Aschaffenburg: Vergewaltigung und versuchter Mord – 30 Jahre später beginnt der Prozess

22. Mai 2018 - 16:31 Uhr

55-Jährigem wird in Aschaffenburg der Prozess gemacht

30 Jahre ist es her, dass eine Frau aus dem Raum Offenbach in einem Wald vergewaltigt und fast erstochen wurde. Die Polizei konnte durch DNA-Spuren den mutmaßlichen Täter ermitteln. Heute beginnt der Prozess gegen den mittlerweile 55-Jährigen vor dem Landgericht Aschaffenburg.

Er hielt sein Opfer für tot und verscharrte die Frau im Wald

22.05.2018, Bayern, Aschaffenburg: Der Angeklagte (M) wird in den Gerichtssaal geleitet. Dreißig Jahre nach der Tat steht der 55 Jahre alte Mann wegen versuchten Mordes vor Gericht. Er soll 1988 eine junge Frau aus dem Raum Offenbach erst stundenlang
Aschaffenburg: Der Angeklagte (M) wird in den Gerichtssaal geleitet.
© dpa, Nicolas Armer, nar cul

Es war der absolute Horror für die damals 22-jährige Ursula S. Sie wollte nach einem Abend in der Disko in Aschaffenburg mit dem Auto nach Hause fahren. Ein Mann überfiel sie und zwang sie, in einen Wald in der Nähe von Offenbach zu fahren. Dort vergewaltigte er die Frau stundenlang. Danach soll der damals 26-jährige Jürgen R. immer wieder mit einem Schraubenzieher auf sie eingestochen haben. In dem Glauben, sein Opfer sei tot, soll er Ursula S. im Wald verscharrt haben. Aber sie konnte sich zu einer Straße retten, wo sie von Autofahrern entdeckt wurde. Der Fall war lange ungeklärt.

DNA-Spur führte Polizei zum mutmaßlichen Täter

22.05.2018, Bayern, Aschaffenburg: Der vorsitzende Richter Volker Büchs (2.v.l.), die beisitzenden Richter Andreas Hartl (2.v.r.) und Sebastian Geis (l) betreten zusammen mit dem Schöffen Wolfang Buchner den Gerichtssaal. Dreißig Jahre nach der Tat s
Der Vorsitzende Richter Volker Büchs (2.v.l.), die beisitzenden Richter Andreas Hartl (2.v.r.) und Sebastian Geis (l) mit dem Schöffen Wolfang Buchner.
© dpa, Nicolas Armer, nar cul

Regelmäßig überprüft die Polizei ältere, nicht aufgeklärte Fälle. Mit Hilfe von neuster Technik oder anderen Ansätzen wird nach bisher unbekannten Beweisen gesucht – so auch in diesem Vergewaltigungsfall von Januar 1988. Die Ermittler entdeckten tatsächlich eine DNA-Spur. Sie ließen sie durch die Datenbank laufen und landeten beim jetzt Angeklagten einen Treffer.

Jürgen R. wurde bereits 2005 in einem anderen Fall wegen Vergewaltigung verurteilt. Deswegen war seine DNA-Spur in der Datenbank der Polizei gespeichert. Der 55-jährige Deutsche wurde im Herbst 2017 festgenommen. Er hat die Vergewaltigung gestanden; den Mordversuch bestreitet er allerdings.

Am ersten Verhandlungstag soll auch das Opfer der brutalen Tat als Zeugin aussagen.

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Die Vergewaltigung ist bereits verjährt

Der Mann ist wegen versuchten Mordes angeklagt, denn die Vergewaltigung ist bereits seit 2008 strafrechtlich verjährt. Die Vergewaltigung könnte bei einer Verurteilung trotzdem eine Rolle spielen. Die brutale Tat kann beim Strafmaß berücksichtigt werden, wenn die Richter es als erwiesen ansehen, dass der Angeklagte die Vergewaltigung durch den Mordversuch vertuschen wollte.