Szenen, die in Kinderfilmen nichts zu suchen haben sollten

So rassistisch und sexistisch sind diese 12 Disney-Klassiker

Walt Disney
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01. August 2020 - 10:08 Uhr

Diese Disney-Filme sind nicht so harmlos, wie man glaubt

Das Medienimperium "Disney" liefert uns seit Jahrzehnten unzählige Filme zur Unterhaltung, die besonders bei den Kleinsten sehr beliebt sind. Viele der Filme haben mittlerweile Kultstatus erreicht. Eltern machen sich dabei meistens keine Gedanken, schließlich sind die Filme ja kinderfreundlich, oder? Naja, es lohnt sich durchaus mal genauer hinzuschauen. Einige der Produktionen beinhalten nämlich sehr fragwürdige Darstellungen, bis hin zu eindeutig sexistischen oder rassistischen Inhalten. Wir haben uns 12 Film-Klassiker mal genauer angeschaut und mussten dabei festestellen, es gibt kaum eine Bevölkerungsgruppe, die Disney nicht beleidigt hat.

1. Arielle, die Meerjungfrau

Walt Disney's "Arielle, die kleine Meerjungfrau"    BOX
Ungleiche rassistische Machtverteilungen in der Filmindustrie sind allgegenwärtig, auch in Klassikern wie "Arielle".
© picture-alliance / KPA Honorar &

Als der Film im Jahr 1989 erschien, reagierten viele Zuschauer nicht nur empört auf die Phallus-ähnliche Form des Königspalastes der Unterwasserwelt - es waren vor allem die rassistischen und sexistischen Stereotype, die beim Publikum nicht unbedingt gut ankamen. In dem Lied "Unter dem Meer" singt Arielles kleiner Freund Sebastian darüber, wie viel Spaß das Leben macht, wenn man keine Sorgen und nur wenig Verantwortung hat. Da die Krabbe im englischen Original aber mit einem kräftigen jamaikanischen Akzent spricht, entstand das Bild, dass Jamaikaner faul seien. Dass noch dazu viele Fische - bis auf Fabius - mit großen, voluminösen Lippen dargestellt wurden und mit einem "schwarzen" Akzent sprachen, sorgte ebenfalls für Aufregung.

#NotMyAriel: Neue Arielle-Besetzung löst Rassismus-Debatte aus!

Genau wie das Lied "Die armen Seelen in Not" von Ursula. Darin singt die böse Seehexe, dass Frauen zu viel quatschen würden, was den "Menschenmännern" nicht gefalle, und sie attraktiver seien, wenn sie die Klappe hielten. Aus diesem Grund soll Arielle auch ihre schöne Stimme verlieren, sobald sie an Land kommt - sie habe ja ihr hübsches Gesicht.

2. Schneewittchen

Schneewittchen und der Prinz. Kinostart:Feb.1950 und April 1992
"Schneewittchen und die sieben Zwerge"
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Ähnlich frauenfeindlich erscheint heutzutage die Darstellung von "Schneewittchen" aus dem Jahr 1937. Anders als im Original der Brüder Grimm, in dem die sieben Zwerge ordentlich sind, muss die Dienstmagd in der Disney-Version alleine den Haushalt schmeißen - wie es sich für eine gute Hausfrau der 30er-Jahre eben gehört. Noch dazu sind die Tage des hübschen Mädchens gezählt, weil die böse Königin sie aus Eifersucht töten lassen möchte.

Nachdem Schneewittchen genüsslich in einen Apfel beißt und ins Koma fällt, kann sie erst wieder durch einen Kuss des ihr bis dato völlig unbekannten Prinzen zum Leben erwachen. Die anwesenden Zwerge sind zu Tränen gerührt, als das Schneewittchen wieder aufwacht und auch Schneewittchen verliebt sich sofort in den Prinzen - aber hätten sie ebenso euphorisch reagiert, wenn der Erlöser kein Prinz , sondern ein x-beliebiger Landstreicher gewesen wäre, der sich an ihre schlafende Freundin vergeht? Wohl kaum.

3. Peter Pan

Peter Pan
"Peter Pan"
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In "Peter Pan" von 1953 sucht der gleichnamige Held nach den verlorenen Kindern, die von einem Indianerstamm entführt wurden. Der Streifen ist einer der erfolgreichsten Disney-Filme aller Zeiten - obwohl er ein rassistisches Stereotyp über die indigenen Ureinwohner aufrechterhält. Diese werden im Original nicht nur "Injuns" - zu deutsch "Rothaut" - genannt, sondern auch als tollpatschig und dumm dargestellt.

