos, die dadurch beschädigt worden seien.

Dann stellten die Migranten den Beamten ein Ultimatum: Die Polizei müsse dem Togolesen binnen zwei Minuten die Handschellen abnehmen, andernfalls würden sie die Pforte stürmen. Daraufhin entschied die Polizei den Schlüssel herauszugeben. Der 23-Jährige soll daraufhin untergetaucht sein.

"Das Recht wird durchgesetzt werden"

Polizeieinsatz in der Asylunterkunft in Ellwangen
Die Polizei rückte zu einem neuen Einsatz in der Flüchtlingsunterkunft in Ellwangen aus.
© dpa, Stefan Puchner, puc kno

Die Polizei hätte ihre Ziele in dieser Nacht auch mit Gewalt durchsetzen können, wie der Vizepräsident des Polizeipräsidiums Aalen, Bernhard Weber, sagte. Die Straftatbestände Gefangenenbefreiung und Landfriedensbruch hätten ein gewaltsames Vorgehen rechtfertigt, führte er aus. "In einer so aggressiven und gewaltbereiten Ausnahmesituation den kühlen Kopf bewahrt zu haben, da kann ich meinen Kollegen nur großen Respekt zollen", sagte Weber laut Mitteilung. "Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn es zur Eskalation gekommen wären", sagte Weber

Die Polizei schließt demnach nicht aus, dass sich die Bewohner in einer emotional angespannten Situation und der entstandenen Gruppendynamik zu Straftaten hinreißen lassen. Eine aggressive Menge könne die Polizei aber nicht von der Durchsetzung rechtsstaatlichen Handels abbringen. "Das Recht wird durchgesetzt werden, dafür stehen wir", so Weber. Landespolitiker von Grünen, AfD und FDP fordern die Bestrafung der beteiligten Asylbewerber.

Quelle: DPA, RTL.de