17. Mai 2019 - 12:29 Uhr

von Denise Kylla

Sie war ein fröhliches Mädchen, doch dann traf sie auf Sex-Guru Torsten W. Der 53-Jährige soll Carina U. manipuliert und in seine Fänge gebracht haben. Die Reise endete für die 19-Jährige mit dem Tod. Sie war eine der Leichen, die im Zusammenhang mit den Armbrust-Morden in Wittingen aufgefunden worden ist. Wie muss eine junge Frau ticken, um empfänglich für die manipulativen Worte eines Sex-Gurus zu sein? Wir haben mit Psychologen gesprochen.

Wie sehr Carinas Eltern leiden, erklären sie im Video

Carina U., als sie noch glücklich war.
Carina U. auf einem Schnappschuss ihrer Familie
© Privat

Alles fing an, als sie einen Selbstverteidigungskurs in der Kampfsportschule von Torsten W. belegte. Danach habe sich Carina verändert, erzählten ihre Eltern im RTL-Interview. Plötzlich habe sie nur noch Kontakt zu Leuten aus der Sportschule gehabt, sich immer weiter abgekapselt. Dabei hätte es davor nie Probleme gegeben, so die Eltern. Aber warum kann es passieren, dass junge Mädchen Gurus zum Opfer fallen? Profiler Axel Petermann gibt einen Einblick:

"Man muss sich das so vorstellen, dass das so eine Indoktrination ist, die suggeriert, dass das Leben, in dem sie bisher war, feindlich ist. Dass es nicht gut für sie ist und dass sie Vollkommenheit erleben werden", erklärt Petermann.

„Es gibt andere Fälle, da spielt Familie eine Rolle"

Auch Katharina Ohana hat das Armbrust-Drama verfolgt. Die Psychologin kennt ähnliche Fälle, in denen auch die Familie der Sekten- oder Guru-Opfer eine Rolle spielten. "Wenn in der Kindheit etwas schiefgelaufen ist, dann versuchen junge Frauen oft, das wieder gut zu machen", erklärt die Expertin. Habe man zum Beispiel ein schlechtes Verhältnis zum Vater gehabt, würde man sich später jemanden suchen, der seinem Vater sehr ähnlich sei und hoffe darauf, dass die Person "alles wieder gutmacht".

Das müssen keine großen Vorkommnisse gewesen sein - hier reichen auch kleine Unzufriedenheiten. Wenn Frauen dann an Männer wie Sektenführer oder eben Sex-Gurus gelangen würden, könnte das Ganze aber nach hinten losgehen: "Wenn die Frauen dann schlecht behandelt werden, wiederholt sich nur das, was man aus der Kindheit schon kennt. Sie empfinden das dann aber als normal", sagt Ohana.

Dr. Mark Benecke: „Das fängt mit Tagebuch oder SMS lesen an"

Dr. Mark Benecke ist Kriminalbiologe.
Dr. Mark Benecke ist Forensiker und Kriminalbiologe.
© Oetinger

Dieses Thema müsse aber nicht zwangsläufig nur Frauen betreffen. Im Interview mit RTL.de erklärte Forensiker und Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke: "Menschen - nicht nur Frauen -, die aus übergriffigen Verhältnissen kommen, merken bei grenzüberschreitenden Partnern oder Partnerinnen nicht so schnell, wenn rote Linien übertreten werden oder sehen ihnen diese Übertretung zu schnell nach."

Oft würden die Übergriffe im Kleinen beginnen. "Das fängt mit Tagebuch oder SMS lesen an, geht über die Kontrolle und Einschränkung des Freundeskreises und endet mit allen Formen von Gewalt."

Im Fall von Carina U. endete diese Abhängigkeit mit dem Tod. Wie sehr ihre Eltern leiden, das sehen Sie im Video.