Das ursprüngliche Lied "Was macht ein roten Mann rot?" beginnt mit der fragwürdigen Auffassung, dass die ungebildete "Rothaut" – sinngemäß - keine Ahnung von nichts hatte, bis sie den klugen weißen Mann fragte. Die "rote" Hautfarbe wird damit erklärt, dass ein Indianerprinz vor ein paar Millionen Jahren ein Dienstmädchen küsste, das daraufhin errötete. Seitdem seien alle "rot". Nicht ohne Grund sah sich Disney aufgrund der massiven Kritik gezwungen, das Lied zu verändern: In dem neun Lied "Was macht einen mutigen Mann mutig?" können die Ureinwohner nun von sich aus Neues lernen, ohne auf die Intelligenz ihrer Unterdrücker angewiesen zu sein.

4. Dumbo, der fliegende Elefant

Dumbo
"Dumbo"
© Imago Entertainment

Der vierte Zeichentrickfilm von Disney hinterließ nicht nur wegen der Szene, in der der Elefant mit den überdimensionalen Ohren versehentlich Sekt trinkt und daraufhin halluziniert wie auf Pilzen, viele verstörte Zuschauer. Die Namenswahl der Krähe, auf die der gehänselte Dumbo trifft, hätten sich die Macher durchaus sparen können.

Denn "Jim Cow" ist nicht nur das zweifelhafte Symbol für einen "unterhaltsamen Schwarzen", sondern steht auch für das bis 1964 anhaltende System der Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen in den USA: Die "Dumbo"-Krähe Jim Cow spricht im Englischen mit einem schwarzen Akzent, genauso wie ihr Chor. Für Missbilligung sorgt auch eine Szene, in der kopflose schwarze Arbeiter - vermutlich Sklaven - darüber singen, wie sie nie das Lesen und Schreiben gelernt haben.

5. Das Dschungelbuch

(v.l.) Kaa die Schlange, Affe King Louie, der Tiger Shir Khan, die Geier Buzzy, Dizzy, Ziggy und Flaps, Mogli, der Panther Baghira, Shanti, Balu der Bär, Junior der kleine Elefant und sein Vater Colonel Hathi und der Wolf Rama mit seiner Familie.
"Das-Dschungelbuch"

In dem Film von 1964 sprechen die Affen - die nach eigenen Angaben lieber Menschen wären - Jive, einen Slang, der mit afroamerikanischen Jazzsängern assoziiert wird. Zufall? Wohl kaum: Der Autor von "Mogli", Rudyard Kipling, hatte 1899, kurz nach dem Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges, ein Gedicht über den weißen Imperialismus veröffentlicht. In "Die Bürde eines Weißen Mannes" nennt er die indigene Bevölkerung "frischgefangene Halbwilde und halb Kind". Dass auch Afroamerikaner für ihn keinen höheren Stellenwert hatten, liegt nahe.

6. Aristocats

Szene aus dem Walt-Disney-Zeichentrickfilm "The Aristocats" von 1970: Mit verliebten Blick lauscht Straßenkater O'Malley dem Harfenspiel der vornehmen "Duchess". Der Film handelt von den Abenteuern einer Katzenfamilie im Paris der Jahrhundertwende, d
"Aristocats"
© B0193 Bert Reisfeld

Die Liebesgeschichte zwischen der vornehmen Katzendame Duchesse und dem Straßenkater Thomas O'Malley kam 1970 auf die Leinwand. Dabei ist es aber nicht das ungleiche Paar, das für Kritik sorgt, sondern die Darstellung von O'Malleys Gangmitglied. Als sei sein Name nicht schon Hinweis genug, wurde bei Shun Gon durch das Malen von mandelförmigen Augen - abwertend auch als "Schlitzauge" bezeichnet - deutlich gemacht, dass es sich bei dem Siamkater um einen Chinesen handeln soll.

Verstärkt wurde das Stereotyp mit dem Essstäbchen, die er für das Klavierspielen benutzt und seinen Gesang, der fast nur aus einzelnen Wörtern mit China-Bezug wie "Shanghai" und Honkong" besteht. Der russische Kater Billy Boss sieht zudem aus wie Josef Stalin und Peppo soll mit seiner Ziehharmonika und einem roten Schal einen italienischen Womanizer verkörpern.

7. Aladdin

aladdin
"Aladdin"

Das Vorurteil, dass Araber gewalttätig und aggressiv sind, gibt es schon seit Jahrzehnten. In unzähligen Filmen werden sie als Barbaren dargestellt - auch in der Liebesgeschichte zwischen Aladdin und Prinzessin Jasmin. In dem ersten Song des 1992er-Films - "Arabische Nächte" - beschreibt ein arabischer Händler seine Heimat, "wo sie deine Ohren abschneiden, wenn ihnen dein Gesicht nicht gefällt. Es ist barbarisch, aber hey - es ist Heimat".

Auf Druck des Amerikanisch-Arabischen-Antidiskriminierungs-Kommitees änderte Disney für die Videoversion den Teil mit den abgetrennten Ohren in "wo es flach und intensiv und die Hitze immens ist". Bei der Bezeichnung "barbarisch" blieb der Konzern allerdings hartnäckig, das Wort ist bis heute im Soundtrack enthalten.

