Artenschutzkonferenz in Südafrika: Das Schicksal Tausender Blutlöwen steht auf dem Spiel

29. September 2016 - 10:45 Uhr

„Es ist doch recht teuer, einen Löwen zu jagen“

Man muss buchstäblich ans Ende von Südafrika fahren, um den Österreicher Bernd Plasil zu finden. Der Auswanderer lebt in ernsthaftem Jagdgebiet. Hinter Wildtierzäunen versteckt findet sich eine Lodge nach der anderen. Wer sich dort einmietet, der hat Geld und ist auf Trophäen aus, vor allem auf Büffel, Nilpferde und Löwen. Die Löwenjäger kommen meist aus Amerika, weiß der Österreicher. "Es ist doch recht teuer, einen Löwen zu jagen", erklärt Plasil. Um die 30.000 Dollar müssen Touristen hinblättern, wenn sie einen Löwen vor die Flinte bekommen wollen.

Plasils Grundstück grenzt direkt an eine der größten Löwenfarmen Südafrikas. Die Tiere dort werden extra für die Jagd gezüchtet; sie sind sogenannte Blutlöwen. In Südafrika gibt es dreimal mehr zum Abschuss geweihte Löwen als wilde – ein Riesengeschäft. Plasil hat die internationale Diskussion über Blutlöwen neu angefacht mit Fotos, die er von seinem Grundstückszaun aus geschossen hat.

Wenn die Touristen ausbleiben, wird das Geld für Futter knapp

Die Bilder der offensichtlich unterernährten Tiere lösten in den sozialen Medien einen Sturm der Entrüstung aus. Der Besitzer Walter Slippers gibt sich betont locker und zeigt der RTL-Reporterin Nicole Macheroux-Denault seine Anlage. Die Blutlöwen haben Slippers reich gemacht. "Zugegeben, 95 Prozent meiner Löwen werden zur Jagd verkauft", sagt er ohne schlechtes Gewissen und erklärt: "Ja, das waren meine Löwen auf den Bildern. Ich habe ja nie etwas anderes behauptete." Die Aufnahmen seinen alt und stammten von Februar. Damals sei er krank gewesen, darum habe er sich nicht um die Tiere kümmern können. Das reicht dem Geschäftsmann als Rechtfertigung.

Erfahre Jäger rümpfen die Nase über die sogenannte Löwengatterjagd. Denn die Blutlöwen sind an Menschen gewöhnt. "Lässt man sie zur Jagd frei, haben sie eigentlich keine Chance zu überleben. Es ist ein wenig sportliche Event, was dann stattfindet", berichtet Nicole Macheroux-Denault.

Der Multimillionen-Branche Löwenjagd geht es jedoch erstmals richtig mies. Seit dem Skandal um den berühmten Löwen Cecil bleibt der Strom der tropäengeilen Hobby-Jäger vor allem aus den USA aus. Seit Cecil ist die Einfuhr von Löwen-Trophäen in die USA verboten und deshalb ist das Geld für Löwenfutter in Südafrika knapp.

In Johannesburg beraten außerdem Vertreter von 183 Staaten auf der 17. Welt-Artenschutzkonferenz über neue Regelungen zum weltweiten Handel mit gefährdeten Tieren und Pflanzen. Es steht auch zur Debatte, ob die Jagd auf Blutlöwen verboten werden soll. Sollte die internationale Gemeinschaft den Schutzstatus für Löwen heraufsetzen, dürfen weltweit keine Löwen-Trophäen mehr importiert werden. In Südafrika sind dadurch rund 7.000 Blutlöwen betroffen und natürlich auch Arbeitsplätze. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass Tausende Löwen dann eingeschläfert werden. Eine absurde Situation – es könnte passieren, dass sozusagen zu ihrem eigenen Schutz Tausende Blutlöwen sterben müssen.