Arnautovic im Wandel: "Ich mag es nicht, mich zu loben"

Nach seinem zweiten Tor in Hoffenheim ging es für Marko Arnautovic in die Arme von Thomas Schaaf.
Nach seinem zweiten Tor in Hoffenheim ging es für Marko Arnautovic in die Arme von Thomas Schaaf.
© Bongarts/Getty Images, Bongarts

14. Januar 2015 - 12:50 Uhr

Es war ein Bild mit Symbolcharakter, als Marko Arnautovic nach seinem zweiten Treffer in die Arme von Trainer Thomas Schaaf sprang. Der Österreicher schoss Hoffenheim beim 4:1-Auswärtsieg mit seinen drei Toren quasi im Alleingang ab, wollte aber danach gar nicht groß gefeiert werden. "Ich liebe es nicht so sehr, mich selbst zu loben", sagte der Stürmer, der stattdessen lieber seinem Trainer und den Kollegen auf die Schulter klopfte.

Schaaf habe es sich "einfach mal verdient", mit der Mannschaft zu feiern. "Er arbeitet genau so hart wie die Mannschaft. Das war ein Zeichen an das ganze Trainerteam, das es auch nicht einfach mit uns hat. Die Trainer haben uns in dieser Saison schon so oft gut eingestellt und wir haben sie und uns trotzdem nicht mit Punkten belohnt", meinte Arnautovic.

Während er lange als Egozentriker und Einzelgänger galt, scheint der Nationalspieler endgültig in Bremen angekommen zu sein. Er spielt groß auf, betont aber auch, wie wichtig seine Mitspieler für ihn sind. Nach dem Spiel in Hoffenheim waren es Kevin De Bruyne und Eljero Elia, die Honig um den Mund geschmiert bekamen: "Das war ein sensationeller Pass von 'Kev'. Elli hätte den auch nehmen können, aber er lässt ihn durch und ich habe freie Schussbahn. Das war klasse herausgespielt", sagte Arnautovic zum sehenswerten 2:0.

Die einstige Diva hat seine Starallüren abgelegt, spielt endlich mannschaftsdienlich und schon jetzt seine beste Saison mit Werder Bremen – zumindest wenn man den Zahlen glaubt: Der Österreicher ist an jedem dritten Tor der Grün-Weißen beteiligt; fünf Treffer erzielte er selbst, vier weitere seiner Kollegen bereitete er vor. Zum Vergleich: In den beiden letzten Spielzeiten waren es insgesamt zwölf Tore, an denen Arnautovic beteiligt war.

Schaaf: "Jetzt liegt es an ihm, das fortzusetzen"

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, doch viel beeindruckender ist die Art und Weise, wie der Österreicher in der Hinrunde spielt. Er krempelt die Ärmel hoch, ackert nach hinten und beweist mehr und mehr, welche herausragenden Qualitäten er in der Offensive hat. Das deutete Arnautovic zwar auch schon in den letzten zwei Jahren in Bremen an, doch da überstrahlten seine Skandale die dürftigen Leistungen.

Arnautovic tanzte Schaaf regelmäßig auf der Nase herum. Der Trainer verlor oftmals die Geduld, strich seinen Angreifer zweitweise sogar aus dem Kader. Im Training präsentierte sich der Torjäger lustlos, auf dem Platz ging der Angreifer den Zweikämpfen regelrecht aus dem Weg. Der Höhepunkt im Spiel gegen Nürnberg: Als er für Sandro Wagner ausgewechselt wird, verweigert der Nationalspieler seinem Kollegen den Handschlag und legte sich danach mit dem damaligen Manager Klaus Allofs an ("Kannst mir das ganze Gehalt abziehen und an deine Familie verteilen").

Wenn man die Spielweise und das Auftreten jetzt nimmt, fragt man sich, wer in das Trikot mit der Nummer 7 geschlüpft ist. Fans und Kollegen scheinen den früheren Stinkstiefel nicht mehr wiederzuerkennen. "Marko hat es heute auch der Defensive leicht gemacht zu verteidigen. Er weiß aber selbst, dass er das noch viel öfter abrufen kann", sagte Landsmann Sebastian Prödl nach dem Spiel in Hoffenheim.

Weil man aber auch weiß, dass Arnautovic seinen genialen Momenten in der Vergangenheit immer wieder schwache Leistungen und Skandale folgen ließ, gab es nach seinem Dreierpack aber auch einen Seitenhieb. "Wir wollen nicht so viel über Marko reden, sonst könnte es nächste Woche wieder schwierig werden", sagte Lukas Schmitz mit einem Augenzwinkern. Schaaf, den Arnautovic nach dem Tor gar nicht mehr loslassen wollte, kommentierte die Leistung seines Stürmers mit seiner gewohnt trockenen Art: "Wir wollen die Tore von ihm sehen, jetzt liegt es an ihm, das fortzusetzen."