Assange fürchtet Verschleppung nach Guantanamo

© dpa, Andy Rain

12. Januar 2011 - 13:51 Uhr

Angst vor Folter und Tod

Das Schicksal als australischer, Fußfessel tragender, auf Kaution freigelassener US-'Staatsfeind', zurzeit wohnhaft auf dem Anwesen eines Freundes in Südostengland, scheint an Wikileaks-Gründer Julian Assange zu nagen: "Ehrlich gesagt wäre ich nicht gegen etwas mehr Sonne und mehr Freiheit. Ich reise gern, ich fühle mich also ein bisschen wie ein Vogel im Käfig", sagte der weltreisende Enthüllungsjournalist vor seiner gerichtlichen Anhörung in London.

Dort wird ein Gericht am 7. und 8. Februar über die Auslieferung Assanges nach Schweden entscheiden, wo er sich wegen sexuellen Missbrauchs verantworten soll. Diese Auslieferung will Assange mit allen Mitteln verhindern, weil er Angst hat, dass seine Reise dort noch nicht zu Ende ist. Er fürchtet eine Verschleppung aus Schweden in die USA, die Haft in Guantanamo, Folter und den Tod. So argumentierten seine Anwälte bei der Anhörung

Schweden wirft dem 39 Jahre alten Australier vor, zwei Frauen sexuell missbraucht zu haben. Er soll im August Sex mit beiden gehabt und sich geweigert haben, ein Kondom zu benutzen. Eine der beiden Frauen soll geschlafen haben, während Assange den Sex mit ihr begann, er soll auch Gewalt angewandt haben. Der Australier bestreitet alle Vorwürfe.

Die Assange-Anwälte werfen der Göteborger Staatsanwältin Marianne Ny vor, den EU-weiten Auslieferungshaftbefehl mit der Absicht erlassen zu haben, Assange in Schweden zu vernehmen - nicht zwangsläufig, um ihn anzuklagen. Dies sei nicht verhältnismäßig. Eine Vernehmung könne auch in Großbritannien arrangiert werden.

Die Auslieferung nach Schweden berge das Risiko einer weiteren Auslieferung oder 'illegalen Verschleppung' in die USA. Dort sei weder Folter noch Todesstrafe ausgeschlossen. Ferner warfen die Verteidiger um den Londoner Anwalt Mark Stephens der schwedischen Justiz vor, für Assange entlastende SMS-Nachrichten der angeblichen Opfer verheimlicht zu haben. Darin sei von "Revanche" die Rede und von "viel Geld machen".

Wikileaks macht weiter und braucht Geld

Assange kündigte nach dem Gerichtstermin an, die Arbeit von Wikileaks fortsetzen zu wollen. Die Veröffentlichung von insgesamt 250.000 diplomatischen Depeschen laufe in Zusammenarbeit mit "großen und kleinen Zeitungen" weiter. "Das wird in Kürze passieren", sagte der Internet-Rebell. Die Plattform steckt jedoch in finanziellen Schwierigkeiten und macht nach Angaben von Assange wöchentlich knapp 500.000 Euro Verlust.

Parallel zu dem Strafverfahren in Schweden wird nach Medienberichten in den USA eine Anklage gegen Assange vorbereitet. Wikileaks hatte in den vergangenen Monaten zehntausende Dokumente zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak sowie den Inhalt vertraulicher diplomatischer Depeschen veröffentlicht. Dies hatte vor allem die USA in Erklärungsnot gebracht. Die US-Justiz soll von Internetdienstleistern wie Twitter bereits die Herausgabe von Daten verlangt haben.

Dies wiederum sorgt für Verstimmungen in den Beziehungen zwischen den USA und Island. Ein Bundesgericht im US-Staat Virginia soll Twitter aufgefordert haben, Informationen über Wikileaks-Unterstützer zu übergeben. Davon soll auch eine isländische Parlamentsabgeordnete betroffen sein. Das isländische Außenministerium bestellte deswegen den amerikanischen Botschafter ein.

Außenminister Ossur Skarphedinsson hatte am Wochenende in einem Rundfunkinterview von einem "inakzeptablen Verhalten einer ausländischen Behörde" gesprochen.