8. Susi und Strolch

susi und strolch
"Susi und Strolch"

Die Szene, in der die beiden Hunde bei einem romantischen Date einen Teller Spagetti Bolognese teilen, ist weltberühmt. In Vergessenheit gerät jedoch gerne, dass auch in dem Zeichentrickfilm von 1955 rassistische Stereotypen auftreten. Gemeint sind die beiden boshaften Siamkatzen Si und Am, die im Lied "Wir sind Siamesen" mit einem Gong in die Geschichte eingeführt werden und mit übertriebenen "Schlitzaugen" gezeichnet wurden. Falls bis dahin immer noch nicht klar war, dass die beiden Zwillinge Chinesen darstellen sollten, wurde es mit ihrem gebrochenem Englisch noch untermauert.

Solche Stereotype wurden vor allem in den USA seit Mitte des 19. Jahrhunderts benutzt, um in der Bevölkerung die Angst vor Asiaten zu verstärken. Diese wurden als Bedrohung für die (westliche) Welt dargestellt, was zu Massakern chinesischer Migranten in Chinatowns und harten Anti-Immigrationsgesetzen führte. Ab den 1940er-Jahren verbesserte sich die Situation für die chinesischen Amerikaner - viele Vorurteile aber blieben.

9. König der Löwen

Simba als König der Tiere. Am 17.11.1994 kam der Walt Disney-Zeichentrickfilm "Der König der Löwen" in die deutschen Kinos. Der Streifen, der in den USA in den ersten neuen Wochen bereits über 240 Millionen Dollar einspielte, erzählt die allegorische
"König der Löwen"
© Buena vista, C2432 dpa-Film Buena Vista

Der erfolgreichste Disney-Zeichentrickfilm aller Zeiten wird wohl kaum rassistische Stereotypen beinhalten, oder? Oh doch! Wer die Produktion auf Englisch kennt, wird herausgehört haben, dass die Hyänen Shenzi, Banzai und Ed einen ausgeprägten schwarzen Slang sprechen - und gleichzeitig als böse, ungebildet und faul dargestellt werden. Der Elefantenfriedhof, auf dem die drei Tiere nach ihrer Verbannung aus dem Königreich schlafen, wurde von vielen empörten Zuschauern mit Ghettos verglichen, in den viele Afroamerikaner unter prekären Bedingungen leben müssen.

10. Fantasia

Fantasia
"Fantasia!
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Im Gegensatz zu den weißen, großen, schlanken Zentauren mit wallenden Mähnen wurde die schwarze Bedienstete Sunflower wesentlich kleiner, pummeliger und mit Zahnlücke dargestellt. Diese Nebenrolle war so unnötig und rassistisch, dass sie ab 1969 aus allen Veröffentlichen des Films entfernt wurde. 

11. Pocahontas

Pocahontas
"Pocahontas"
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Die Liebesgeschichte zwischen der Indianerfrau und dem britischen Abenteurer John Smith von 1995 spielte allein am Eröffnungswochenende 30 Millionen Dollar in den Kinos ein. Doch die vielen historischen Ungenauigkeiten und rassistischen Vorurteile führen bis heute immer wieder zu Kontroversen unter den Zuschauern.

Der Film weist zwar ein paar Parallelen zur echten Pocahontas auf - laut historischen Aufzeichnungen dürften die Ureinwohnerin aber um die zwölf Jahre gewesen sein, als sie den rund 15 Jahre älteren Smith kennenlernte. Eine Liebesbeziehung zwischen den beiden ist - anders als im Film - nicht bekannt. In dem Lied "Wilde sind's" werden die Indianer von den weißen Kolonialisten unter anderem "Ungeziefer (…) und schlimmer" genannt. "Ihre ganze widerliche Rasse ist wie ein Fluch. Ihre Haut ist höllisch rot. Sie sind nur gut, wenn sie tot sind", heißt es weiter.

12. Commando Duck

Die berühmteste Ente der Welt, Donald Duck, wird im "Wald der Zahlen" in die Mathematik eingeführt (undatierte Aufnahme). Die Comic-Ente, die am 9. Juni 1999 ihren 65. Geburtstag feiert, wurde 1934 in Walt Disneys Cartoon "The Wise Little Hen" "gebor
Die berühmte Comic-Kultfigur "Donald Duck"
© Disney, B0193 Bert Reisfeld

Last but not least: Der hierzulande relativ unbekannte Disney-Film von 1944 gilt heutzutage als US-Kriegspropaganda, in dem viele Vorurteile zementiert wurden. So werden die japanischen Gegner des Soldaten Donald Duck mit übertriebenen Akzenten, einem breiten Lächeln und riesigen gelben Zähnen dargestellt - selbst die japanischen Bäume wurden mit sichelförmigen Oberlidfalten gezeichnet. Die Soldaten befürworten zudem, den ersten Schuss auf den Rücken eines Mannes abzufeiern. Mittlerweile wurden die meisten antijapanischen Referenzen aus dem Film entfernt, der Fokus liegt auf Donald.